2014 – „Das Jahr der Pflege“ – Was ist passiert?

Nachdem 2011 bereits (noch unter Herrn Rösler) das Jahr der Pflege von der Politik ausgerufen wurde und nichts passiert ist wurde kurzerhand 2014 erneut zum Jahr der Pflege ernannt. In Erwartung des Großen Wurfes des Bundesgesundheitministeriums unter Herrn Gröhe und dem Pflegebeauftragtem der Bundesregierung Herrn Laumann wurden wir von einer Mini Pflegereform (Dem sogenannten Ersten Pflegestärkungsgesetz) nahezu „überrollt“. Zugegeben, einige Punkte gehen in die richtige Richtung sind aber nicht konsequent zu Ende gedacht. So ist eine Entlastung der Pflegenden Angehörigen eine schöne und wichtige Idee aber weniger als 10 € mehr Pflegegeld pro Monat und eine Verlängerung der Möglichkeit von Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege sind halt leider nicht ausreichend!

Auf höhere Mindestlöhne für Beschäftigte in der Pflege wurde sich dieses Jahr auch geeinigt: Ab 1. Januar 2015 soll der Mindestlohn auf 9,40 Euro pro Stunde im Westen und 8,65 Euro im Osten steigen. In zwei Schritten soll er bis Januar 2017 weiter wachsen und dann 10,20 Euro pro Stunde im Westen und 9,50 Euro im Osten betragen. Ab Oktober 2015 gilt der dann auch für Betreuungskräfte von dementen Personen, Alltagsbegleiterinnen und -begleiter sowie Assistenzkräfte.

Auch die zusätzlichen 20.000 Betreuungskräfte für stationäre Pflegeeinrichtungen (Sogenannte 87b Kräfte) sind kein Tropfen auf einem heißen Stein sondern ein Tropfen auf die Wüste Gobi!

Die Pflegekräfte in Krankenhäusern hat man gleich mal ganz von Verbesserung „verschont“…

Das ganze „kostet“ uns Steuerzahler übrigens in zwei Schritten 0,5 % Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung! Und die sollen laut offiziellen Zahlen 5 Milliarden Euro Mehreinnahmen im Jahr bringen…

Aber was bringt das uns 1,5 Millionen Beruflich Pflegenden? Die sich tagtäglich zum Dienst schleppen und oft nur noch „Funktionieren“? Die immer noch glauben „Ich muss erreichbar sein im Frei! Ich muss einspringen! Ohne mich geht es nicht auf der Arbeit!“ Was bringt dies bei einer unglaublich hohen Berufsflucht und Ausscheiden aus dem Beruf sowie extrem hohen Krankenständen und einer Durchschnittlichen Verweilauer im Beruf von 6 Jahren? Was bringt es wenn immer weniger Auszubildende zu finden sind weil Wohlfahrtsverbände Tarifverträge kündigen und die Arbeitsbedingungen oft untragbar sind? Wenn das Helfersydrom der Pflegekräfte („Ich liebe meinen Beruf und die alten Leute“ „Pflege ist Berufung – ein Lächeln der Patienten / Bewohner ersetzt mir die 500 € im Monat die mir fehlen zu leben“) von den Arbeitgeber mit offenen Armen nicht nur begrüßt sondern auch verlangt wird? (UND JA es gibt viele Tolle Arbeitgeber! Einige sind auch bei den Initiativen die bessere Pflege fordern dabei und aktiv – Ein gutes Zeichen!)

Doch es gibt auch positive Nachrichten! Immer mehr Gruppen und Initiativen entstehen und wecken in den Ausgebrannten und auf einsamer Stellung kämpfenden Pflegekräften die letzten Funken an Widerstandswillen! Doch es sind noch zu wenig! Es gibt immer noch 95 % Pflegekräfte die einfach weiter funktionieren und deren größter Aktionismus es ist im Internet/bei Facebook zu jammern oder mal den Daumen zu einem „Like“ zu heben.

Dabei gibt es so viele Möglichkeiten sich auszudrücken und zu engagieren! Da ist für jedes „Gschmäckle“ was dabei – und das gegenseitige Schlechtmachen und infrage Stellen der Ziele und Ausdrucksform gar nicht nötig! J

Ob Pflege am Boden, Pflegeaktivisten, Pflege am Limit, Pflegeaufstand, Pflegenot, Wa(h)re-Gesundheit-Da-hilft-nur-noch-beten? Oder hier bei Pflegepersonal auf die Straße, und und und … Man kann sich über alle Gruppen bequem bei Facebook informieren und die Gruppen liken oder Mitglied werden um auf dem Laufenden zu bleiben.

Zusätzlich gibt es mit dem DBfK, dem DPR, Verdi, Kobra (und und und) auch Institutionen die langsam aufmerksam werden und die auch etwas FÜR uns Pflegekräfte tun KÖNNTEN wenn der Organisationsgrad nicht so extrem niedrig wäre! Auch die Frage Pflegekammer ja/nein , Generalisierte Ausbildung ja/nein darf natürlich kontrovers Diskutiert werden – da geht es schließlich um die Zukunft der Pflege in Deutschland! Aber sich informieren über solch wegweisenden Themen wäre schon ein guter Beginn! J

2014 ist die Pflege auf jeden Fall zu einem täglichen Thema in den Medien geworden und die Politiker auf allen Ebenen (Parteiübergreifend!) sprechen mit den Engagierten der Initiativen– Das ist ein gutes Zeichen! Aber wahrscheinlich doch nur Augenwischerei und Hinhalten bis zur nächsten Wahl bei der dann die Würfel ja Bekannter weise neu gemischt werden!

Ich wünsche mir für 2015 mündige Pflegekräfte die Ihre Rechte kennen und die zusammen mit den wenigen Engagierten in den diversen Initiativen eine „Neue Mitte“ bilden die die Pflege würdig vertritt und voran bringt! Außerdem mehr Verbände und Arbeitgeber die diese Initiativen unterstützen und neue Arbeitszeitmodelle und Führungsqualitäten an den Tag legen!

Ich wünsche uns allen viel Erfolg und Kraft im Jahr 2015! Und ein Aufwachen „ganz oben“!

“Pflege am Boden Kitzingen und Pflegepersonal auf die Straße”

Ein Gedanke zu „2014 – „Das Jahr der Pflege“ – Was ist passiert?

  1. Katja

    Die Einführung des Mindestlohnes sehe ich als ganz wichtigen Schritt an. Wenn man sich einmal anschaut, was die Pflegekräfte tagtäglich leisten, dann ist die Höhe des Mindestlohnes immer noch viel zu wenig. Man kann nur hoffen, dass sich hier in Zukunft noch etwas ändert.

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