Der Pflegeberuf in Deutschland.

Das Märchen vom Pflegekräftemangel findet großen Anklang. Aber tatsächlich gibt es genug ausgebildete Pfleger/innen, nur wollen und können diese unter solchen Bedingungen nicht mehr arbeiten. 12 Tage am Stück hintereinander Dienste, pflegeaufwendige Patienten, immer mehr durch den Arbeitgeber/Träger geforderte Hotelleistungen, wenig Urlaub, psychische Belastung durch verhaltensauffällige (z.B. bei Demenzkrankheit) Patienten, fehlende Anerkennung durch Vorgesetzte und Gesellschaft, die gesetzlich vorgeschriebene Pause nicht nehmen zu können und somit Flüssigkeitsmangel, schlechte Ernährung (9 Stunden ohne Nahrungsaufnahme keine Ausnahme), Wechselschicht, dadurch verursachter Schlafmangel, bzw. geminderte Schlafqualität, Machtlosigkeit wenn Überlastungsanzeigen ignoriert werden. Versprechen werden nicht gehalten, Überstunden können nur selten abgefeiert werden. Kaum hat man ein paar Tage frei, muss man für kranke Kollegen einspringen. Wenn man selbst krank ist, hat man ein schlechtes Gewissen. Und ein schlechtes Gewissen kommt dem Arbeitgeber immer gut, denn sie spekulieren damit.
 
So rutscht man schnell ins Burnout.
Junge Pflegekräfte mit gerade mal zwei Berufsjahren erleiden Bandscheibenvorfälle, das ist schon lange keine Seltenheit mehr. Patienten mit Gewicht von 150 Kg, die Schwestern als Lastenkran benutzen, erfordern körperliche Überbelastung. Vom sozialen Umfeld wird man ausgeschlossen, wenn man zum wiederholten Mal zum Treffen nicht erscheinen kann, weil man zu kaputt ist und eh schon wieder um 6 Uhr morgens  antreten muss.
Nein, die Dienste am Wochenende sind kein Zuckerschlecken, da das gleiche Klientel zu versorgen ist  mit weniger Personal als wochentags.
 
Vor allem im Krankenhaus Kompensation der fehlenden Kompetenz junger/unerfahrener Assistenzärzte…. Schwestern überwachen die Tätigkeit der Ärzte, ordnen notwendige Blutentnahmen an, kontrollieren die Laborergebnisse oder bessern Medikamente aus… nur das bleibt immer hinter vorgehaltener Hand – so sichern sie dem Patienten die Gesundheit. Dem Arzt gebührt aber immer der Status des Gottes, die Pflege hat ja eh keine Ahnung, eine Gruppe unterbelichteter Hinternwischer.
Zu guter Letzt: stetig sinkendes Gehalt, aufgegebene oder gekündigte Stellen werden nicht nachbesetzt, Stellenstunden „fallen unbemerkt unter den Tisch“.
 
Wer stimmt hier nicht einer fehlenden fundierten
und adäquaten Berufspolitik statt fehlendem Personal zu?
 
Aber schön weiterhin überteuerte Gerätschaften einkaufen, die dann nicht genutzt werden, überbezahlte Oberarztstellen aus dem Nichts erschaffen und ehemalige Chefärzte als Hintergrunddienst einstellen die horrende Gebühren erhalten, wenn sie gerufen werden.  Und die Pflege sieht nur jammernd zu, weil sie keine Lobby hat. Der Geschäftsführer des Hauses lacht.

 
Nein Danke, Pflege hat keine Zukunft!

6 Gedanken zu „Der Pflegeberuf in Deutschland.

  1. Beatrice

    Wenn wir ausreichend Personal haben, wo ist es? Dann müsste es doch ganz viele arbeitslose Pflegekräfte geben? Ernsthaft: Pflege ist der Sektor in Deutschland, in dem es tatsächlich Fachkräftemangel gibt, zumindest in Relation zu dem was in der Pflege quantitativ und qualitativ geleistet werden muss. Auch wegen der Arbeitsbedingungen, die Sie hier schildern. Genau deswegen ist es schwierig motivierten Nachwuchs zu finden und langfristig darf man sich in Deutschland nicht drauf verlassen, dass immer willige Kräfte aus dem Ausland zu uns kommen.

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  2. Guy Hofmann

    Prima – genau so wie beschrieben.
    Die Pflege sieht jammernd zu und verharrt lieber in der Opferrolle, die vertraute Sicherheit in der zugewiesen und angenommenen Rolle bedeutet.
    Allerdings IST die Pflege längst ihre eigene Lobby, sie wehrt sich nur dagegen das anzunehmen und zu leben. Ja, richtig gelesen. Pflege ist längst ihre eigene Lobby, oder brauche ich dazu die Einladung einer Gewerkschaft oder eines Berufsverbandes. – Ja gut, „die“ da oben“ können an den politischen Schrauben drehen.
    Auf der Ebene des täglichen Lebens bin ich Teil einer Lobby. Es ist meine Entscheidung wenn ich zulasse im Frei angerufen zu werden, wenn ich ein unterbezahltes Gehalt akzeptiere und so weiter.
    Ach so, die lieben Kollegen, die einem die Hölle heiss machen. Ja, das ist in der Tat schwierig und alle, die von den (patriarchalen) Strukturen profitieren lehnen sich zurück, weil die Anpassungsmaschinerie von „Abweichlern“ von selber, aus den eigenen Reihen läuft. – Wenn alle so dächten, hätten wir bis heute keine Frauenbewegung, denn es waren immer die Einzelnen, die gesagt und gelebt haben: „ES REICHT! So nicht weiter!“ – Wenn es eine solche Wunsch-Lobby, wie sie als Phantasie rumgeistert, hätten, meint jemand die nähme mich an der Hand, im Alltag, wenn es hart auf hart geht? Will ich Kind bleiben? Oder erwachsen werden! –
    Und wir haben es mit freier Meinungsäusserung und Versammlungsfreiheit und den bestehenden Regelungen am Arbeitsplatz wirklich einfach im Dienst und in unserer Freizeit etwas zu unternehmen.

    Keine Lobby? – Das ist nur eine weitere bequeme Ausrede dafür, im Alltag nicht für sich selber und seine Interessen einzustehen. Stattdessen in der Opferrolle zu verharren, weil sie bequemer ist.

    1x im Monat, 10 Minuten, in der Freizeit, in der nächstgelegenen Stadt. – Das kann jeder! –
    Pflege am Boden kann jeder.
    Wem das nicht gefällt, kann sich über 20 andere Aktionen und Organisationen bundesweit aussuchen.

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    1. Angelika Jobke

      Ich bewundere Ihre Arbeit und Ihr Engagement…..
      aber manche Bemerkungen machen mich sauer- vereinfacht ausgedrückt hat also Pflege selber Schuld an den Bedingungen?

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      1. Guy Hofmann

        Ich ersetze das Wort Schuld durch Verantwortung.
        Am kurzem hat ein Kollege (Examen 1988) bei Facebook die Pflegenot vor 27 Jahren geschildert und den geschichtlichen Verlauf bis heute. Ausführlich. Es gab viel Zustimmung dazu. Und ergänzende Kommentare.
        Wenn aber die breite Mehrheit der Pflegenden damals wie heute weder einer Gewerkschaft noch einem Berufsverband angehören,
        UND sich auch sonst nicht politisch einbringen wollen, noch nicht mal 1x im Monat (selten) für 10 Minuten (kurz) in der Freizeit (kein Patient/ Bewohner kommt zu schaden) in der nächstgelegenen Stadt bei einem Flashmob. –
        Oder wem das Liegen nicht gefällt auch nicht Bei-Stand geben will.
        Oder wem Pflege am Boden gar nicht zusagt, sich auch nicht bei einer der über zwanzig anderen Aktionen (Linkliste unten) bundesweit engagieren will, ist dem dann zu helfen?
        – Eine Kollegin aus Melle formulierte es anders „Jammern, nöhlen, meckern, aber nichts unternehmen und auch nicht teilnehmen.“
        Ein extremer Vergleich:
        Wenn ein Mann seine Frau schlägt, bleibt er schuldig/ verantwortlich dafür.
        Wenn dieselbe Frau sich das aber über Jahre gefallen lässt, ist sie dann nicht mit-verantwortlich für diese Situation.
        Die Politik ist schuldig an/ verantwortllich für die Rahmenbedingungen. Ja.
        Und JA, die Pflege hat im Kollektiv eine Mit-Verantwortung an ihrer Misere, weil eher in den eigenen Reihen gegen Kritiker gemobbt wird, als sich zu Inhalten zu solidarisieren oder einfach passiv geblieben wird.

        Das schmäht nicht die Verdienste all derer, die sich stark engagieren, wie zum Beispiel den Betreiber dieses Blogs, die Pflegeaktivisten um Robert Gruber in München, die KollegInnen in Bremen von Pflege steht auf und andere für Pflege am Limit, und viele andere mehr.
        JEDER kann den für sich passenden Stil finden.
        Daher meine ich, genug gejammert, gemeckert und genöhlt oder weiter in der gewohnten Opferrolle verharren.

        Linkliste (Dr. med. Mabuse Nov. 2014 S. 22)
        http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de
        http://www.bund-der-pflegeversicherten.de
        http://www.pflege-shv.de
        http://www.ig-pflege.at
        http://www.verhungern-im-heim.de
        http://www.menschenwuerde-in-der-altenpflege.de
        http://www.heimmitwirkung.de
        http://www.bi-daheim.de/de
        http://www.wir-pflegen.net
        http://www.armutdurchpflege.de
        http://www.pflege-am-boden.de
        http://www.pflege-steht-auf.de/Start.html
        http://www.ichwillpflege.de
        http://www.anerkennung-pflege.de
        http://www.buendnis-fuer-gute-pflege.de
        http://www.mehr-krankenhauspersonal.de/31
        Petition Altenpflege: http://www.chn.ge/1pHDZze
        http://www.care-macht-mehr.com
        http://www.carecamp.at
        http://www.pflegewiki.de/wiki/BarCamp:Start
        http://www.care-revolution.site36.net
        Projekt „MigrAr“:
        http://www.bit.ly/1vxlZfU; http://www.migrar-ffm.de/
        http://www.respekt-vpod.ch

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    2. Queenie

      Ich sehe mich nicht in der verharrenden Opferrolle, denn ich lese diesen Blog und stifte meine Kollegen zum Nein sagen an. Ich habe die Unterschriftensammlung für die fehlenden Stellen in der Pflege in meinem Haus mit organisiert. Ich bin eine der wenigen die sich interessiert. Die Schwester, die sagt, ich mache meine Arbeit und gehe wieder heim, bin ich nicht. Hier ist nur mein Standpunkt vertreten, wie ich mich in meinem Beruf fühle.

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