Kategorie-Archiv: Allgemein

Tabula Rasa #Pflexit

Ich hab es probiert, vermutlich zu lange.
Ich mache Schluss.
Schluss mit falscher Ethik und Moral,
mit psychischer und physischer Überlastung.
Schluss mit Schichtdienst.
Schluss mit geldgeiler Geier die auf Kosten von Krankheit und Angestellten Profit machen.
Ich will nicht mehr nach Hause gehen, mit mir unzufrieden sein und es an den Menschen auslassen die nichts damit zu tun haben.
Ich will nicht mehr unverstanden Dinge erzählen von denen kein Mensch glaubt dass sie so im Krankenhaus stattfinden, ich will nicht mehr ’nur‘ die Krankenschwester sein die für den übrigen Arbeitsmarkt offiziell nichts kann.
‚Nur Menschenleben retten und helfen gesund zu machen‘, zählt halt nicht.
Ich will nicht mehr dem Berufsstand angehören bei dem es scheinbar in Ordnung ist wenn jemand sagt: Berufung braucht es halt.
Berufung zahlt für mich nicht bei Penny oder Aldi, genauso wenig zahlt sie meine Miete.
Eigentlich ist jede Lohnzahlung eine Klatsche auf die Breitseite ins Gesicht derer die diese Arbeit machen, egal ob als Hilfskraft, im Krankenhaus, im Altenheim oder auf einer Intensivstation.
Noch mehr leisten für immer weniger Gegenleistung, kranken Menschen keine Zeit zukommen zu lassen können und im schlimmsten Fall mit am Tod beteiligt sein.
‚Arsch wischen kann halt nicht jeder!‘ Desto mehr sollte man es wertschätzen. Oder?
Ganz einfach eigentlich.
Ich hab meinen Job immer gerne gemacht, nein nicht gerne sondern passioniert, und würde es auch immer noch gerne machen, wenn man mir von ‚oben‘ nicht stückchenweise den Boden und Möglichkeiten weggezogen hätte.
Ein ‚Gesundheitssystem‘ darf man nicht privatisieren
und zu einem kranken System machen.
Also müssen wir uns leider trennen.
Vielleicht können wir mit Abstand Freunde bleiben,
auch wenn mir das gerade utopisch vorkommt.
Und wie bei jeder Beziehung die sich spaltet gibt es ein lachendes und ein weinendes Auge.
Lachend weil ich mich auf die Zukunft freue
und weinend weil ich so manchen Pappenheimer vermissen werde.
Und ebenso weil ich Angst um die Zukunft habe.
Nicht weil das Boot schon gegen den Eisberg gefahren ist (für uns alle übrigens.)
sondern weil ich nicht in 10 Jahren noch in dem Hamsterrad an der Grenze meiner selbst laufen möchte.
Ich bin jetzt Anfang 30 und wenn ich es jetzt nicht rumreisse passiert nichts mehr.
Und ja was da noch in Zukunft auf uns im Gesundheitssystem zurauscht will keiner hören, will ja schon jetzt niemand.
Ich mache Schluss weil ich kein Teil mehr davon sein will.
Fragt mich nicht was ich alsbald machen werde, ich weiss es selbst noch nicht.

15 Jahre Schichtdienst in der Krankenpflege hinterlassen Scherben und Furchen.
Und das am Ende nicht nur im Gesicht.

Kündigung

Die Generalistik – Unnötige Reform der #Pflege?

Wir haben es geschafft! Immer deutlicher und öfter wird davon berichtet, dass es uns als beruflich Pflegende extrem schlecht geht. Immer wieder sind unsere Belange in der Presse wieder zu finden, nur ein richtiges Standing haben wir immer noch nicht.

Um das Ansehen der Pflege zu verbessern und dem Druck der EU entgegen zu kommen, plant man eine Reform der Pflegeausbildung. Sie scheint greifbar nah zu sein und doch könnte sie nun scheitern. Scheitern an der Blockade der Union und ich kann das nicht einmal kritisieren.

Die generalistische Ausbildung soll kommen. Altenpflege, Kinderkrankenpflege und die „normale“ Gesundheits- und Krankenpflege, sollen in einer Ausbildung zusammen gefasst werden. Kein Jahr der Spezialisierung mehr, wie wir es im dritten Jahr zwischen der Kinder- und der Erwachsenenpflege kennen.

Nun diese, noch einmal deutlich mehr der Theorie zugewandte Ausbildung, hat viele Unterstützer in den Verbänden der Pflege und nicht zuletzt in den Universitäten. Erhofft man sich doch eine starke Annäherung an die Partnerländer in der EU. Erhofft man sich doch, dass vor allem der Bereich Altenpflege ein besseres Ansehen erlangt. Der Wegfall des Titel Altenpflege, soll ein in der Öffentlichkeit negativ geprägtes Bild unserer Berufswelt verschwinden lassen.

Es mag sein, dass die Generalistik rein wissenschaftlich betrachtet eine sinnvolle Novellierung unserer Berufsausbildungen darstellt. Der Widerstand der Union zeigt nun aber, vielleicht war dieser extrem große Sprung zu weit gefasst und aus diesem Grund zum Scheitern verurteilt. 

Wir sprechen mit der nun anstehenden Novellierung, von der zweiten Gesetzesänderung in knapp zehn Jahren. Das ist reichlich sportlich und schnell. Den Zugang zum Pflegeberuf nun weiter einzuschränken, die Spezialisierung auf einen der drei Hauptbereiche raus zu nehmen und die Hochschulausbildung zu fokussieren ist vielleicht einfach zu viel.

Ein Schritt hätte aus meiner Sicht sein können, die Altenpflege zunächst in die bestehende Struktur der Gesundheits- und Krankenpflege als auch Gesundheits- und Kinderkrankenpflege einzugliedern. Eine gemeinsame Ausbildung über zwei Jahre, mit einem dritten Jahr in dem eine Vertiefung in die Bereiche Kinderklinik, Klinik und Pflege im Alter hätte statt finden können.

Ein sinnvoller kleinschrittiger Ansatz, der bei der konservativen Politik, wie auch bei Arbeitgeberverbänden deutlich weniger Angst ausgelöst hätte. 

Sehr ausführlich wurde untersucht ob die generalistisch ausgebildeten Kräfte, das spezifische Wissen für die Stationen schnell aufholen können. Dies wurde soweit es mir an der Uni Witten vermittelt wurde, positiv bescheinigt. Ja die Schülerinnen und Schüler, können nach ihrem Examen trotz fehlender Spezifikation sehr schnell das für den Bereich nötige Wissen nacharbeiten. 

Dies mag an Modellschulen und Krankenhäusern klappen.

In der Breite teile ich da die Befürchtungen der unterschiedlichen Verbände wie den BPA (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V.), deren Meinung ich tatsächlich nur sehr ungern stärke. Allerdings sind die Mitglieder des BPA mitverantwortlich für meine Sicht der Dinge. Die Pflegedienste, Pflegeheime und Krankenhäuser sind in der Masse strukturell so unterbesetzt, dass bis auf wenige Modellbetriebe, eine sinnvolle Einbindung der generalistisch ausgebildeten Pflegekräfte zum Zwecke der Kompetenz steigernden Einarbeitung nicht möglich sein wird.

Ein Scheitern der Berufsreform Pflege, wird tragische Folgen vor allem für die Altenpflege haben. Kleinere Ziele und die Einbindung der Altenpflege in das jetzt gültige Ausbildungsgesetz der Gesundheits- und Krankenpflege, hätten aus meiner Sicht mehr Sinn gemacht.

Eine realistische Formulierung der Ziele der Pflegeberufsreform, hätte mehr Energie für andere „Schlachtfelder“ der Pflege übrig gelassen. Vielleicht hätten wir dann auch mehr Mut der Verbände erleben können, mit progressiven Protestformen und nicht nur mit Luftballonen und Trillerpfeifen.

Bevor nun eine Reform der Pflegeberufe gänzlich scheitern sollte, ist ja vielleicht doch noch Zeit für den hier angerissenen Plan B.

 

T.Weijers

(Herzlichen Dank an @Nanunana249)

Pflegestreik und was nun?

Ich beteilige mich nun von Anfang an an der Mittwochsmahnwache unter dem Hashtag #pflegestreik. Deshalb versuche ich jetzt mal für mich Bilanz zu ziehen und zu analysieren, was da vorgeht.

Bei der Bilanz ist es recht einfach. Das ganze bringt uns nicht weiter!
Einige wenige „Externe“ beteiligen sich,
aber mediale oder gar politische Resonanz geht gegen Null.
#Pflegestreik ist als Thema nicht sexy, aber warum?
Betrifft Pflege nicht früher oder später jeden?
Ich denke schon!

Am Anfang dachte ich es liegt daran, dass das Thema irgendwie schlecht ankommt weil man zugeben müsse, dass man am falschen Ende gespart hat. Doch dann kam die aktuelle Meldung, dass die Krankenkassenbeiträge steigen sollen. Kein Aufschrei. Kein großes Gezeter.
Das ließ mich verwundert zurück. Es ist also offensichtlich, dass Gesundheit den Menschen in diesem Lande doch etwas wert ist.
Da bleibt ja nur der Schluß: Nur Pflege ist nichts wert.

Das ganze irritiert mich.
Aber wenn man genau hinschaut merkt man plötzlich warum.
Dafür muss man allerdings genau hinschauen.
Ein Beispiel kam aus dem WDR.
Es ging darum weniger gebildete Menschen, in diesem Falle Zuwanderer in Pflegeberufe zu bringen.
Jo, so hab ich auch geguckt.
Aber als ich, sagen wir es freundlich, beim WDR rumgerantet habe, kam folgendes heraus:
Es waren Betreuungskräfte gemeint, nicht die Pflegefachkräfte.
Da wurde mir plötzlich einiges klar. Selbst gut gebildete Menschen haben keine Ahnung, dass Betreuung und Pflege zwei verschiedene paar Schuhe sind!
Wenn das aber schon bei Journalisten so ist,
wie soll denn dann das Bild in der Öffentlichkeit sein?

Ich denke wir „Professionellen“ wissen es!

Pflege kann jeder, man muss sich nur überwinden.

Ja, ich glaube viele nehmen ernsthaft an, sie könnten jederzeit unseren Job machen wenn sie denn nur wollten. Schließlich muss man in der Pflege ja nur seinen Ekel vor Ausscheidungen und dergleichen ablegen und fertig.
Ich glaube, dass man uns für nette Hilfsarbeiter der Ärzte hält.
Deswegen nimmt uns keiner Ernst! Man glaubt es gibt genug arme Schlucker da draußen, die nur darauf warten unseren Job zu machen, weil es ja irgendwie jeder kann. Man glaubt, dass man im Notfall nur das Heer der Mütter und Bildungsverlierer in den Beruf drängen muss und schwupp läuft es wieder. Ob nun ein Baby wickeln oder die pflegbedürftige alte Dame, wo ist da der Unterschied? Da muss man doch nichts für gelernt haben.

Und genau das kotzt mich an! Und wie mich das ankotzt! Ich habe jeden Tag die Verantwortung, dass Menschen nicht vor ihrer Zeit abtreten müssen oder wenn es nicht mehr abwendbar ist, in Würde und schmerzfrei sterben können. Ich muss nachts mit Ärzten diskutieren, die genauso müde und scheiße drauf sind wie ich, weil sie auch am Anschlag arbeiten. Ständig muss ich wichtiges von unwichtigem trennen damit alles läuft, ja auch dann wenn ich „Kaffee saufe“. Ausserdem muss ich noch jede Menge berufsfremden Mist erledigen weil irgendwer irgendwann beschlossen hat, dass Hilfskräfte nur Geld kosten. Irgendwo zwischen Frühstück austeilen, Tischchen putzen und Exkremente entsorgen, sorge ich für Medikamente, Infusionen, Untersuchungstermine und dafür, dass die Patienten wenigstens das Gefühl haben ich wäre für sie da. Pflege ist viel mehr als Hintern wischen und Patienten betüddeln. Ich bin der, der dem Oberarzt kackendreist Desinfektionsmittel über seine Griffel schüttet damit die Keime im Nachbarbett bleiben. Aber dafür muss ich wissen was ich da tue und vor allem die Zeit dafür haben!!

Es kommt nicht primär auf Hände an! Pflege ist ein Ausbildungsberuf mit staatlichem Examen und klar geregelten Zugangsvoraussetzungen. Das müssen alle wissen. Jeder sollte sich im Klaren darüber sein, warum das so ist! Wir brauchen Hände, ja, aber mit hellen Köpfen.
Es wird Zeit die Menschen aufzuklären was Pflege bedeutet und uns von der ebenso wichtigen aber eben eine völlig andere Baustelle betreffenden Betreuung abzugrenzen. Das geht jedoch offensichtlich nur mit Medienpräsenz.
Wir als Berufsgruppe müssen aufhören am Boden zu liegen. Wir müssen laut, sichtbar und unüberhörbar werden! Der Patient Pflege muss mit einem Arschtritt mobilisiert werden. Das haben wir doch drauf werte Kolleginnen und Kollegen, oder?

Wir müssen auf die Straße, aber nicht vor Kliniken.
Wir müssen vor Landtage und den Bundestag.
Die schüchterne, zurückhaltende Pflege muss ins Rampenlicht!
Nur dann können wir ausnutzen, was wir können weil wir es tagtäglich machen. Menschen erklären was los ist.
Dann können wir erklären, was unsern Beruf ausmacht und warum es auf uns und unser Fachwissen ankommt.

Die Pflege muss zum gesunden Menschen kommen und nicht warten bis der kranke Mensch zur Pflege kommt!
Die meisten begreifen dann zwar schnell, aber zu spät.
Deshalb liebe Kolleginnen und Kollegen, steht auf seid laut!
Es ist unser Beruf lasst ihn uns retten bevor alles den Bach runter geht!

Mit freundlicher Genehmnigung übernommen von: Garcon de Piss

„Kontrolle nicht möglich mangels Personal“
oder auch Gedanken zu Pflegestreik

Wir müssen nicht einmal „richtig“ streiken. Es würde reichen, wenn wir aufhören dieses kranke System weiter mit vollem Einsatz zu unterstützen, um allen zu zeigen, dass eigentlich jetzt schon nichts mehr geht.“ So ähnlich schrieb ich ein paar meiner zahlreichen Tweets zum Pflegestreik. Prompt kamen die Antworten: „Warum tut ihr es dann weiterhin?“

Ja meine lieben Kolleginnen und Kollegen, die Frage möchte ich gern weiter geben.
Warum tun wir das?

Ehrlich gesagt, so richtig verstehen tue ich das nämlich auch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich aus einem ganz anderen Bereich in die Pflege gewechselt bin und dort meinen kleinen „Papierstreik“ bereits hinter mir hatte. Zur Erklärung:

Bevor ich auf die geniale Idee kam, meine Ausbildung in einem Beruf zu machen, der ganz viel Anerkennung mündlich wie schriftlich mit sich bringt, nur leider genau gar keine im beruflichen Alltag oder gar auf dem Girokonto, war es meine Aufgabe, dass wichtige Dinge pünktlich am richtigen Ort sind. Diese wichtige Dingen konnten alles sein. Von Werkzeugersatzteilen über Toilettenpapier bis hin zu Dienstwagen und Lkw Ladungen voller Plastikprömpel, die in irgendwelche Aschenbecher für Autos eingebaut werden.
Ich arbeitete nämlich im Einkauf eines Automobilzulieferers. Ist auch nicht weiter wichtig, denn diese Job hatte ich prima im Griff und da ich in einer Zweigstelle eingesetzt war, hatte ich sogar den Luxus, mein eigener Chef zu sein ohne die anderen, natürlich noch viel wichtigere Dinge bestellenden, Einkäufer im Nacken zu haben.

(Könnt ihr mal sehen, was andere Leute teilweise beruflich so für Sorgen haben. „Also, die Teile, die ich bestelle, sind aber viel teurer als Deine. Ich bin hier dass Rennpferd.“ Glückwunsch dazu.)

Es begab sich jedoch, dass sich an einer ganz andere Ecke des Betriebes ein Loch auftat. Nämlich im Wareneingang. Dort waren normalerweise mehrere Gabelstaplerfahrer, 2 Lageristen, 2 Mitarbeiter der Qualitätssicherung und der Lagerchef zugange. Die Gabelstaplerfahrer hatten sich jedoch entschlossen, gleich mal alle gleichzeitig zu kündigen, ebenso ein Lagerist. Nun, da ich meine Baustelle im Griff hatte und meine Überstunden auf dem Zeitkonto brav in Form von verlängerten Wochenenden abgebaut hatte, wurde ich gebeten dem Lagerchef doch „etwas Tipperei“ am PC abzunehmen. Bestände ein- und aus pflegen eben, dachte ich, also kein Problem. Der arme Kerl hasste eh die PC Arbeit, die mit seinem 2 Fingersuchsystem auch noch ewig lang dauerte. Nun komme ich mittags, nachdem ich meinen eigenen Schreibtisch im Akkord abgearbeitet hatte, rüber und erlebe folgendes:
Der Chef des Wareneingangs sitzt auf dem Stapler und lädt Lkws ab, packt die Kisten und Paletten irgendwo hin und drückt mir die Lieferscheine und zwei Stempel in die Hand. Einmal „Ware erhalten“ und der zweite „Stückzahl und Qualität kontrolliert“. Ich sollte das bitte stempeln und unterschreiben, er mache das normalerweise nach Kontrolle aber dafür hätte ja aktuell keiner Zeit. Es ständen noch 4 Lkws mit äußerst schlecht gelaunten Fahrern auf dem Hof, er wüsste gar nicht wie er das schaffen soll. „Und die Bestände?“ fragte ich daraufhin. Die seinen völlig egal, den Computerscheiß schaffe er eh seit Tagen nicht, da stimme sowieso nix mehr im System.

(Fein, dachte ich. Wenn die Bestände nicht stimmen, dann wird es auch schwierig, meinen Job vernünftig zu machen. Denn was soll ich in welchen Mengen nachbestellen, wenn ich gar nicht weiß, ob und wenn ja, wieviel davon im Haus ist? Egal, da muss ich mich dann wohl später drum kümmern.)

„Und was ist mit den beiden Herren von der Qualitätssicherung?“ Die machen irgendwas anderes mit den fertig gebauten Teilen von oben. Die helfen nie im Wareneingang. Hätten nur ihr Büro hier unten.

So liebe Kollegen aus der Pflege, das kommt Euch doch jetzt sicher bekannt vor. Arbeit, die nicht zu schaffen ist. Ausgebildete Fachkräfte, die Helfertätigkeiten durchführen und daher zu ihrer eigentlichen Arbeit nicht mehr kommen, dies jedoch unterzeichnen sollen. Und weitere „noch besser“ ausgebildete Fachkräfte, die lediglich auf dem Papier dazu gehören, sich aber überhaupt nicht dazu berufen fühlen, auch nur irgendwas zu tun. Fast wie auf Station, nur ohne Patienten, oder? Nun komme ich, in meinem jugendlichen Leichtsinn und mache folgendes: Ich latsche zurück zu meinem Schreibtisch, hole meinen einstellbaren Stempel und drehe mir ein nettes „Kontrolle nicht möglich mangels Personal“ zurecht. Da war der Lagerchef aber plötzlich ganz aufgeregt. „Das könne ich doch nicht machen, das ginge bestimmt bis ganz oben.“ „Ja, das ist der Sinn der Sache. Die müssen nämlich wissen, was hier los ist, sonst ändert sich nichts. Außerdem unterschreibe ich ganz sicher nicht für ganze Lkw Ladungen, deren Inhalt ich nie gesehen habe, dass es sich um einwandfreie Ware im Wert von 125000 € handelt. Ganz sicher nicht.“

Um es kurz zu machen: Mein Stempel kam auf die Scheine. Und mit ihm kamen die Damen und Herren aus der Teppichabteilung. Zuerst ging ich selbst zum Betriebsleiter rüber (ein wirklich netter Kerl) der umgehend 2 Leiharbeiter mit Gabelstaplerschein organisierte, die schon am nächsten Morgen ihre Arbeit aufnahmen. Dann kam mich der Chef des Einkaufs besuchen. Durch die Blume gratulierte er mir zu meinen „Eiern“ als popelige Bürohilfe so eine Welle zu reißen. Also quasi mal eben der Personalabteilung per Stempel zu erklären,
dass sie es verkackt hat.
Daran hatte ich bis dahin überhaupt keinen Gedanken verschwendet. Ups!
Zum Schluss kam dann auch noch die Betriebsratsvorsitzende, die meinte, ich solle umgehend in die Gewerkschaft eintreten, wenigstens aber beim nächsten Mal zur Wahl des Betriebsrats antreten. Ich, die 19 jährige Bürohilfe, mit dem komischen Stempel? So ganz verstand ich das Theater damals nicht. Ist auch egal, denn es kam sowieso alles anders. Die Firma gibt es mittlerweile nicht mehr, und ich wollte auch auf etwas ganz anderes hinaus.
Ich habe bis heute noch nie unter irgendetwas meinen Namen gesetzt, wenn ich es nicht selbst erledigt oder mindestens persönlich kontrolliert habe. Für mich bedeutet mein Handzeichen nicht „Guck mal, ich war auch im Dienst.“ sondern „Hierfür trage ich die Verantwortung.“ Und noch mehr Angst, als damals die Verantwortung für eine 125000€ teure Lkw Ladung, die theoretisch ein paar Paletten Papiermüll hätten sein können, zu übernehmen, habe ich heute, dafür zu unterschreiben, dass es einem Patienten gut geht, er jegliche notwendige Unterstützung von mir erhalten hat und ich dafür quasi bürge. Erst recht, wenn ich auch noch ganz genau weiß, dass dem definitiv nicht so ist.
Ich hatte es bislang natürlich auch sehr einfach, dieses Prinzip konsequent durchzuhalten. Während meiner Ausbildung durfte ich ohnehin nur selten selbst dokumentieren (sitzende Tätigkeit, das lassen sich einige Schwestern nur sehr ungern abnehmen, wo doch alles andere schon nur Rennerei und Hetze ist) Und danach bin ich direkt in die Notaufnahme. Dort ist natürlich klar: Wenn ich dokumentiere „EKG gelaufen“ dann, weil ich den Ausdruck bereits in der Hand halte. Alles andere wäre einfach nur bescheuert.

Nichts desto trotz will einfach nicht in meinen Kopf, warum ALLE meine Kollegen, die ich kennen, so „locker“ mit ihren Handzeichen sind. (Entspannt Euch, liebe Kollegen, ich erkläre gleich, was ich mit locker meine.)
Sorry, aber es tut mir körperlich weh Lagerungspläne, Verzeihung „Mobilisationspläne“, zu lesen, auf denen 18 Patienten um 16 Uhr auf links gelagert wurden. Von 2 Pflegekräften. WAS SOLL SO EIN SCHEISS??! Natürlich haben die 2 Kollegen die sogenannte Lagerungsrunde gemacht und natürlich sind auch alle Patienten bewegt worden aber ganz sicher nicht alle um 16 Uhr.
Warum schreiben wir dann so etwas? Warum dokumentieren wir „aktivierende Ganzkörperwaschungen“ mit drölfzig Prophylaxen bei 16 Patienten, zu dritt zwischen 7:00 und 8:30 Uhr. WARUM? WER SOLL DAS GLAUBEN?

Liebe fachfremden Leser, bitte versteht mich an dieser Stelle nicht falsch. Wir sitzen nicht alle sorglos im Dienstzimmer herum und lassen „locker“ ein paar Handzeichen über die Seiten fliegen, Hauptsache die Dokumentation ist hübsch, scheiß auf den Patienten. Im Gegenteil! Viele meiner Kollegen tun alles in ihrer Macht stehende um jedem Patienten zumindest das Notwendigste an Pflege zukommen zu lassen und verachten nahezu die ganze Schreiberei, für die so wertvolle Zeit verloren geht. Ein Großteil der Pflegerinnen und Pfleger aus meinem Umfeld, würde nicht einmal die Kühlschrank Temperatur als ok abhaken ohne auch wirklich nachgesehen zu haben. Und erst recht nicht einem pflegebedürftigem Patienten einen intakten Hautzustand attestieren, ohne jeden Zentimeter auch wirklich inspiziert zu haben. Das meine ich nicht, wenn ich von „locker“ spreche.

Es geht mir um die Dinge, die wir nach täglichen Abwägen der Prioritäten weglassen MÜSSEN, weil einfach keine Zeit dafür da ist. Der Patient, den ich aus Zeitgründen nicht ins Bad sondern lediglich an die Bettkannte mobilisieren konnte. Bei dem Pneumonie Prophylaxe darin bestand, bei geöffnetem Fenster ein paar mal tief durchzuatmen um die frische Luft zu genießen und sonst nix. Den ich nicht mal aus seinem Schlafanzug geholt habe, weil es ihm zum Glück eh wurscht ist, ob er im Schlaf- oder Jogginganzug an seiner Bettkante sitzt um auf das Frühstück zu warten. Ich kann das durchaus verantworten. Natürlich fallen mir mindestens noch 30 Dinge ein, die ich aus pflegerischer Sicht zur Gesundung des Patienten beitragen könnte. Dummerweise warten aber noch 8 andere Patienten, deren Blutdrücke ich noch nicht kenne, die womöglich Schmerzen haben, dringend zur Toilette begleitet werden müssen oder gar im sterben liegen. Also entscheide ich: „Diesem Patienten geht es jetzt gut genug, Mindestmaß erfüllt, weiter geht`s.“
Wie gesagt, das kann ich gerade noch verantworten. Warum aber (und jetzt bitte ich meine Kollegen hier ernsthaft um Antworten, weil ich den Stationsalltag wirklich nur aus Schülersicht kenne) dokumentiere ich danach dieses „Wunderland“?
Mobilisation in Nasszelle, Teilkörperwäsche, Mundpflege, alle relevanten Prophylaxen, bla blub trallala… WAS SOLL DAS?

Schreiben wir es doch einfach mal so wie es ist.

„Gesicht gewaschen, Zähne raus, geputzt wieder rein, Katheterpflege, zum Frühstück in Rollstuhl mobilisiert, mehr war nicht drin.“

oder

Blutdruck, Puls, Temperatur im grünen Bereich, Patient bemerkt den Stress der Pflegekraft und verzichtet auf Hilfe bei der Körperpflege mit den Worten „Bekomme heute eh keinen Besuch, reicht wenn ihr mir morgen ins Bad helft. Zu Hause gehe ich auch nicht jeden Tag duschen, erst recht nicht wenn ich krank bin.“

oder

Vitalzeichen o.B. Wegen eines Notfalls in Zimmer 146 Patient erst nach dem Frühstück wieder angetroffen. Herr M. musste daher in Schutzhose abführen, ist seitdem verständlicherweise sehr schlecht gelaunt und verweigert nun weitere Unterstützung zur Körperpflege und sämtliche Prophylaxen.

oder

Patientin musste aufgrund der Unterbesetzung von Praktikantin bei der Körperpflege unterstützt werden. Frau S. fühlt sich gut versorgt, ob Pflegehandlungen nach Standard und fachlich korrekt durchgeführt wurden, kann nicht beurteilt werden.

Versteht Ihr was ich meine? Ich denke schon.

Mit Hilfe des #Pflegestreik wollen wir unsere aktuelle Situation deutlich machen. „Leute, es geht so nicht weiter! Ihr sterbt womöglich, obwohl wir uns für Euch krank schuften!“ in die Welt schreien. Änderungen müssen her! Ein verbindlicher Personalschlüssel muss her! Und bei aller Liebe, wenn wir genug junge Menschen dazu bewegen wollen, eine Beruf in der Pflege zu ergreifen, wird auch mehr Kohle dafür auf den Tisch kommen müssen. Das sollten wir den Menschen auch genau so sagen. Und ich finde, wir sollten dann auch aufhören, uns selbst zu belügen, indem wir Dinge schön schreiben, die nicht schön sind. Wozu auch? Für die Stationsleitung, die PDL, das Krankenhaus, den MDK, die Politik? Für wen? Alle, die damit zu tun haben, wissen, dass wir unmögliches möglich machen sollen. Warum also weiter lügen? Warum hinter 34 Pflegehandlungen auf einer Liste mein Handzeichen machen, um Geld von der Krankenkasse zu bekommen, das nur für 6 davon reicht? Warum so tun, als würde diese System auch nur annähernd funktionieren?

Wir sind das schwächste Glied in dieser Kette, sollen aber den Kopf hinhalten. Wenn irgendwas schief geht, ist schnell ein Schuldiger gefunden. Die Pflege, wer sonst? Warum also sollten wir weiterhin für die 125000€ Lkw Ladung, ähm Verzeihung, für die angebliche Gesundheit des Patienten verantwortlich zeichnen?

Warum nicht einfach ein „Kontrolle nicht möglich, mangels Personal“ Stempel?

Quelle: @Emergencymum

Pflege Heute… und Morgen

WO GEHT SIE HIN, DIE PFLEGE?

Ich sage es mal frei raus wie ich es sehe:

So, wie wir sie kennen, geht sie den Bach runter!

Gut ihr könnt mich jetzt einen Pessimisten nennen, aber ich sehe kaum eine Möglichkeit die Situation zu verbessern. Natürlich bin ich schwer begeistert, dass die Pflege jetzt mittwochs Twitter mit dem #Pflegestreik unsicher macht.
Allerdings sehe ich auch, dass das mediale und politische Echo nahe Null ist.
Gut, man kann jetzt fragen, ob es niemanden interessiert? Ich sage, die Frage ist so delikat, dass man die Antworten nicht verkaufen kann.

Die Frage, die von den Pflegenden in den Raum gestellt wird ist: Was empfindet ihr als würdige Pflege? Wir leiten daraus einen Personalschlüssel ab in dem professionelle Pflege menschenwürdig leistbar erscheint.

Das ist eine berechtigte Frage!
Ich aber lege mal einen drauf: Ist diese Art von Pflege überhaupt in mittelfristiger Zukunft bezahlbar oder leistbar?

Jetzt müssen sicher einige schlucken, ein Pfleger der die Pflege in Zweifel zieht?
Ja, wir müssen uns auch mal mit den Tatsachen befassen.

Halten wir uns mal an die Fakten:
Die Pflege leidet unter ständiger Unterbesetzung, das macht die Pflegenden kaputt und gefährdet Patienten. Ständiges Einspringen führt zu Konflikten im Privatleben.

Das sind grob die Kernaussagen, die man aus den Tweets zu #Pflegestreik destillieren kann.
Die Beispiel sind zwar konkreter aber ich denke mit dieser Näherung können wir arbeiten.
Was hat das mit der Frage der medialen und politischen Rezeption zu tun?
Ich glaube, das hat was mit dem Konzept zu tun, dass man sich anbahnende Katastrophen als lösbar darstellen muss, um es in den Medien zu verkaufen. Angst vor der Katastrophe soll gezielte Handlungen auslösen. Das verkauft sich prima.

Ich behaupte, das was wir jetzt vor uns haben ist eine nahezu ausweglose Situation!

Punkt 1 dazu ist:
Wir brauchen jetzt akut neue Kollegen. Ein Wunsch dessen Erfüllung im jetzigen System unerreichbar erscheint. Denn: Wir bekommen nur neue Leute in die Pflege wenn zumindest das Gehalt attraktiver wird. Das scheint aber zur Zeit aussichtslos. Dieser logische Schluss ist eigentlich allen klar. Man bekommt für diese Löhne niemanden in die Pflege zurück und Neuanfänger werden auch nicht in Scharen strömen. Ich behaupte die Arbeitsbedingungen sind abhängig von der Lohnstruktur.
Jetzt könnte man sagen, dann müssen die Klinikbetreiber mal ne Schüppe drauflegen. Das könnten manche vielleicht, andere, die rote Zahlen schreiben gewiss nicht. Gut, dann müssen wir den Ball an die Politik spielen.

Da sind wir dann bei Punkt zwei:
Da kommen wir der Brisanz des Themas schon näher. Es wäre ein leichtes für die Politik einen verbindlichen Pflegeschlüssel von sagen wir mal 1:5 im Stationsdienst gesetzlich festzuschreiben und diesen zu finanzieren. Wir wären unserer Forderung schon ganz nah.

Bis hierhin klingt das doch alles nach einem guten Wege, auf den wir uns mit #Pflegestreik gemacht haben.

Ich fürchte nur die Sache hat einen gewaltigen Haken, der so groß ist, dass allein das Wissen darum das Gesundheitssystem wie ein Tsunami treffen könnte. Klingt gefährlich, ist es in meinen Augen auch.

Um das zu erklären muss ich ein wenig ausholen,
nicht bis Adam und Eva aber schon ziemlich weit.
Es gab schon seit ewigen Zeiten folgende Regel:
Jede Generation ist größer als die Vorhergegangene.
Das hat dazu geführt, dass viele Junge wenigen Alten gegenüberstanden. Aus dieser Überzeugung wurden die deutschen Sozialsysteme geformt.
Aber dann kam alles anders.
Ich will jetzt nicht darüber diskutieren, ob diese Entwicklung gut oder schlecht ist, es soll auch nicht als Zynismus verstanden werden. Aber es zeigt wie tief diese Problem in unserer Gesellschaft verankert ist.

Nach dem Krieg wurden also die Sozialsysteme als Umlagesystem geformt, weil man viele Menschen zu versorgen hatte aber kaum Geld dafür. Eigentlich ein genialer Plan, der aber einen Geburtsfehler hat. Die Erfahrung, dass es immer weniger Alte und Kranke gibt als Junge.
Aber wer soll es den Menschen von damals vorwerfen, es war ja immer so.
Dann kam Wirtschaftswunder und beginnender Wohlstand,
die Leute bekamen Kinder, alles lief.
Dann änderte sich offensichtlich was in den Köpfen, die Menschen bekamen weniger Kinder, wobei die Pille sicher gut mitgeholfen hat, aber auch die Erkenntnis, dass der Staat und nicht meine Kinder meine Altersversorgung stemmen wird.
Ein kluger Plan für den einzelnen, für das Land eine Zeitbombe ohne Möglichkeit zur Entschärfung. Warum? Gehen wir ca. 50 Jahre zurück, die größte Generation Deutschlands erblickt das Licht der Welt und weil es nie eine größere gab gehen die Lichter aus, unaufhaltsam. Verschärft von einigen unangenehmen Begleitumständen, die wir als unsere Freiheit bezeichnen würden.
Wir wurden mobiler, verließen auf Grund des Wohlstandes der Eltern immer öfter unsere Familien um mit unserer Bildung ein eigenes unabhängiges Leben zu führen. Das klingt gut, fühlt sich auch so an. Aber, ja es hat ein dickes ABER, denn dadurch werden große Familienverbünde zur Seltenheit mit folgenden Konsequenzen: Die Betreuung von Kinder wird schwieriger. Das merken wir heute schon, frei nach dem Motto wo früher noch ne Oma war ist heute eine Kita da… oder eben auch nicht.
Was uns dann aber bald einholen wird, ist ebenso flapsig ausgedrückt: Wo früher die Familie war ist heute nur ne Schwester da! Und auch hier, oder auch nicht!
Oft ist es heute schon so, dass einer Familie vier potentielle Pflegebedürftige gegenüberstehen, nämlich die Eltern des Paares, und selbst bei räumlicher Nähe, die heute immer seltener wird, wäre es schon ein Kunststück, das allein zu schaffen.
Da also muss jetzt professionelle Pflege und auch Betreuung einspringen.

Das ist das eigentliche Drama, auf wenige Junge kommen viele Alte zu, die versorgt werden müssen. Ich las neulich, dass in nicht all zu ferner Zukunft jeder zweite Schulabgänger einen Beruf im Gesundheitswesen ergreifen müsste um die jetzige, in meinen Augen völlig unzulängliche, Versorgung aufrecht zu erhalten.

Wir wünschen uns für unser Alter eine andere Wohnform als ein Altenheim der klassischen Art, wir möchten Individualität bis zum Schluss leben. Ich behaupte das wird nix! Das ist leider nicht drin, weder finanziell noch personell, denn dieses Geld müsste von der nachfolgenden Generation erarbeitet werden, und das ist schon mit Wirtschaftswachstum und Produktivitätsgewinn schwerlich möglich.
Was hat das jetzt mit der Ausgangsfrage zu tun, warum Medien und Politik sich nur sehr zögerlich bis gar nicht auf unser Anliegen eingehen?
Bei der Politik ist sicherlich der Hauptgrund, dass man nicht einräumen will, dass Bevölkerungspolitik und Arbeitsmarktpolitik zu einer Verschärfung eines Problems geführt haben, was von jedem halbwegs begabten Statistiker schon seit 30 Jahren vorhergesagt wird. Ja, man hat sich vor dem Problem gedrückt, weil die größte Wählergruppe Ursache des Problems ist, die Babyboomer. Klar haben die sich das nicht ausgesucht, aber es ist ja auch keine Schuldzuweisung, sondern nur eine Tatsache.

Jetzt kommen die Medien ins Spiel, warum die nicht? Ich denke da sind mehrere Dinge im Spiel. Erstens hat man wichtigeres im Kopf, nämlich das hier und jetzt. Dann kommt dazu, dass viele Entscheidungsträger der Medien genau in die Babyboomergeneration gehören. Das hängt nun direkt mit dem nächsten Punkt zusammen. Die Beleuchtung dieses Themas würde eine Frage aufwerfen, und zwar: Wieviel Menschenwürde können wir uns überhaupt leisten bis die Gesellschaft zerbricht?
Das klingt jetzt böse, oder?
Ist aber Kern des Problems und ich denke, dass Verantwortliche in den Medien das auch wissen. Es ist ein Thema was, wenn man es bis zuletzt durchdenkt, Revolutionspotential hat.
Man müsste für eine sachliche Diskussion, fast alles über Bord werfen, was man für politisch korrekt oder für sozial geboten hält. Man müsste Fragen stellen, die so in Deutschland nie mehr gestellt werden sollten, wie zum Beispiel.
Wie lange „lohnt“ sich eine medizinische Vollversorgung?
Müssen wir eher palliativ als kurativ handeln, wenn der Patient zu alt/zu krank ist?
Wo ist da die Grenze?
Das sind Fragen, die uns kalt erschaudern lassen, aber ich denke darauf läuft es hinaus.
Dass diese Fragen aber niemand aufwerfen will und schon gar nicht die Generation, die es betrifft ist überraschend. Es gehört zu unseren moralischen Vorstellungen Bevölkerungsgruppen nicht gegeneinander auszuspielen. Jeder Mensch ist gleich viel Wert, ist ein Axiom unserer Gesellschaft.

Deswegen denke ich das Problem ist, in dem Gesundheitssystem und auch im Gesellschaftssystem von heute als unlösbar zu betrachten und genau deswegen will und kann niemand darauf eingehen. Es wäre deutlich mehr als eine Reform nötig, sondern eine Grundsatzdiskussion über unsere Werte und Vorstellungen und zwar offen und tabulos! Man muss tatsächlich diskutieren ob es ethisch vertretbar ist einen Menschen medizinisch zu behandeln damit er danach in einem Pflegeheim im Bett einsam verotten darf, nur damit wir uns moralisch besser und frei von Schuld fühlen. Wir müssen uns viele Dinge fragen, nach dem Verhältnis von Würde und Existenz. Ist die reine physische Existenz erstrebenswert wenn wir ihr keine Würde mehr verleihen können? Muss ein Patient von 80 Jahren ein neues Gelenk mit 40 Jahren Haltbarkeit bekommen, oder geht es auch anders. Kurz, muss alles was man behandeln kann auch behandelt werden, oder gibt es Dinge die wir im Alter ertragen müssen? Das ist die Diskussion die geführt werden müsste!

Ich schlage vor diese zu führen, bevor die Sache den Bach runter geht.
Alter, Krankheit und Tod sind keine Winner Themen, gerade in unserer Zeit.
Aber es ist nötig, dass wir diese Themen angehen, bevor es zu spät ist.

Bis das soweit ist mache ich weiter mit beim #Pflegestreik, denn wir können nicht warten bis es zu spät ist. Wir leiden jetzt schon unter der Situation, wir unser Familien unsere Patienten. Je länger nicht über die Probleme der Pflege gesprochen wird, um so schwerer wird das Umsteuern. Wir sind es euch schuldig, die Diagnose zu überbringen: Der Patient Gesundheitswesen ist krank und wenn wir nicht radikal behandeln wird er es nicht schaffen! Aber dafür müsst ihr uns zuhören!

Quelle: Garcon de Piss