Kategorie-Archiv: Alltag im Pflegeheim

#pflegestreik

In der letzten Woche erschien der Hashtag „Pflegestreik“ gehäuft auf Twitter. Leider nur dort. In den Medien wurde nicht darüber berichtet, was ich nicht nachvollziehen kann. Denn es ist ein wichtiges Thema, das uns ALLE betrifft. Den einen früher, den anderen später.
Auch wenn man diesem Thema aus dem Weg gehen will – wird es nicht funktionieren. Denn wenn es so weiter geht wird unser ganzes Gesundheitssystem, so wie wir es jetzt kennen, nicht mehr lange überleben.
Und ich erkläre euch auch, warum.

Es herrscht Fachkräftemangel in der Pflege. Nichts neues, hat jeder schon mal gehört. Doch nur die Wenigsten verstehen wirklich, was das bedeutet. Nur chronisch Kranke, Angehörige oder Menschen, die in der Pflege arbeiten, bekommen dieses Problem hautnah mit. Die anderen Menschen denken sich, dass es sie nicht betrifft. Falsch gedacht. Denn es geht nicht nur um ein paar Fachkräfte, die fehlen. Nein. Es fehlen ÜBER 16.000 Pflegende. 16.000.
Und mit jedem Tag werden es mehr. Die Fachkräfte, die wir aktuell noch haben, gehen entweder bald in Rente oder hören auf, weil sie ausgebrannt sind. Die restlichen Fachkräfte wandern in andere Länder aus, wie z.B. in die Schweiz, weil dort die Bedingungen besser sind.
An Auszubildenden fehlt es eigentlich nicht. Theoretisch. Praktisch arbeiten nur wenige nach der Ausbildung weiterhin in der Pflege. Wenn in einer Klasse 25 Auszubildende sind, arbeiten vielleicht maximal 5 Auszubildende nach der Ausbildung weiter in der Pflege. Die anderen suchen sich etwas anderes, weil die Bedingungen so schlecht sind. Wir bilden zwar genug Fachkräfte aus – können diese aber nicht halten. Und das nicht ohne Grund.

In diesem System läuft gehörig etwas schief. Das aber schon seit Jahrzehnten.
Es wird nur schlimmer, nicht besser.
Die Medizin macht immer größere Fortschritte, die Pflege wird immer schlechter.
Und das liegt nicht an den Pflegenden.
Sondern am System.

Warum das so ist?
Wie bereits erwähnt, fehlen immer mehr Fachkräfte. Oft muss eine examinierte Fachkraft tagsüber bis zu 25 Patienten/Bewohner alleine versorgen. Höchstens ein paar Praktikanten oder Schüler sind noch dabei, aber diese ersetzen keine vollwertige Fachkraft. Nachts ist eine examinierte Fachkraft oft alleine für bis zu 80 Patienten/Bewohner zuständig. Wir reden hier natürlich nicht von fitten, gesunden Menschen. Nein, natürlich nicht. Diese Patienten/Bewohner sind meistens Vollpflegefälle, die alle zwei Stunden umgelagert werden müssen, weil sie dies nicht mehr alleine können. Die Pflegekraft muss Infusionen fertig machen, Tabletten stellen, nach den Patienten/Bewohnern sehen und zur Klingel gehen. Besonders im geriatrischen Bereich ist nachts besonders viel los. Demente Menschen sind häufig nachtaktiv und laufen herum. Dann muss die Pflegekraft aufpassen, dass diese Patienten/Bewohner nicht weglaufen oder andere Dinge tun, die ihnen schaden könnten. Wir rekonstruieren – diese Pflegekraft ist alleine. Sie muss alle ihre Aufgaben erledigen und sich zeitgleich noch um die aktuellen Belange ihrer Schützlinge kümmern. Doch dadurch, dass sie alleine ist, kann sie dies nicht. Sie hat nicht genug Zeit. Und dadurch bleiben die Patienten/Bewohner auf der Strecke. Diese werden dann eben nicht alle zwei Stunden gelagert, weil dies nicht möglich ist. Somit entwickeln sie häufig Drückgeschwüre (Dekubitus), die nur schwer wieder weggehen. Viele Patienten/Bewohner liegen stundenlang eingenässt in ihren Betten. Erst zum Frühdienst werden sie wieder sauber gemacht.
Ich übertreibe nicht. Dies ist Alltag in Deutschland. In allen Krankenhäusern und Pflegeheimen. Es gibt nur wenige Ausnahmen.
Tagsüber ist es nicht besser. Oft werden ungelernte Kräfte auf die Schwerstpflegebedürftigen losgelassen. Meistens sind es Schüler oder Praktikanten, die nicht genug Fachwissen haben, um die Patienten/Bewohner fachgerecht zu pflegen. Woher auch? Richtig angeleitet wird schon lange nicht mehr, denn die Fachkräfte haben selbst genug um die Ohren. Da wird den Praktikanten oder Schülern meistens nichts erklärt, sondern nur gesagt „Du machst das schon“. Das darf so nicht sein. Wie sollen wir denn Fachkräfte ausbilden, wenn ihnen niemand etwas erklärt? Oder sie bekommen Dinge mit den Worten „In der Prüfung darfst du das aber nicht machen, das ist eigentlich falsch“ erklärt. Ja, super. Hilft einem enorm weiter.
Ich selbst arbeite erst seit zwei Jahren in der Pflege und habe schon so viele Dinge erlebt, die eigentlich nicht sein dürften. Aber meistens geht es nicht anders. Auf dem Papier gibt es beispielsweise die 1:1-Betreuung. In der Praxis ist dies nicht umsetzbar, da betreut dann eine Pflegekraft 20 Patienten auf einmal und dann sind da zwei Patienten dabei, die theoretisch eine 1:1-Betreuung hätten. Es ist einfach nicht umsetzbar.

Der Fachkräftemangel ist nicht das einzige Problem, aber der Grundstein für die weiteren Probleme. Durch den Fachkräftemangel herrscht ein gewaltiger Druck auf den Pflegekräften, die dadurch anfällig für Krankheiten werden. Damit beginnt der Teufelskreis: Durch Krankheitsausfälle gibt es noch weniger Personal und der Druck wird noch größer, dann fallen noch mehr Pflegekräfte aus und so weiter. Aus diesem Teufelskreis kommt man nicht raus. In anderen Berufen würde man die ausgefallenen Mitarbeiter ersetzen. In der Pflege geht das nicht so einfach, denn es gibt nicht genug Menschen, die diesen Beruf machen wollen.
Im Endeffekt leiden vorallem die Patienten darunter. Damit das endlich aufhört, haben Mitarbeiter der Berliner Charité zum Pflegestreik aufgerufen: „Menschen werden nicht unterversorgt, weil Pflegende streiken, sondern Pflegende streiken, weil Menschen unterversorgt werden.“

Und damit haben sie verdammt Recht. Eigentlich müsste es ganz Deutschland nachmachen, damit sich endlich etwas ändert. Geht bloß nicht, denn in vielen (vorallem) katholischen Krankenhäusern sind Streiks verboten.

Für die Medien ist dieses Problem quasi nicht existent. Liegt wahrscheinlich daran, dass es den Streikenden nicht um mehr Geld geht, sondern um bessere Bedinungen und mehr Personal. Ist wahrscheinlich nicht spektakulär genug. Natürlich ist es für uns wichtiger, dass die Bahn oder die Post streikt – denn davon sind wir unmittelbar betroffen. Dass es in der Pflege ein gewaltiges Problem gibt, wird der Durchschnittsmensch erst dann bereifen, wenn er selbst auf Pflege angewiesen ist und dann ist es zu spät.

Einer unserer Lehrer meinte zu uns: „Wenn ihr nicht anfangt zu kämpfen, bricht das gesamte System zusammen.“ Er hat verdammt Recht. Es muss sich endlich etwas ändern. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Es geht schließlich um Menschenleben!

Ich wünschte, ich selbst könnte mehr tun, damit sich etwas ändert. Denn ich arbeite gerne in der Pflege, es macht mir Spaß. Aber ich möchte auch, dass das so bleibt. Ich würde gerne bis zur Rente in der Pflege arbeiten, aber unter den aktuellen Bedingungen ist dies utopisch.

Es muss sich etwas ändern. Lieber heute als morgen,
denn morgen könnte es schon zu spät sein.

Quelle: Graustufenregenbogen

6:30 Uhr | Haus der Unglücklichen.

Montag, 6:30 h.
Ich hatte mir eigentlich sturerweiße vorgenommen, wie immer 1 Stunde früher meinen Dienst als PDL anzutreten. Dieser Morgen war aber anders. Alles, aber auch ALLES sträubte sich in mir, ins Altenheim zu gehen. Chef sein…für 70 Mitarbeiter, verantwortlich sein…für fast 100 Bewohner.
Wie immer trank ich noch kurz eine Tasse Kaffee, genoss die Ruhe vor dem Sturm. Ich konnte aber nicht aufstehen und mich anziehen. Ich konnte einfach nicht, es ging nicht. Die Gedanken an das an diesem Tag kommende, lähmten mich buchstäblich. Zittern, Schweißausbrüche an das was wohl kommen sollte.
An diesem Tag wäre es meine Aufgabe gewesen, in ein Haus voll mit ca. 200 unglücklichen Menschen zu gehen und diese „zu verwalten“. Eigentlich ist es Aufgabe einer Pflegedienstleitung eines Seniorenheimes, Teil eines Teams zu sein um Menschen etwas glücklicher zu machen. Mir war schon lange bekannt, dass diese Aufgabe in dieser Zeit, in diesem Land eine große Herausforderung darstellt.
Spätestens an diesem Morgen wurde mir klar, dass ich vollends versagt hatte. Weder war ich Teil eines Teams, dass Menschen etwas glücklicher machen konnte, noch konnte ich das Unglück verwalten. Ich war machtlos, kraftlos und ideenlos.
Mein Körper unterstützte diese Gedanken, in dem er sich wie ein bockender Esel weigerte aufzustehen und einfach weiterzumachen. Er wehrte sich in zitternder und schwitzender Form. Mein Gehirn arbeitete sich durch die Ängste:

– „wenn noch ein Mitarbeiter krank wird, ist der Dienst nicht mehr aufrecht zu erhalten?“
– „kommt heute eine Prüfung der Heimaufsicht oder MDK?“
– „konnte sich der neue Bewohner, der gestern eingezogen ist beruhigen oder besser, konnte er beruhigt werden?“
– „wer ist seit gestern abend hingefallen, wurde der Vorfall dokumentiert und wurde adäquat reagiert?“
– „welche Mitarbeiter werden mir heute ihr Leid klagen…obwohl ich deren Leid doch so gut kenne“?
– „welche Bewohner werden mich heute anflehen, ihre Situation doch zu ändern…was ich gerne würde“?
– „wieviele Angehörige werden sich heute über ihrer Meinung nach unangemessenen Zustände beschweren“?
– „wieviele Gesichter werden mich heute ansehen und HILF MIR! ausdrücken“?

Diese Gedanken hatte ich jeden Tag über Monate jeden Morgen. Aber an DIESEM Tag war es anders. Meine Gedanken schienen meinen Körper anzuschreien: „Geh da heute nicht hin!!“.
An diesem Tag hörte mein Körper auf diese Gedanken. Ich ging erstmal auf die Toilette um mich abgrundtief zu übergeben. Mit zitterndem Körper zurück zum Kaffee. „Was tue ich jetzt?“. Mein Eselskörper machte an diesem Tag die Entscheidung leicht. Es ging nicht. Weder mein Kopf noch mein Körper wollten in das Haus der Unglücklichen. Wenn ich schon nicht vorher unglücklich war, JETZT war ich es komplett.

Quelle: formatP

Was einem passieren kann wenn man Rechte einfordert.

Wir sind ein Betrieb in der Pflege. Wir kümmern uns um schwerkranke Menschen, die ohne 24h Überwachung keine Möglichkeit zum Weiterleben haben.
Natürlich sind wir uns bewusst, dass diese Menschen immer auf uns angewiesen sind und wir deshalb freundlich und professionell sind. Wir haben ein Pflegeleitbild wie aus dem Buch.
Wir werben mit eine ausgeglichenen Work-Life-Balance um neue Mitarbeiter. Bla bla bla…

Aber jetzt mal im Ernst,
Dieses ganze Papier, auf dem das steht, kann man getrost anzünden.
Es ist nicht das Papier wert auf dem es gedruckt wurde. Es ist ganz einfach eine Lüge.
Eine gesellschaftlich akzeptierte Lüge.
Warum ich das sage? Weil es jeder, der es sehen will, auch sehen kann.
Aber man liest ja lieber Pflegeleitbilder und Internetseiten und vertraut MDK Bewertungen,
in denen kaum eine Einrichtung unter der Note Eins abschneidet.
Und wir tun das obwohl jeder weiß, dass wenn doch alle eine Eins haben entweder das Niveau lächerlich ist oder einfach beschissen wurde.
Ähnlich ist es beim Thema „Work Life Balance“. Alle Betriebe im Gesundheitswesen sind natürlich stets um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter besorgt. Woher kommen dann aber die ganzen überlasteten und kranken Kollegen? Sind die alle unterdurchnittlich belastbar oder haben die einen Burn Out weil die viele Freizeit sie so überfordert? Wohl kaum.
Wann kommt denn mal die Gewerbeaufsicht und überprüft Verstöße gegen das ArbZG.
Die Antwort lautet: NIE! Warum denn auch?
Es beschwert sich ja niemand, denn in der Pflege so heißt es, ist alles anders.
Und über die papiergewordene Selbstbeweihräucherung per Pflegeleitbild will ich gar nicht erst reden, da ich sonst mein Frühstück von der Tastatur kratzen muss.

Zum eigentlichen Thema
Ich habe mir schon länger, besonders bestärkt aber durch die Beiträge im Blog Pflegenot,
überlegt, mir das nicht mehr bieten zu lassen.
Um zu verstehen was hier geboten wird, muss man erst einmal wissen, dass wir in der ausserklinischen Beatmungspflege 12h Dienste haben.
Das ist wichtig um zu verstehen, was es heißt fünf Nachtdienste am Stück zu arbeiten.
Das ist nämlich das Maximum dessen, was der Gesetzgeber zulässt. Aber da in der Pflege ja alles anders ist, ist bei uns noch lange nicht Schluß.
zum Beispiel die 136h in 14 Tagen, wie ich sie grade hinter mir habe.

Eigene Schuld denkt ihr?
Ja sicher, muss ja keiner machen so ne kranke Scheiße. Das ist ja auch nicht gut für die Patienten, wenn da einer hockt, der offensichtlich kein zu Hause mehr hat.
Richtig! Das ist für niemanden gut.
Aber ich erkläre euch jetzt mal, was passiert wenn ihr tatsächlich aufsteht und sagt: NEIN.
Kurzfassung: Ihr geht kurz drauf zum Arbeitsamt!
Exakt so ist es mir wiederfahren. Die Vorgeschichte zu diesem Finale ist hier zu lesen.
Ich habe alles was dort steht noch mal bei meiner PDL thematisiert und deutlich gemacht, dass ich nicht bereit bin so etwas weiter mit zu tragen.
Ich habe gesagt, dass ich nicht ausschließlich Krankenpfleger sondern vor allem Familienvater bin und Zeit mit meinen Kindern verbringen will.
Dass es Grenzen der Belastbarkeit gibt. Dass das alles auch nicht im Sinne der Patienten ist.
120h am Stück und dann 3 Tage frei,
keine Geschichte, die unter exzellente Work-Life-Balance fällt.
Ende vom Lied war ein Dienstplan in dem ich vier freie Tage hatte in 3 Wochen.
Nochmal zur Erinnerung: Trotz 12h Schichten!
Untragbar….
Aber es kam noch besser.
Ich wurde zu einem weiteren Dienst verpflichtet und da waren es nur noch 3. Bei der Gelegenheit wurde mir ein Termin für ein Mitarbeitergespräch genannt, an dem ich zu erscheinen habe.
Ein Gespräch mit der Geschäftsführung, also sehr wichtig.
Was dann geschah war wie in einem schlechten Film.
Ein Kollege rief an und sagte er solle bei uns einspringen, einen Tag nach diesem Gespräch.
Dabei war der Dienst gedeckt.
Ich wurde hellhörig.
Er sollte MEINEN Dienst übernehmen!

Dann kam der Tag des Gesprächs.

Wohl eher des Standgerichtes, im Nachhinein betrachtet.
Ich komme zum Termin, man lässt mich, wie es sich für einen niederen Mitarbeiter gehört, eine halbe Stunde warten.
Ich werde ins Büro gebeten, 3 Leute sitzen mir gegenüber.
Meine PDL, der Geschäftsführer und eine mit Block und Stift bewaffnete Bürokraft.
Man sagt mir ins Gesicht ICH wäre untragbar für das Unternehmen.
Der Geschäftsführer persönlich meint, ihm würde „meine Art nicht gefallen“ und es folgen allerlei belanglose Plattheiten, die offensichtlich nur dazu dienen sollen, mich zu provozieren. Während dessen nutzte ich die Gelegenheit und las die Zettel, die er auf dem Tisch liegen hatte. Kündigungsschreiben in zwei verschiedenen Ausfertigungen mit meinem Namen darauf.
Es folgten weitere Anschuldigungen, die immer noch nicht meine Arbeit betrafen, sondern einfach nur persönlich beleidigend waren.
Dann der Hauptvorwurf: Ich würde durch meine ständigen Forderungen Unruhe in den Betrieb bringen, das wäre nicht hinnehmbar.

Ich blieb ruhig, gezwungen ruhig…

…denn auf dem Tisch lag auch eine fristlose Kündigung mit meinem Namen, die Begründung konnte ich nicht lesen, ahnte aber, dass es wohl was mit der sehr provozierenden Gesprächsführung seitens PDL und Geschäftsführung zu tun haben könnte.
Denn Gründe, die außerhalb meiner unverschämten Forderung nach Einhaltung von Arbeitsverträgen und gesetzlichen Vorschriften lag, kamen bis zuletzt nicht. Dafür aber der schockierende Vorwurf, ich hätte es einmal versäumt meine PDL zu begrüßen.
Ja, dafür kann man auch schon mal jemanden kündigen.
Es war also Fresse halten angezeigt.
Gegen Ende des Gesprächs wollte mir die Geschäftsführung dann noch einen gut gemeinten Rat mit auf den Weg gebe. „Nehmen Sie`s besser sportlich. Ich verfüge dann doch über weitaus mehr Kleingeld für Anwälte als Sie.“ Ist doch nett oder?

Ein paar Einwürfe meinerseits über gestrichene Überstunden und nicht Einhaltung des Arbeitsvertrages bezüglich der maximalen Wochen Arbeitszeit interessieren keinen, Übergabe der Kündigung und Ende der Vorstellung.

Weiter gehts…

An diesem Tag war außerdem noch Teamsitzung. Meine PDL hatte vorsorglich bereits der Teamleitung gesagt, ich wäre wahrscheinlich krank.
Netter Versuch!
Natürlich bin ich hin gegangen und ich werde auch weiterhin zum Dienst gehen.

Ich habe nämlich noch ein Ass im Ärmel. Ich wurde gewarnt, lange bevor das alles passiert ist.
Ich mache das schon viel zu lange mit um zu glauben, es gäbe noch Gute in diesem Spiel.
Da gilt die alte Binse: „Scheiße schwimmt oben!“
Natürlich nicht immer, aber im Schnitt passt es.

An dieser Geschichte seht ihr aber: In unserem Gesundheitssystem geht es um Geld, nicht um Menschen, weder die im Bett noch um die davor!
Es geht um Umsatz, Zahlen und return of investment.
Da hat Pflege keine tragende Rolle.

Die, die das Geld letzten Endes am Bett einspielen, sind die Dummen, zumindest wenn sie nicht gemeinsame Sache machen. Die meisten lassen sich aber durch kleinste Privilegien und Vorteile gegeneinander ausspielen, sie bespitzeln sich teilweise gegenseitig nur um in der Hierarchie ein kleines Stückchen aufzusteigen. Sie lassen sich hetzen und verlieren dabei sich und ihr Umfeld aus dem Blick.

Es bleibt aber zu fragen wie kann so etwas passieren?
Es ist eigentlich ganz einfach. Obwohl in den Arbeitsvertägen geregelt ist, dass maximal 48h in der Woche gearbeitet werden, oder in Ausnahmefällen 60, wenn in der Folgewoche ausgeglichen wird damit nicht mehr als 96h in 2 Wochen möglich sind, obwohl jedem bewusst ist, dass Dienstpläne nie ohne Rücksprache geändert werden können und dass Dienstverpflichtungen nicht ganz einfach sind, machen alle mit. Alle haben ihre Gründe. Bei dem einen ist es Angst um den Arbeitsplatz, andere hoffen dadurch irgendwann in eine Position zu kommen, nicht mehr am Bett stehen zu müssen, wieder anderen reichen schon kleinste Privilegien als Motivation.
Das führt dazu, dass die Pflege völlig entsolidarisiert ist. Wenn es einen erwischt, in diesem Falle mich, dann hält man zwei Sekunden inne, aber dann ist auch gut. Es muss ja weiter gehen.
Ich weiß, dass es wie bei anderen Kollegen irgendwann heißt. „Der war ja doch irgendwie komisch.“ oder „Der hat alles wohl nicht ernst genug genommen.“ „Der hätte doch wissen müssen, dass man gegen die da oben keine Chance hat.“ Solche Dinge halt.
Es wird verdrängt worum es ging. Niemand gesteht sich ein, dass ich nur laut ausprach, was alle hinter vorgehaltener Hand gesagt haben:
„Wir sind Pfleger und nicht die Leibeigenen des Betriebs“
Jeder weiß, dass wir zusammen das Boot hätten wenden könnten!
Aber die Pflege ist am Boden, ein handlungsunfähiger Haufen von Menschen der sich aufgegeben hat.

Ja Leute, das ist mein Bild von euch. Es gibt zwar Ausnahmen, die reichen aber offensichtlich nicht für eine substanzielle Veränderung.

Ich für meinen Teil mache da nicht mehr mit.
Ich wehre mich!
Auch alleine!
Denn ich kann mir noch eine Existenz vorstellen, in der ich als Mensch zähle, nicht nur als Pfleger. Ich bin nicht mein Beruf.

Quelle: Garcon de Piss

Leiharbeiter/Zeitarbeiter/Teilzeit.

Gott sei Dank,
oder wem muss man danken?
Es lebe die Teilzeit und der Leiharbeiter!
Seit Jahren besteht die Pflege zu geschätzten bis zu 4% aus Pflegemenschen von Leihfirmen.
In Krankenhäusern leistet man sich den Luxus wenigstens ausgebildetes Fachpersonal auszuleihen.
„Das Pflegepersonal ist mittlerweile so knapp, dass alle festen Mitarbeiter voll gebraucht werden“, sagt Sydow. „Sobald eine Pflegekraft ausfällt, gibt es Probleme. Die anderen schaffen es nicht, ihre Arbeit mit zu übernehmen.“
Das Personal wird zur Bewältigung von Urlaubszeiten geordert oder um Spitzenzeiten abzudecken. Meist handelt es sich um flexible Tageseinsätze, weniger um längerfristige Tätigkeiten. Lohndumping im Altenheim -Zeitarbeit boomt in der Pflege.

Daten zur atypischen Beschäftigung in Pflegeheimen
Teilzeitbeschäftigung

-Entwicklung 1999-2009

  • Pflegepersonal insgesamt: +45,5%
  • Teilzeitbeschäftigte Pflegekräfte insgesamt: +80,2%
  • Altenpflegerinnen: +163,7%
  • Altenpflegehelferinnen: +237,1% (!)

-Anteil der Teilzeitbeschäftigten in Pflegeberufen

  • 1999: 43,9%
  • 2009: 54,5%

Ursachen der Zunahme atypischer Beschäftigung
• Die Ausweitung erfolgt vor allem mit dem Ziel der Kostenreduzierung
• Umwandlung von Vollzeitstellen in Teilzeitstellen erhöht die Flexibilität des Personaleinsatzes
• Umwandlung unbefristeter in befristete Arbeitsverhältnisse ist geeignet, die Entwicklung der Personalkosten der Auslastung und Erlösentwicklung anzupassen
– Wiederbesetzungssperren, Stellen zeitweise unbesetzt lassen etc.
– Krankenhaus: Pflege-Förderprogramm befristet auf die Jahre 2009-2011
•Die Reduzierung der persönlichen Arbeitszeit erfolgt zunehmend auf Wunsch von Beschäftigten zum Schutz ihrer Gesundheit
– „Ich schaffe es nicht mehr Vollzeit“

Bedeutung für die Zukunft

    • Die Ausweitung atypischer Beschäftigung
      – Erhöht das Risiko der Altersarmut für Pflege
      • Verschärfend kommt hinzu, dass ein zunehmender Teil der Pflegekräfte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bis zur gesetzlichen Altersgrenze in der Pflege tätig sein kann (steigender Anteil von Frühverrentungen)
      – schädigt das Ansehen und die Attraktivität der Pflegeberufe
      • Verschlechtert die Chancen der Pflegeberufe im zukünftigen Wettbewerb um qualifizierte Schulabgänger/innen
      – erhöht die Zahl der ‚Schnittstellen‘ in der Versorgung und dadurch das Risiko von Fehlern in der Informationsweitergabe
      • mehr Teilzeitbeschäftige = häufigerer Wechsel des Pflegepersonals
      – erhöht das Risiko einer schleichenden Deprofessionalisierung
      • schleichender Verlust von Berufserfahrung und Fachwissen

Fazit

•Die Ausweitung atypischer Beschäftigung ist mit erheblichen Risiken für Pflegekräfte, den
Pflegeberuf und vor allem auch die Versorgungsqualität verbunden
•Eine durchgreifende Verbesserung erfordert politische Interventionen, vor allem zur Reduzierung des wirtschaftlichen Drucks auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Quelle: Vortrag Prof. Dr. Michael Simon, Hochschule Hannover, 25.09.2014

…aber Gott sei Dank haben die Chefs ja Ausweichmöglichkeiten, den Stationsablauf ÜBERHAUPT noch zu gestalten.
Wenn sich da der Demente eh nicht mehr in Sicherheit wiegen kann,
weil das Personal ständig wechselt und dazu auch noch gar nicht ausgebildet ist,
da Hinz und Künzin aus der Leiharbeitsfirma grad schnell weg vom Fließband, vom Frisörtisch, vom Lagerregal, vom Schreibtisch geholt und im Heim als Notnagel eingesetzt wird,
brauchts auch bald keine Debatte mehr wie qualifiziert das Pflegepersonal in Heimen
ÜBERHAUPT sein muss.

Denn Pflegen kann ja jeder!
Und das auf jeden Fall hauptsächlich mit Herz!

Meine Abrechnung mit dem Pflegeberuf.

Der Pflegealltag in einem Pflegeheim…… Tja was soll ich dazu sagen.
Schlechte Bezahlung, Körperliche Belastung, Psychischer Stress usw.
ALLES INKLUSIVE WENN MAN IN DER PFLEGE ARBEITET. Traurig aber wahr.

Ich war insgesammt nur 6 Jahre in der Pflege tätig, doch das was ich in dieser kurzen Zeit erleben durfte/musste…..NEIN DANKE!!!

Ständig fallen Krankheitsbedingt Kollegen aus, andere müssen einspringen, werden aus ihren Frei geholt oder schieben Doppelschichten, während die PDL mit ihren fetten Hintern mit ihrer 5 Tage Woche (jedes WE frei, alle Feiertage frei) im Büro sitzt und um 16.30 Uhr Feierabend macht. In der Pflge helfen ??? Fehlanzeige. Das Pflegepersonal kriecht auf dem Zahnfleisch, aber das stört ja niemanden,solange das Geld reinkommt.

Nach 12 Tagen, oder mehr am Stück durcharbeiten (Früh/Spät) kommt man an einem Punkt, wo man LEIDER zu den Heimbewohnern nicht mehr freundlich sein kann, weil einfach die Nerven blank liegen, man körperlich an seine Grenzen kommt !!!! Das ist fakt. Kurz vor meinem Burn Out und Bandscheibenvorfall, war ich so abgestumpft, dass mir wirklich alles egal war. Innerlich hab ich immer nur gedacht das ich am liebsten mit einer Kalschnikow über den Wohnbereich laufen würde, wenn ein Bewohner „mal wieder“ auf der Klingel gesessen hat, eingekotet war, oder aufgrund der demenziellen Erkrankung (wo er ja nichts dafür konnte) ein Bew. den ganzen Tag laut herum geschrien hat und man eh schon unter enormen Zeitdruck gestanden hat. Keiner traut es sich zu sagen, aber sololche Gedanken hat man irgendwann wirklich. Versteht das nicht falsch…ich habe niemals einem Bew. etwas angetan und im nachhinein tuts mir leid, dass ich solche Gedanken hatte. Aber an mir ist irgendwann wirklich alles abgeprahlt.Ich habe meinen „Turn“ durchgezogen und wie eine Maschine funktioniert, aber das Menschliche das ich noch während meiner Ausbildung in mir trug verblasste immer mehr.

Ich war Vollzeit (174 Std. monatlich) angestellt und HATTE 180 ÜBERSTUNDEN!!!! Das muss man sich mal überlegen und das für 12 Euro BRUTTO die Stunde….einfach nur lächerlich. Dieser Beruf ist undankbar und mies bezahlt. Für diese scheiß, undankbare Arbeit müsste ein Pflegehelfer mind. 13 Euro und eine exam. Fachkraft mind. 17 Euro pro Std. bekommen. Schlimm das die Realität anders ausschaut. In meiner ehemaligen Einrichtung hat ein Pflegehelfer gerade mal 8,50 Euro und die Fachkraft 13 Euro die Std. bekommen.
Während der Geschäftsführer den Segelschein macht und seinen Kindern das Ballet/Reiten/Tennis bezahlt….wirklich unglaublich !!! Den Mund aufmachen ??? Fehlanzeige, weil man bei den befristeten Verträgen IMMER ANGST um seinen Job hat. In der Einrichtung wo ich tätig war, gab es kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, es gab NIX…. nicht eine kleine Aufmerksamkeit. Ich spreche nicht von einem 13. Monatsgehalt, aber eine kleine Wertschätzung wäre wirklich wünschenswert gewesen.

Am schlimmsten waren dann aber noch die nervigen Angehörigen !!! Die denken wirklich das sie 3000 Euro für einen Heimplatz zahlen und nun alles ALL Inklusiv ist und die Mutter oder der Vater nun ein Recht auf 24 Std. rundum Betreuung/Pflege hat, dass es aber noch 50 andere Heimbewohner gibt….die ebenfalls auf ihr Recht pochen….daran wird nicht gedacht. Man kann sich nicht zerreißen. Und mal ganz ehrlich, was bilden die sich eigentlich ein??? Das man als Pflegekraft noch hoch motiviert ist….wenn man 12 Tage am Stück gearbeitet hat??? Ich war zwar immer nett und freundlich zu den Angehörigen, weil der Kunde ja schließlich König ist, aber innerlich hab ich mir oft gedacht „Du kannst mich mal am Arsch lecken, wenn es Dir hier nicht passt, nimm Deinen Mutter/Vater doch mit nach Hause und mach es besser“. Wobei es auch nette Angehörige gegeben hat. Das mal wieder zum Thema Abstumpfen.

Nach 6 Jahren hat mein Körper mir deutlich gemacht das er nicht mehr kann. Mit 28 Jahren Burn Out und einen Bandscheibenvofall. 2 weitere Bandscheibenvorfälle folgten . Für mich war klar…Du kannst und willst nicht mehr als exam. Fachkraft arbeiten und nie wieder in diesen Beruf zurückkehren. Inzwischen hab ich mich umorientiert….hab mir Zeit genommen und mir einige Berufe angeschaut (Arztpraxis, Labor usw.). Hängen geblieben bin ich in der Betreuung:-). Reingerutscht bin ich dort mehr oder weniger. Ich leite die Betreuung in einem Pflegeheim und man mag es nicht glauben, aber es macht mir wirklich spaß :-)))). Ich habe mit der Pflege nichts mehr am Hut. Endlich habe ich Zeit für die Bewohner….wir spielen, machen Gymnastik oder unterhalten uns einfach nur und die Bewohner danken es einem wirklich. Ich möchte das nicht mehr missen, auch weil ich meine geregelten Arbeitszeiten habe und nur noch 1 Wochenende im Monat arbeiten muss, aber nur max. 5 Tage am Stück arbeite, da ich den Dienstplan schreibe achte ich auch darauf das meine Kollegen (Alltagsbegleiter) nicht soviele Tage am Stück arbeiten müssen, weil ich einfach weiß wie anstrengend das ist. Meine PDL hat Verständnis dafür und kennt auch meine Krankengeschichte. Ich hab ihr gleich bei dem Vorstellungsgespräch reinen Wein eingeschenkt. Im Nachhinein war das Burn Out und die Bandscheibenvorfälle das Beste was mir passieren konnte.

Manchmal wenn es mich packt…verteile ich auch Medikamente auf dem Wohnbereich, wenn ich sehe wie sich die diensthabende Fachkraft wieder einmal ein Bein ausreißt . Ich habe Respekt davor….Respekt vor allen Menscnschen die heute noch in der Pflege arbeiten und ziehe meinen Hut davor.

Mein Fazit: Ich bin an meine Grenzen gekommen und ich war jetzt wirklich schonungslos ehrlich….Glaubt mir….ich habe oft mit anderen Kollegen über dieses Thema gesprochen und ich stehe nicht alleine da mit meiner Meinung.

Herztlichst Eure Schwester YX

Pfleger und Schwestern sind KEIN Verbrauchsmaterial!

Oder: es weihnachtet sehr in der Pflege.

IST WIEDER SO WEIT…..
die besinnlichen Feiertage stehen an, alle bereiten sich auf einen Jahresausklang vor.

Alle?

Nein, in der Pflege geht es jetzt wieder hoch her. Nachdem im November alle Planungen bezüglich Weihnachten und Silvester gelaufen sind kommt nun am 4.12. der DRITTE Dienstplan für Dezember raus.

Mir reicht es! Anmerkungen bezüglich des Direktionsrechts des Arbeitgebers werden mit einem
„in der Pflege ist das halt anders“ beantwortet.

Was ist in der Pflege anders? Haben wir kein Recht auf eine Freizeitgestaltung? Zur Erklärung:
Ausgangsfrage war wie immer: „Wer macht Weihnachten, wer Silvester?“ Denn Urlaub bekommt eh niemand und irgendwie soll ja alles fair ablaufen. Ich habe 3 Kinder, entscheide mich also für Silvester. Nachtdienst, versteht sich. Chefin möchte aber auch noch das folgende Wochenende. Gut, dann eben 5 Nächte zu je 12 Std. Hauptsache Weihnachten zu Hause bei der Familie. Dann versuchen wir eben sämtlichen familiären und sozialen Kontakte in den 5 freien Tage über Weihnachten gerecht zu werden. Diese Vereinbarung hat auch gehalten. Und zwar exakt 2 Dienstpläne (wir sprechen hier immernoch über den Monat Dezember) lang.

Warum bitte soll ich es jetzt hinnehmen, dass in der 3. Version aus einem „nur“ Silvesterdienstblock, 4 Tage Nachtdienst bis einschließlich 24. wird und dann nochmal sportliche 60h am Stück bis zum Jahresende?
Mit der Begründung es wäre quasi ein Notfall?
Ich erkenne den Notfall nicht.

Der Notfall ist: Der PDL ist plötzlich aufgefallen, dass da ja Mitarbeiter zusammenarbeiten, die ihrer Meinung nach nicht zusammen arbeiten sollten.

„Es müssen ja gerade über die Feiertage Leute da sein, die wissen was sie tun!“

Bitte was?
Die Leitung geht davon aus, dass Leute hier im Dienst sind, die nicht wissen was sie tun?
Noch ein größeres Armutszeugnis kann man sich als Leitung nicht ausstellen.
Sollte dem so sein, dann habe ich als Leitung doch dafür zu sorgen, dass meine Mitarbeiter qualifiziert werden, oder? Und wenn es Geld kostet dann ist das eben so!
Mal abgesehen davon, einer examinierten Pflegekraft so etwas vorzuwerfen… Sie wüsste nicht was sie tut. Hallo?

Ich habe die Schnauze voll!
Ehrlich, ich bin nicht mehr bereit mein Leben aufzugeben für meinen Arbeitgeber.

Aber genug Wut jetzt!

Versuchen wir das ganze sachlich zu betrachten, außerhalb von Vorschriften.

Pflegekräfte sollen wertschätzend mit ihren Patienten umgehen, weil es ein Kern unseres Berufes ist.
Wir tun das auch, abseits aller unrühmlicher Ausnahmen.
Unser Vorgesetzten verlangen das auch zu Recht von uns.
Aber wo bleiben wir in der Geschichte?
Wertschätzung gegenüber uns bleibt völlig auf der Strecke, Dienstpläne sind offensichtlich nicht mehr bindend für Arbeitgeber. Arbeitzeitgesetze werden als gut gemeinter Rat gesehen.
Über Personal verfügt man. Da wir ohnehin 24*7 da sein müssen dann eben auch genau so.
Es ist egal. Egal wieviele Dienste wir bereits haben, egal was besprochen war. Unsere Freizeit ist betriebswirtschaftliche Verfügungsmasse, natürlich nur zum Wohle des Patienten.
Aber ist das so? Dient es dem Wohl des Patienten wenn ich 60h in der Woche arbeite?
Dient es dem Wohl des Patienten wenn ich mal wieder alle Festlichkeiten zu Weihnachten und Silvester sausen lassen muss, weil mein Arbeitgeber sich einen neuen Dienstplan ausgedacht hat?
Ich denke nicht!
Das Gegenteil ist der Fall. Das Pflegepersonal ist das Feigenblatt eines Systems indem es nur um die Wirtschaftlichkeit geht.
Von uns wird erwartet, das freundliche, fürsorgliche Gesicht eines durch und durch gewinnstrebenden Systems zu sein.
Der Patient ist Fallpauschale und unsere Arbeitskraft trägt leider am wenigsten zur Refinanzierung bei.
Wir werden zerrissen zwischen Wirklichkeit und Anspruch.
Familienleben, Freunde, soziale Kontakte, alles muss hinter dem heiligen Dienstplan zurückstehen.
Wie wertschätzend kann, so frage ich mich, jemand gegenüber seinen Patienten sein, der keinen geregelten Ausgleich von der Arbeit mehr findet? Geregelt heißt in diesem Falle, verlässlich, planbar und ausreichend.

Gute Pflege kann nur von Menschen geleistet werden, die fest in ihrem Leben stehen und Rückhalt durch Freunde, Familie usw für ihren teilweise extrem psychisch belastenden Beruf haben.

Ich denke, ich habe Pflege durchgespielt, der Endgegner ist erreicht.
Ich will gesund bleiben und denke ich muss deshalb von den Kranken Abstand nehmen.
Und mit krank meine ich nicht primär die Patienten.

Quelle: Garcon de Piss