Deutsche Krankenhäuser sind doch sicher oder?

Wir hören in den letzten Wochen immer wieder mal was über den Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern. Die Ebola Epidemie hat die Menschen aufmerksam gemacht. Man macht sich plötzlich Sorgen darum, wie gut Infizierte isoliert werden.
Wie überhaupt erstmal festgestellt wird, ob sie infiziert sind.
Und immer wieder hört man von offizieller Seite “alles prima.
Wir haben hervorragend ausgebildetes Personal und entsprechende räumliche und medizinische Voraussetzungen um eine Ansteckung zu verhindern.”
Tja, das sagt die offizielle Seite. Aber jetzt fragt doch mal in Eurem Bekanntenkreis bei den Pflegenden. Sehen die das auch so?
Ist der Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern tatsächlich so toll?
Ich erzähle Euch mal wie ich das sehe aus meinen beruflichen Erfahrungen und vielen Gesprächen mit Kollegen auch aus anderen Häusern. Wenn bei einem Patienten tatsächlich einmal ein Virus festgestellt ist, klappt das für gewöhnlich, naja sagen wie einigermaßen mit dem Infektionsschutz. Je nach Virus werden Kittel getragen, Handschuhe, Mundschutz, Haube. Und zwar von allen die das Zimmer betreten. So sollte es zumindest sein und meistens ist es auch so. Leider gibt es immer wieder Uneinsichtige (sorry liebe Ärzte) vor allem Ärzte in gehobenen Positionen, die wohl denken sie seien eh immun und solange sie dem Patienten nicht die Hand schütteln passiert ja nix. Das die Keime damit ins nächste Zimmer getragen werden muss ich Euch sicher nicht erklären. Das ist logisch.
Aber was ist mit den Menschen, bei denen noch nicht bekannt ist, woran sie erkrankt sind wenn sie in ein Krankenhaus kommen? Immer wieder passiert es, dass wir Patienten aufnehmen mit unklarem Fieber, Husten unklarer Ursache, einer infizierten Wunde. Und diese Patienten werden für gewöhnlich nicht isoliert. Es ist ein ziemlich beschissenes Gefühl, wenn sich nach 2-3 Tagen heraus stellt, dass der Patient den man aufgenommen hat eine TBC (Tuberkulose) hat oder eine Meningitis und man darf erst mal eine Prophylaxe schlucken.
Gut, das kommt tatsächlich nicht so oft vor. Was aber häufiger passiert, ist das bei Patienten nach 2-3 Tagen festgestellt wird, dass sie einen MRSA Keim haben. MRSA werden die meisten von Euch schon mal irgendwo gehört haben. Das ist ein relativ weit verbreiteter Keim, der gegen die meisten Antibiotika resistent ist. Bei einem gesunden Menschen macht der auch erstmal nix, bei einem geschwächten, vorerkrankten Menschen führt dieser Keim zu massiven Problemen, zum Beispiel wenn der sich in die OP Wunde setzt. Ja, das ist ein riesiges Problem. Ein Problem, dass wir bislang noch nicht in den Griff bekommen. Wir schleppen die Keime von einem Zimmer ins andere. Von Patient zu Patient. Weil wir nicht wissen, dass die Leute diesen Keim haben. Händedesinfektionen werden natürlich durchgeführt, reichen aber eben oftmals allein nicht aus.
Wie kann man jetzt damit umgehen? Die Niederländer machen es uns vor. Jede Neuaufnahme gilt zunächst als infektiös, bis die Tests vorliegen. Es werden Schnelltests zum Beispiel auf MRSA durchgeführt. Das heißt, dass auf diese Gefahr das Risiko einer Weiterverbreitung wesentlich geringer ist. Die Zahlen in den Niederlanden sprechen für sich. Warum das in Deutschland noch nicht angewendet wird? Tjoa, ich schätze mal, dass es finanzielle Gründe sind.
Um jetzt den Kreis zu Ebola wieder zu schliessen: Nein, ich sehe das nicht so, dass die Krankenhäuser in Deutschland gut auf eine solche Infektionskrankheit vorbereitet sind. Die Infektionszentren vielleicht. Aber die vielen kleinen Wald- und Wiesenhäuser? Und dann höre ich heute morgen im Radio noch eine Aussage von Ban-ki-Moon, dass es eine Stigmatisierung der Helfer sei, diese für die Dauer der Inkubationszeit zu isolieren. Aha…na klar. Lassen wir sie lieber mit der U-Bahn fahren, im Flieger sitzen, in den Supermarkt. Ich denke, dass die Helfer die dort runter fliegen um zu helfen sich der Gefahr bewusst sind und auch Verständnis für eine Isolierung nach ihrer Rückkehr haben bis die Inkubationszeit vorbei ist.
Mehr Konsequenz im Umgang mit Infektionskrankheiten würde schon so sehr dabei helfen eine Ausbreitung zu verhindern.

Quelle: nanunana249

Ein Gedanke zu „Deutsche Krankenhäuser sind doch sicher oder?

  1. Phelma

    Schnelltests für MRSA gibt es hier doch auch – zumindest in der Klinik, in der ich arbeite. Seit etwa 2 Jahren wird jeder Patient bei Aufnahme einem Schnelltest unterzogen und falls positiv, natürlich auch isoliert. Aber es bringt natürlich nicht viel, wenn sich nur einzelne Kliniken daran halten.

    Und gegen Ebola sind wir bestimmt nicht gerüstet. Ich arbeite zwar in einer Klinik der Maximalversorgung, aber auch da klappt es nicht. Es gibt nicht nur Ärzte, die das Gefühl haben, das sie immun sind, auch bei Pflegepersonal erlebe ich es immer wieder – auch hier sind es gerade ältere Kräfte.

    Ich war übrigens erst letzte Woche bei einer isolierten Patientin im Zimmer und entdeckte dort einen Oberarzt einer anderen Abteilung, der völlig ohne Schutzkleidung im Zimmer stand. Wir haben uns gegenseitig etwas verblüfft gewundert und dann sagte er, ach, das habe ich nicht gewusst.
    Das große Schild an der Zimmertüre hat er einfach ignoriert…

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