Das Maß ist voll.

Und zwar sowas von voll,
dass mir gerade, am letzten Tag des Jahres der Kragen platzt.
Nach einem, dank überaus harmonischer Gestaltung der Dienstpläne, völlig versauten Dezember (siehe hier) kommt das dicke Ende heute.
Am letzten Tag 2014 wird das Jahr 2015 schon direkt wieder mit Wut eingeläutet,
aber der Reihe nach.
Ich schrieb ja bereits darüber, dass Arbeitgeber in der Pflege dazu neigen, Personal als Verbrauchsmaterial zu sehen, was nach Bedarf an und abbestellt werden kann.

Aber dieser Dezember hatte selbst für jemanden der sich seit 1996 in der Pflege verdingt, Sachen bereit, die mich vor Wut zum schäumen bringen.

Wir haben also im November den Weihnachts- und Silvesterplan besprochen.
Daraus wurden während des Dezembers ohne Absprache 7 Änderungen des laufenden Planes.
Ohne, dass sich auch nur ein weiterer Kollege krank gemeldet hätte.
Das führte schon zu lautstarken Auseinandersetzungen mit der Pflegedienstleitung.
Da wir bereits die 3. Änderung in der ersten Dezemberwoche hatten, planten wir eine Dienstbesprechung mit ihrer Anwesenheit.
10 Minuten vor der Sitzung verließ sie dann die heiligen Hallen.
Einige Tage drauf kam es dann wieder zu einer Auseinandersetzung mit der Pflegedienstleitung.
Sie regte sich maßlos darüber auf, dass so wichtige Dinge ohne ihre Anwesenheit besprochen wurden.
Eigentlich machte sie nur die anwesende Protokollführerin rund, für das, was besprochen wurde.
Die Kollegin antwortete darauf nur, sie hätte doch zur Sitzung bleiben können, schließlich wurde ihr ja gesagt, dass es wichtig sei.
Darauf fuhr sie die Kollegin an, niemand könne über IHRE Freizeit bestimmen und wir schon mal gar nicht!
Da ist mir die Hutschnur gerissen.
Ich habe sie gefragt was sie denn meint, was sie tut wenn sie dauernd Dienstpläne umschreibt, Kollegen gegen Absprachen Weihnachten und Silvester einsetzt usw.
Ihr Antwort: Wir wären schließlich FREIWILLIG hier beschäftigt.
Das nagte an mir, ja ich war freiwillig dort.
Dämlich wie ich bin erwartet ich einfach mehr als das übliche: „Ich Chef du nix!“
Gut, dachte ich, lächle und sei froh, den Rest könnt ihr euch denken.

Nächster Akt erste Szene:

Öffnen der Abrechnung am 24. Dez morgens.

Kohle stimmt nicht…
Nur 20 von 46 Überstunden drauf, Bereitschaftsdienste gar nicht.

Anruf bei der PDL:

„Also ich habe beschlossen, dass wir ein Stundenkonto einführen.“
„Das kannst du nicht einfach so beschließen“
„Das gibt es überall.“
„Ich habe es nicht im Vertrag, Es gibt keine Betriebsvereinbarung und es gilt für uns kein Tarifvertrag.“
„Das ist in der Pflege so!“

Ende des Gesprächs

Zweite Szene:

Eine Email:
Du hast leider keine Überstunden, da ich alles mal mit vergangenen Monaten verrechnet habe!

Ähm? Was bitte? Meine Stundennachweise sagen was anderes!

Egal meine nicht!

Okay dachte ich mir, du willst Krieg, den bekommst Du!
Dabei ist mir jetzt auch scheißegal ob ich bis Ende Februar Probezeit habe!
Ich bin Pfleger, kein Sklave!

Nun wer jetzt erwartet es wäre zu Ende, der kennt den klassischen Dreiakter nicht!

Dritter Akt:
Silvester, der Protagonist der Geschichte sitzt Kaffee schlürfend mit der Brut vor dem Fernseher.
BING!

Eine Email.

Oh von der Chefin, bestimmt die üblichen guten Rutsch Floskeln! Gleich mal ansehen.

Da stand dann schwarz auf weiß, ich hätte ja nur 15 Tage Urlaub angegeben und müsste das jetzt mit meinen Kolleginnen absprechen. In den Ferien sähe es übel aus, da hätten ja jetzt die Mütter alle frei, da könne ich nicht auch noch.

Kaffee weggespuckt….

Als Vater brauche ich keinen Urlaub? Ach ja, sehe meine Familie ja eh nie wirklich, dann fehle ich im Urlaub ja auch nicht! ODER WAS?

Wir haben GEMEINSAM einen Urlaubsplan erstellt, im November. Dort stand es schwarz auf weiß. Urlaubsanträge für Ostern, Sommer und Herbst.
Das stimmt jetzt offensichtlich nicht mehr. Urlaub gemeinsam mit der Familie? Wer braucht denn sowas?

Das war mein Dezember.

Jetzt sitze ich hier mit einer Mordswut im Bauch!
Gleich muss ich mich von meinen Kindern verabschieden, denn ich hab Nachtdienst.
Ich fühle mich leer, verbraucht und verarscht.
Ich will diesen Scheiß nicht mehr. Nicht mehr diesen Job unter diesen Bedingungen.

Ich will wieder ein Mensch sein, ein Vater, jemand der weiß wann und wofür er arbeitet. Jemand der wirklich freie Tage und Urlaub mit seiner Familie hat.

Und jetzt weiß ich auch nicht weiter….

Quelle: Garcon de Piss

2 Gedanken zu „Das Maß ist voll.

  1. l.t.m.

    Das ist ein Beitrag der mich wütend werden lässt. Wütend nicht wegen dieses Einzelfalls, sondern weil er quer durchs deutsche Vorweihnachtsland sich so oder so ähnlich wird zugetragen haben.
    Weil solcherlei Tausenden von Pflegekräften die besinnliche Vorweihnachtszeit versaut hat – und weil sich Abertausende von Pflegekräften nicht mal gewehrt haben, obwohl sie jedes Recht auf ihrer Seite haben.

    Nicht eine Änderung des Dienstplanes hätten sie hinnehmen müssen, schon gar nicht ungefragt.

    Was für eine Mentalität hat diese Berufsgruppe, dass die mit gesenktem Kopf vor sich hin murrend solche Verhältnisse in der Gesamtheit hinnimmt?
    Was für ein Selbstbild hat die „durchschnittliche“ Pflegekraft, dass sie es sich nicht wert ist für sich einzustehen und auf ihren Rechten zu bestehen. Sondern resigniert jedwede Willkür erträgt.

    Wird der Satz am Ende des Lebens lauten: „Wäre ich bloß häufiger eingesprungen?“ Das muss wohl so sein, denn sonst hätten die Pflegekräfte geplante Zeit mit ihrer Familie verbracht und ihre Freundschaften gepflegt. Sie wären zum Sport gegangen und hätten ihren Hobbys gefrönt – in ihrer Freizeit. Aber offensichtlich ist ihnen ihre Freizeit nichts wert…. oder fühlen sie sich so als wären sie der garantierten Freizeit nicht wert?

    Mich wundert nicht, dass diese Mentalität gnadenlos ausgenutzt wird von denen, die Macht haben. Sie wollen keinen kleinen Finger, sie wollen die ganze berufene Pflegekraft – wohl wissend, dass diese sich nicht wehren wird wird sie so lange genötigt, gedemütigt, geschoben und beschnitten, bis sie vergisst, dass auch Selbstpfelge zu Pflege gehört… bis man sie mit Burn-out auf dem Berufsschrotthaufen entsorgt und frisches den Mund haltendes Pflegematerial besorgt.

    Fassungslos – nicht über den Artikel des Autors, nicht über den Einzelfall, kein Vorwurf an den Einzelnen – sondern nur Ausdruck dessen, dass die Hoffnung dass sich Pflege endlich auf breiter Basis zu Wehr setzt im Todeskampf liegt.

    Antworten
    1. Garcon de Piss

      Genau aus diesem Grunde habe ich den Artikel verfasst,
      weil es eben nicht die Ausnahme ist, sondern ein fast normales Jahresende.
      Es werden überall Arbeitsrecht und Verträge mit Füssen getreten, meist mit der Begründung:
      In der Pflege ist das so, das hättet ihr euch früher überlegen sollen.
      Aber in der Pflege ist vieles nicht so, wie die, ich nenne sie mal freundlich, Leitungswandersagen es Glauben machen wollen.
      Aber niemand steht auf und wenn dann steht man oft alleine da..

      Gruß

      Garcon de Piss

      Antworten

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