Der Königsweg.

An der prekäre Situation der Pflege, die ja nun schon seit Jahren bekannt ist und aus allen Blickwinkeln diskutiert, beleuchtet und bejammert wurde und immer noch wird,
hat sich nichts geändert. Die Aktionen zahlreicher Aktivisten,
sei es auf der Straße oder im Internet, laufen allesamt ins Leere.
Die Politik nimmt keine Notiz von uns. Außer hilflosen Versuchen (wie z. B. Laumann und seine Rentner) kommt hier nichts Produktives zustande.
In den Medien nimmt man uns nur bedingt wahr… wenn es dann gerade mal passt.
So kann es doch nicht weiter gehen! Der Druck auf dem Kessel ist groß.
Wir müssen uns endlich mal zur Wehr setzen,
und zwar so, dass uns keiner mehr übersehen und überhören kann.
In der Geschichte der Arbeiterbewegung sind Veränderungen nur durch die Androhung eines Arbeitskampfes oder durch den Arbeitskampf selbst erzielt worden. Sonntagsreden haben noch keinen Arbeitgeber zum Umdenken gebracht. Flashmobs und Briefe an die Kanzlerin (so gut und wichtig diese Aktionen auch sind)
werden keine Verbesserungen der Lage schaffen.
Und darum sehe ich nur einen Weg, die Situation zu verändern.
Der Königsweg heißt STREIK!
Ver.di bestreikt derzeit den Öffentlichen Dienst. Hiervon sind u. a. auch Krankenhäuser betroffen. Ein richtiger Weg, um Forderungen durchzusetzen. Nur massiver Druck auf die Arbeitgeber und die Politik schafft Veränderung.
Die Berliner Charite`steht kurz vor einem Streik und hier geht es nicht um höhere Gehaltsforderungen, sondern um eine bessere Personalbemessung. Nur durch die Anrufung der Schlichtung konnte der Arbeitgeber sich (noch) vor einem Arbeitskampf retten. Ihr seht, alles ist möglich…wir müssen nur wollen !
Leider sind die Pflegekräfte nur zu einem sehr geringen Prozentsatz gewerkschaftlich organisiert. Das muss sich ändern. Organisiert euch in einer Gewerkschaft und kämpft solidarisch für eure Rechte und bessere Arbeitsbedingungen. Es gibt keinen anderen Weg, nur durch einen Streik, würden wir endlich wahrgenommen.
Darum…
Solidarität ist angesagt!!

2 Gedanken zu „Der Königsweg.

  1. mr morbo

    Nun, … das Streikrecht gilt eben für die Auseinandersetzung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer als unveräußerliches Recht auf Arbeitnehmerseite.
    Zwei Punkte möchte ich dazu anmerken:
    1. gibt es numal keine Pflegegewerkschaft, die deutschlandweit einen nennenswert hohen Organisationsgrad hat um eine Vereinigung von Arbeitgebern zu provozieren und mit jenen in Verhandlung zu treten. Kann man daran etwas ändern?
    2. erfüllen Pflegekräfte hoheitliche Aufgaben, sprich: Aufgaben für deren Erfüllung der Staat mit seiner Auslegung des Sozialstaatsprinzips einsteht. Das Rechtsgut Sozialstaatlichkeit ist ein Kerngedanke des GG, das Streikrecht hingegen bekanntlich für uns eingeschränkt, insoweit bspw. der Notdienst während des Arbeitskampfes in der Verantwortung der Gewerkschaften liegt.
    Ich persönlich finde, dass daraus eine Verfassungswidrigkeit der Krankenhausfinanzierung resultiert. Der Konflikt zwischen unserem Interesse im Arbeitskampf um bessere Bezahlung und Personalaustattung, dem Interesse um Leib und Leben der Patienten und Bewohner und dem politischen Interesse an einem wirtschaftlichen Sozialsystem wird zu unseren Lasten ausgetragen. Als größte Berufsgruppe im Krankenhaussektor sind wir nicht im GBA vertreten und nicht im INEK. Es fehlt uns der legitime Einfluss, wie in alle anderen Interessensgruppen von der Politik zugestanden bekommen. Warum ignoriert unsere Dienstleistungsgewerkschaft diesen Punkt.
    Und jetzt frage ich: Wenn durch Personalmangel die Mortalität steigt, wer ist dann verantwortlich für das vermeidbare Leiden und Sterben der Patienten? Wer macht sich schuldig?
    Schönen Gruß nach Berlin

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  2. @pflegepuls

    Auch ganz ohne Streik könnte die „Pflege“ im Zeitalter der Kommunikation erheblichen politischen Druck aufbauen.

    Beispiel öffentlichkeitswirksame freiwillige Selbstverpflichtung:

    Oft flüchten Pflegekräfte früher oder später aus den unbefriedigenden Rahmenbedingungen. Mal ist das Ziel ein anderes Land, mal ein anderer Beruf. Die latente Fluchtbereitschaft vieler ließe sich auch koordinieren und politisch verwerten.

    Unterzeichner/Innen verpflichten sich ihren bestehenden Arbeitsvertrag regelrecht zu einem bestimmten Termin (Bsp. 31.12.2015) zu kündigen.
    Begleitet von Website mit Zähler etc., Onlinepetition und weiteren Aktivitäten.
    Sollten die persönliche Arbeitssituation bis dahin gravierende (das weiß dann wohl jede/r selbst am besten) Verbesserungen erfahren haben kann formlos bzw. konkludent (man kündigt halt nicht) von der Selbstverpflichtung zurückgetreten werden.

    Einige erhoffte Wirkungen:
    Pflegekräfte reflektieren und können persönlich geschützt jedoch öffentlich wirksam Position beziehen.
    Die Gefahr von koordinierten zehntausendfachen Kündigungen (wer weiß, vielleicht kann so etwas ja sogar sechstellig werden) kann in Politik und Wirtschaft durchaus Wirkung zeigen.
    Ein weiter in der Zukunft liegender Zeitpunkt gibt Raum zur Gewinnung von Mitzeichnern und der Entfalltung von politischer Wirkung.

    Wie es ist:
    Ständig kündigt irgenwo eine Pflegekraft und eine andere übernimmt die freie Stelle nachdem sie selbst einen anderen Arbeitsplatz verlassen hat.

    Wie es sein könnte:
    Alle kündigen gleichzeitig. Arbeitslosigkeit ist wohl für keine Pflegefachkraft eine ernstliche Sorge.
    Arbeitgebern und Politik bliebe Zeit zu reagieren und die Versorgung Pflegebedürftiger zu sichern. Besonders die Politik braucht leider auch viel Zeit. Das Thema „Pflegenotstand“ gärt nun bereits seit 30 Jahren von einer Belastungsspitze zur nächsten. Allzuviel Bewegung ließ sich noch nicht erkennen. Vielleicht sollten wir mal Kontraktur- oder Dekubitusrisiko erheben.

    Grüße

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