Der Fisch stinkt immer vom Kopf.

Hallo Ihr Lieben,

nun ist es soweit. Drei Akte eines Dramas waren versprochen, hier folgt nun Teil 3. Viele, ganz, ganz viele sicherlich auch lesenswerte und teilweise schockierende Anekdoten aus der Zeit meiner Ausbildung musste ich weglassen, um mich mit dem folgendem Text dem Ende widmen zu können. Aber ich wollte ja auch kein Buch schreiben. Und das wäre es sicher geworden. Außerdem denke ich, dass meine Botschaft eigentlich schon nach dem 1. Akt ersichtlich war. Nämlich: So kann es ganz sicher nicht weiter gehen! Nicht in der Krankenpflegeausbildung, nicht in der professionellen Pflege selbst, in keinem Krankenhaus, keinem Seniorenheim, keinem ambulanten Pflegedienst oder wo auch immer, sollten jemals solche Zustände herrschen. Nicht für Schülerinnen und Schüler, nicht für examiniertes Pflegepersonal, Pflegehilfskräfte, Praktikanten und ganz sicher nicht für das am häufigsten schwächste Glied der Kette, den Patienten.
Vergessen wir also die 152 Überstunden, die ich während meiner Ausbildung gemacht habe, die kurz vorm Examen im System einfach gelöscht wurden. Ignorieren wir den April indem ich 28 von 30 Tagen arbeiten musste inklusive Ostern, weshalb ich hinterher an meiner eigenen Toilettentür angeklopft habe, weil ich nicht mehr wusste wo oben und unten ist. Sehen wir drüber hinweg, dass ich absichtlich vor meinem praktischen Examen zum ersten Mal in 3 Jahren 6 Tage am Stück frei bekommen habe, damit ich auch ja keine Chance habe, einen meiner Prüfungspatienten vorher kennenzulernen. (Ihr merkt, ich könnte stundenlang so weiter machen.)
Nein, Schluss jetzt. Kommen wir nun direkt zum krönenden Abschluss eines 3 jährigen Spießrutenlaufs.

DER FISCH STINKT IMMER VOM KOPF

Nachdem die letzten zwei Teilen beide von meinem ersten praktischen Einsatz handelten, nun ein ganz weiter Sprung auf dem Zeitstrahl. Knapp 3 Jahre später. Ich habe meine drei schriftlichen sowie meine praktische Prüfung (Trotz massiven Bemühungen der Examensstation, das zu verhindern. Allein dazu könnte ich seitenweise schreiben.) bereits bestanden.
Zeit für Bewerbungen also. Denn nun folgen ja „nur noch“ 3 mündliche Prüfungen und sollten die ebenfalls von Erfolg gekrönt sein, möchte man ja auch kurz um richtiges Geld verdienen.

Haha, der war gut! Richtiges Geld. Also ich meine damit mehr Geld als in der Ausbildung.

Egal, ich habe also angefangen Bewerbungen zu schreiben und, werdet es kaum glauben, aber unter anderem sogar in dem Haus, in dem ich gelernt hatte. Das allerdings hatte seine Gründe. Es gab dort, wie soll es umschreiben, zwei „Außenbezirke“. Und zwar die Psychiatrie und die Notaufnahmen. Diese funktionierten völlig entkoppelt von dem sonst nahezu immer gleichen Stationsbetrieb. Meinen Pflichteinsatz in der Psychiatrie empfinde ich auch heute noch als Atempause. Die Patienten hatten ganz anderen Pflegebedarf als Unterstützung bei der Körperpflege, Hilfe beim Toilettengang oder zur Mobilisation. Sie benötigten Gespräche, dass jemand da ist, dass jemand ihnen hilft ihren Alltag zu organisieren, so etwas eben. Und am meisten „entspannt“ haben mich die Kollegen. Dort gab es kein Kompetenzgerangel, kein „Ich Examiniert, Du Dreck“ Gehabe, kein Mobbing untereinander, nichts dergleichen. Klar hatte auch dort nicht jeder jeden lieb. Aber die Pflegekräfte hatten gelernt professionell damit umzugehen. Wer mit akuten Borderlinern arbeitet, kann offensichtlich auch dem Kollegen sagen, dass er seine Kaffeetasse doch bitte in die Spülmaschine räumen soll, ohne sich vorher mit 14 anderen verbünden zu müssen, um deswegen einen Krieg anzufangen. Faszinierend oder? Fazit Psychiatrie war cool. Eine Zeit lang hätte ich gern dort gearbeitet. Sicher nicht ewig aber um „runter zu kommen“ nach der Ausbildung schon ok. Und nun der 2. Außenbezirk. Die Notaufnahme. Der Einsatz dort war alles andere als entspannend und die Kollegen im Schnitt auch eher so…Geht so. Paar gute eben, paar Zicken, paar unauffällige. Dort war es eben die Arbeit, die mich lockte. In der Notaufnahme gibt es nichts schön zu reden. Dort wird gehandelt und zwar hoffentlich richtig. Da kann niemand im Nachhinein die Verantwortung abschieben mit „Das hat bestimmt der Spätdienst vergessen.“ oder „Das hat der Patient wohl falsch verstanden.“ Dort benötigt man Fachwissen und Erfahrung. Je mehr desto besser. Und je schneller Du bist desto besser. Außerdem beschwert sich auch kein Patient, der einen Herzinfarkt hatte darüber, dass er das Gefühl hatte abgefertigt zu werden, wenn ihm durch schnelles Handeln das Leben gerettet wurde. Während genau dieses „Abfertigen“ auf allen anderen Stationen eines der größten Probleme darstellt. Und irgendwie war der Wunsch, in einer Notaufnahme zu arbeiten, wohl auch die ersten Anzeichen der Flucht aus der Pflege. Denn was auch immer dort behandelt wird, mit Pflege hat das alles wenig zu tun.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich kam nicht umher meine Bewerbungsunterlagen an Mr Wichtig Himself also den Pflegedirektor abzuschicken, weshalb ich mir ohnehin keine Hoffnungen machte, dass diese jemals in der Psychiatrie oder Notaufnahme ankommen werden. Denn selbst, wenn er vergessen haben sollte, wer ich war, hatte ich die Unverschämtheit besessen bereits in den Unterlagen klar zu formulieren, dass ich mich exakt für die beiden Stationen bewerbe. Solch Aufmüpfigkeit wird in einem Haus voller willenloser Untertanen überhaupt nicht gern gesehen. Um so überraschter war ich, als ich von der Schule über meinen Termin zu Vorstellungsgespräch informiert wurde. Zwei Tage vor der ersten mündlichen Prüfung. Na sowas, jetzt hatte ich bereits meinen Spind geräumt, die Klamotten zurückgeben, Namensschild und Mitarbeiterausweis an meinem letzten Arbeitstag an der Information zurückgelassen und den riesengroßen, fiesen Klotz mit einem gedanklichem
„Fickt Euch alle!“
verabschiedet, als ich zum vermeintlich letzten Mal durch die Drehtür marschierte und dann das. Vorstellungsgespräch? Ernsthaft? Dann bekam ich mit, dass alle aus unserem Kurs, die sich dort beworben hatten, in diesen Tagen zum Gespräch eingeladen wurden. Ach so, ist also so ein „Wir tun mal so, als gäben wir hier jedem die gleiche Chance Ding.“ Könnte wohl schlechte Presse geben, wenn die eigenen „top-ausgebildeten“ Azubis, wenn sie denn bestanden haben, nicht auch in den heiligen Hallen empfangen werden. Das dachte ich zumindest. Aber ersten kommt es anders und zweitens….

Vorstellungsgespräch:

PD: „Guten Tag Frau *blättert in seinen Unterlagen* Schulze. Setzen Sie sich! Also Ihre Noten bislang… Zwischenzeugnis gut. (Das war nicht gut sondern hervorragend.) Die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen sind zufriedenstellend. (Die waren gut.) Aber im praktischen, ja, da ist ja wohl das Problem.“

(Das „Problem“ heißt „befriedigend“ und liegt daran, dass das die einzige Prüfung war, auf die Ihr beschissen intrigantes Personal einen Einfluss hatte. Ich hatte keine Vorbereitung, kannte am Tag der Prüfung die Patienten nicht und dann wurden plötzlich alle Untersuchungen nochmal spontan umgeplant, damit ich auch ja noch Zeitdruck bekomme. Außerdem wurde einem Patienten ein falsches Medikament auf den Tisch gestellt, welches er natürlich auch noch sofort zu sich nahm, was für noch mehr Aufregung sorgte. Danke dafür! Und dennoch habe ich diese Prüfung mit „befriedigend“ bestanden. Das ist mehr wert als jede glatte 1 mit Vorlauf und ohne Spielchen. So!)

PD: „Sie wollen in der Psychiatrie arbeiten. Also da habe ich mit Herrn Schelzing drüber gesprochen, der kann sich das überhaupt nicht vorstellen. Offensichtlich haben sie bei ihm keinen so guten Eindruck hinterlassen.“

„Wer ist Herr Schelzing?“

PD: „Die Stationsleitung der geschlossenen Psychiatrie. Sie haben doch dort gearbeitet oder nicht?“

„Ja, 5 Nächte. Den Rest meines Einsatzes in der Psychiatrie arbeitete ich jedoch auf der Station…“

PD: „Sehen Sie, dann kennen sie Herrn Schelzing ja.“

„Nein, denn Stationsleitungen arbeiten ja nicht nachts.“

PD: „Um es kurz zu machen, ich habe mit allen Mitarbeitern gesprochen und niemand hier im Haus möchte mit Ihnen zusammen arbeiten!“

(Aha, über 3000 Angestellte, davon ca. 900 in der Pflege. Und er hat mit allen gesprochen, und leider fanden mich alle doof. Und weil er sich schon so eine Mühe gemacht hat, nur wegen meiner Bewerbung und so, musste er mir das Ergebnis jetzt natürlich auch persönlich mitteilen. Logisch oder?)

„Ähm und Sie laden mich zu diesem Vorstellungsgespräch ein, nur um mir das mitzuteilen?“

PD: „Ja!“

„Dann hoffe ich für Sie, dass es Ihnen jetzt besser geht, womit das Gespräch für mich dann aber auch beendet wäre.“

PD: „Wann hier welches Gespräch zu Ende ist, entscheide immer noch ich!“

„Sie können ihr Gespräch gern allein fortsetzen, ich gehe jetzt! Auf wiedersehen!“

Wie sich im Nachhinein herausstellte, war ich nicht einmal die einzige. Der (Achtung!) Kursbeste durfte sich ähnliche Unverschämtheiten anhören. Auch er ein Verfechter der Theorie „Ich bin hier um eine AusBILDUNG zu machen keine AusBEUTUNG.“ Böser Fehler offensichtlich.
Gut, die Nörgelei an den Noten funktionierte bei Ihm noch weniger als bei mir aber dann halt in dem Stil „Sie wirken immer so unmotiviert.“ Soziale Inkompetenz, keiner mag sie und solch harte Fakten eben.

Ok, diesmal ging es hier nicht um schockierende Berichte aus dem Krankenhausalltag. Nicht um gefährliche Pflege, Hygienefehler oder vernachlässigte Patienten. Und vielleicht wird dieser letzter Akt somit von einigen als eher unspektakulär empfunden. Nun muss man sich allerdings den Vorgang mal genauer betrachten. Da sitzt jemand, den ich bis dato genau 2 Mal gesehen hab, nämlich bei der Begrüßungsveranstaltung zu Beginn meiner Ausbildung und als er wutentbrannt über den Krankenhausflur der Onkologie an mir vorbei stapfte. Jemand, der verantwortlich zeichnet für über 900 Mitarbeiter. Das bitte nochmal auf der Zunge zergehen lassen: Über 900 Mitarbeiter! Und dieser Herr macht sich Mühe, einen Termin mit einer Schülerin zu vereinbaren, um sie

a) dreist zu belügen und
b) ihr 2 Tage vor den letzten Prüfungen zu sagen, wie scheiße sie doch ist.

Er will mich dort nicht haben. Bitteschön, das ist sein gutes Recht. Aber was sollte diese Show? Meine Chefin in der Psychiatrie hatte explizit darum gebeten, dass ich mich doch bewerben möge. Psychiatrie sei nicht wirklich beliebt bei den Anfängern, ihr fehle ständig vor allem junges Personal und ich würde sicher wunderbar ins Team passen. Mit dem Chef der Notaufnahme war ich per Du. Auch er hatte mir gute Chancen in Aussicht gestellt, sobald er meine Bewerbungsunterlagen auf dem Tisch liegen hat. Offensichtlich sind diese dort (wie ja bereits befürchtet) nie angekommen. Auch das wäre alles kein Problem gewesen. Wenn Mr Wichtig Himself den Störfaktor „Julia“ nicht haben will, dann muss er eben nicht. Dieser Auftritt allerdings machte mir einiges klar. Nein, ich hatte keinen Verfolgungswahn, wenn ich der Meinung war, dass es nahezu auf jeder Station Vorbehalte gegen mich gab. Nein, ich habe mir den Boykott meiner praktischen Prüfung nicht eingeredet. Das waren keine dummen Zufälle. Und nein, nicht ich bin die „Komische“, die offensichtlich überall aneckt, sondern die andere Seite ist krank. Sehr krank! Ich hatte meine Verleumdung nicht schweigend hingenommen (der Schule gegenüber zumindest nicht) und damit hatte ich mich gegen ein System aufgelehnt, das keinen Widerspruch duldet. Erst recht nicht von ganz, ganz, ganz unten in der Hierarchiekette. Eine Anfangsschülerin, die sich wehrt? Und die auch noch bleibt um ihr Examen zu machen? Das konnte man unmöglich „straffrei“ durchgehen lassen, hinterher könnte ein Stefan zum Beispiel auch noch auf die Idee kommen, seinen unbefristeten Vertrag dazu zu missbrauchen, um am System zu rütteln. Gott bewahre!
Dummerweise hatte dieses Gespräch das Gegenteil dessen bewirkt wozu es gedacht war, nämlich mich zu verunsichern. Vielleicht verreißt es die Julia ja doch noch in einer der letzten Prüfungen, wenn wir sie vorher nochmal so richtig fertig machen. Und in der Tat hätte ich dann ein Problem gehabt. Dieses Haus nochmal betreten? Ganz sicher nicht! Meine Unsicherheit aber war wie weggeblasen. Alles war plötzlich sehr eindeutig. Und ich sehr stolz auf mich, dass ich mich bis zuletzt dagegen gewehrt habe. Ich mag mein Rückgrat eben und möchte es gern behalten. Ich werde die letzten Prüfungen bestehen, weil ich gut bin. Nicht beliebt sondern fachlich gut. Die beliebten können Waschlappen falten und Bettdecken gerade ziehen, ich kann pflegen. Und so kam es dann auch. Meine mündlichen Prüfungen verliefen problemlos und keine Woche nach dem mir der Pflegedirektor klar machen wollte, dass ich ohnehin zu nichts tauge, unterschrieb ich bereits meinen Arbeitsvertrag in einer anderen Notaufnahme.

Für den größten Lacher kurz vor der Examensparty sorgte dann noch folgende Entscheidung unseres offensichtlich maßlos kompetenten obersten Oberchefs. Obwohl er zu Beginn der Ausbildung lauthals verkündet hatte, den besten dreien des Kurses in jedem Fall einen Arbeitsvertrag anzubieten, entschloss er sich kurzerhand dann doch für ein anderes Trio. Nämlich für 2 stille Damen aus dem leistungsmäßigen Mittelfeld und, jetzt bitte nicht lachen, die schlechteste. Zum Dank für diesen Vertrauensbonus namens Arbeitsvertrag, versemmelte diese dann auch (wie erwartet) ihre Prüfungen und der geschätzte Pflegedirektor stand mit einer Stelle zu wenig da.
Tja, dumm gelaufen.

Mein Fazit nun und das richtet sich an alle: Von Schülern und examinierten Kollegen über Führungskräfte und Praktikanten bis hin zu Patienten und Angehörigen: Lasst Euch das nicht bieten! Wenn ihr Missstände beobachtet, sprecht sie an! Macht es anders! Lasst Euch nicht unter kriegen, weil vermeidlich „alle“ gegen Euch sind. Nur weil viele in eine Richtung rennen heißt das noch lange nicht, dass es der richtige Weg ist. Wenn wir nicht endlich anfangen uns aufzulehnen gegen solche Systeme, wer dann?

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit! :)

Quelle: @Emergencymum

Vielen lieben Dank an Emergencymum diesen Beitrag offen mit uns allen zu teilen.

5 Gedanken zu „Der Fisch stinkt immer vom Kopf.

  1. l.t.m.

    Da hatte ich ja gleich nochmal ein deja-vu

    Ich hatte zwar kein Vorstellungsgespräch – aber nachdem ich meine Bewerbung abgegeben hatte, ewig nix davon gehört und dann auch noch Termine für Vorstellungsgesprächen in anderen Häusern habe ich dann auf Betreiben der wirklich netten Kollegen meiner letzten Station mal in der Verwaltung angerufen, was denn nun mit meiner Bewerbung sei.
    Ich bekam einen Rückruf, ich könne gleich mal vorbei kommen.

    Also rüber zum Pflegedirektor – er bat mich gleich herein, bot mir noch nicht mal einen Platz an sondern zog aus der obeserten Schublade meine Bewerbungsunterlagen und reichte sie mir über den Tisch. Dann meinte er süffisant, dass ich sicherlich wissen wolle warum man mich nicht weiterbeschäftigen wolle im Haues. Ich denke ich habe ein wenig fassungslos genickt – bekam dann zumindest einen Stuhl angeboten und dann bekam ich mal gesagt, dass er sich erkundigt habe (das Haus war ein wenig kleiner, aber nicht viel), und dass man von mir den Eindruck gewonnen habe, ich interessiere mich nicht wirklich für die Pflege und habe den Absprung von meinem abgebrochenen Medizinstudium wohl nie geschafft. (Das Studium war zu dem Zeitpunkt seit 9 Jahren passé).

    Ich bin wie betäubt zurück auf die Station und dort hab ich erst mal geheult – die Kollegen haben mich ganz lieb getröstet und es auch nicht verstanden. In der Folge habe ich mit Lehreren (Tip einer Lehrerein: Den würde ich nicht mehr mit dem verlängerten Rücken anschauen) mit Schwestern und Pflegern von den verschiedensten Stationen auf denen ich war gesprochen – alle waren völlig vor den Kopf gestoßen. Sogar die Stationleitung der Station von der ich kürzlich schrieb war ehrlich überrascht.

    Ich habe in diesem Kurs das zweitbeste Examen gemacht. Die Kritik war einfach erfunden, man hat in meinem Lebenslauf gestöbert und nach einem Grund gesucht. Fakt war, ich und drei Mitschüler sind einmal auf die Barrikaden gegangen wegen eine himmelschreienden Ungerechtigkeit. Die eine hatte einen ruhenden Vertrag (war vorher Pflegehelferin), die andere wollte ein Chefarzt unbedingt haben und der dritte war in JAV und Betriebsrat engagiert – ich war die einzige, die keine Beziehungen hatte und so war ich eine von einer Handvoll Schülern die nicht übernommen wurden.

    Heute bin ich froh darum, ich habe zwei Jahre in einem kleinen Grund- und Regelversorugngshaus gearbeitet und meine Basics gelernt, Verantwortung übernehmen gelernt, danach bin ich in einen Maximalversorger in den Intensivbereich gewechselt – ein klasse Arbeitgeber. Während mein altes Haus – wie ich inzwischen weiß pflegerisch ziemlich runtergewirtschaftet ist.

    Damals hat es mir aber ganz schön die Schuhe ausgezogen.

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  2. Jeanskäfer

    …3 schriftliche und 3 mündliche Examensprüfungen, wo waren dann denn die 4 praktischen Prüfungen?
    Nach welcher Novelle des Krankenpflegegesetzes lernst Du?
    Ich fand es schon sehr schockierend, was du so erlebt hast, jede andere hätte wohl aufgegeben.
    Ich kann einiges durchaus nachempfinden, obwohl ich es so nie erlebt habe und auch nie berichtet bekommen habe. Evtl .liegt es auch daran, daß meine Ausbildung (unter einem anderen deutschen Krankenpflegegesetz) von 1990 – 93 stattfand und da noch „alles besser war (war´s auch schon nicht…)
    Ich bin als Stationsleitung/ Praxisanleiter/ Fachkrankenpfleger/ QM-Beauftragter, Teil-Dozent an der G-u-K-Schule durchaus in Kontakt mit Auszubildenden…sowas ist mir oder anderen oder auch der JAV nie berichtet worden.
    Ich habe nur feststellen müssen, daß viele Azubis mit einer gewissen Lethargie und Desinteresse daher kommen und mit einer frechen Selbstsicherheit Arbeiten „verweigern“, weil die ja jemand anderes Doofes machen kann (nämlich die oder der Examinierte) . Das in deutschen Krankenhäusern der Stationsdienst ohne Schüler und Praktikanten zusammenbrechen würde, darüber sind wir uns sicherlich alle einig. Ich war über 20 Jahre Leiter einer onkologischen Station und habe mich immer dagegen ausgesprochen , Schüler in den ersten Einsätzen auf dieser speziellen Abteilung einzusetzen. Irgendwann bekamen wir dann keine mehr…kurz vor dem Examen dann wieder welche, die in 3 Jahren Ausbildung noch nie einen Toten gesehen oder versorgt hatten…“Ich kann das nicht…..!“
    Vor ein paar Wochen Frage an einen Drittkursschüler, der jetzt kurz vorm Examen steht . „Hast du dich hier im Haus beworben? “ – „Ja , ich fange auf der ITS an!“ Aha….früher wurden dort nur MA genommen, die mind. 2 Jahre erstmal auf einer Normalstation gearbeitet haben. Am gleichen Tag, sollte dieser Schüler, der auch seinen eigenen Pflegebereich betreute (weil ja kurz vor seiner Karriere als hochwichtiger ITS-Pfleger), einen Hämoccult bei einem Patienten durchführen. Er wußte damit überhaupt nichts anzufangen. Glückwunsch – nach 6 Wochen Einsatz auf einer Gastroenterologischen Station, ist diese Untersuchung auch eine absolute Seltenheit – genau so selten, wie eine Psoriasis auf der Derma.
    Oder die Schülerin, die nach einem 1 Jahr immer noch nicht weiß, wo die Postfächer sind und auf die Antwort „Bei der Rezeption!“ doch allen Ernstes fragt, was nun das schon wieder wäre und wo überhaupt. Wundert mich, daß die überhaupt den Weg zu ihrer Einsatzstation, geschweige denn, zum Klinikum findet.
    Auch seltsam, daß die nach 3 Wochen immer noch nicht weiß, wie so der Tagesablauf auf einer Pflegestation ist – nein, genau, daß wird ja auch tagtäglich neu ausgewürfelt, sowas nennt man wohl Pflegeplanung. Wohin sie sich aber ungefragt zum Rauchen verqualmen kann, daß wußte Madam schon sehr schnell…
    Das mit deinen vielen Überstunden ist traurig, weil hier mehrere Instanzen kläglich versagt haben. Das mit dem „Dauermarathonarbeiten“ kann ich nicht glauben, weil dort schon nach kurzer Überschreitung der Arbeitszeiten gesetzliche Regelungen gegriffen hätten…ansonsten haben deine G-u-K-Schule, deine Schulleitung und Kursleitung, PDL sowie Betriebsrat katastrophal versagt!!! Warum hast du dir nicht einen Anwalt für Arbeitsrecht genommen, wenn du so zu deinem Nachteil beschissen worden bist? Sicherlich ist auch viel Polemik aus deinen drei Akten zu lesen und du könntest wunderbar schreiben, zu den Erlebnissen einer G-u-K-Schülerin im deutschen Gesundheitswesen.
    Ich wünsche dir trotzdem für deinen weiteren beruflichen Werdegang alles Gute – aber bitte fange in einem anderen Unternehmen an und nicht gleich in der Klapse – das versaut die meisten engagierten Pflegemenschen recht schnell und die können dann in der normalen Pflege keinen Fuß mehr fassen (Sorry, wenn sich jetzt Leute angegriffen fühlen, aber ich habe viele Freunde, die dort arbeiten und sie bestätigen das…leider)

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  3. Stefanie

    Habe heute deine Beiträge gelesen, mir geht es sehr ähnlich in unserem Klinikverbund. Bin gerade mitten im Examen und erkenne leider viel zu viele Parallelen;
    Ich fühle mich auch verheizt, wenn ich auf meine bisherige Ausbildungszeit zurück blicke.
    Eine große Traurigkeit und Frustration machen sich breit, welche die Motivation massiv senken. ich zweifle nicht an dem Beruf und meiner Berufswahl, sondern eher daran ob ich gewillt bin mit dem Strom der sogenannten Pflege weiter zu schwimmen und Pat. abzufertigen, oder ich das Durchhaltevermögen habe mich immer wieder aufs Neue dagegen zu stellen und zu Pflegen. Auch mache ständig die Erfahrung , dass Selbstdenker nicht tragbar für eine Station sind. Egal wie man es macht es wird einem zum Nachteil ausgelegt.

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  4. Heike schröder

    Es wird nicht besser werden, es wird sich nichts verändern. Im Gegenteil! Wir alle, die in der Pflege arbeiten, sind nicht mehr ganz dicht. Wir prangern die Zustände an und unsere “ hohen moralischen Ansprüche“ verhindern eine Veränderung, weil wir alles und jeden Unsinn mitmachen. Wir sind eine Herde von unterbelichteten “ Einzelkämpfern“. Da gibt es keinen Teamgeist , es gibt Teams, wenn sie gut aufgestellt sind, miteinander arbeiten können. Das war es dann aber auch schon. Wir verkommen zu Opfern der Politik und der Krankenkassen und derjenigen die das Pflegen leid sind, ehemaligen Kollegen, die als Pdl arbeiten, Dinge einfordern, vor denen sie selbst geflohen sind. Schreibtischtätern, die ein Pflegestudium absolviert haben und keine Ahnung von Pflege haben, die uns Examinierten erzählen wollen, wie Pflege zu funktionieren hat. Es arbeiten mittlerweile mehr Pflegehilfskräfte und Serviecepersonal in der Pflege, als examinierte Pflegekräft. Ich dachte immer, Krankenpflege hätte etwas mit dem Kranken zu tun- Entschuldigung- natürlich dem Kunden, Kranke gibt es ja nicht mehr. Wenn ich aber als Examinierte den Kunden nur in der Akte zu Gesicht bekomme, weil dieser ja vom Servicepersonal und Helfern betreut wird, ist es ja wohl vorbei mit der Pflege. Und gerät dann eine examinierte pflegefachkraft an das Bett, dann nur um technisierte Handlungen zu vollziehen, die Helfer und Schüler nicht dürfen. Oder weil der Krankenstand so hoch ist. Da arbeitet man ja auch mal alleine mit einer pflegehilfskraft von einer artfremden Station auf einer Station wo man selbst noch nie war. Aber wir können ja alles und sind da auch nicht zimperlich. Wir die Mutter Theresas und Vincenz von Pauls. Wir die Deppen vom Dienst, die sich dann freuen, das uns soviel zugetraut wird und ein freundliches , na wusst ich doch das das klappt, auch noch freut. Da brauchen wir kein Dankeschön und keine bessere Bezahlung. Das macht uns glücklich und dankbar, uns Narren in weiß , grün und blau, in schweinchenrosa und pusselnder Klamotte. Ne Freakshow sind wir, alle die wir examiniert sind.

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  5. katharine

    Ich warte stündlich darauf, dass die „Maschine“ pflegt. Hoffentlich hat „sie“ einen guten Programmierer.
    Dann ist Schluss mit der autoritären Ethik, oder?

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