Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe #DBfK – Ein Verband der sich überflüssig macht #Pflege

Die Pflege steckt in einer Krise, das wissen wir als Pflegende schon lange aber auch die Öffentlichkeit nimmt immer mehr  Kenntnis von unseren Problemen. Talkshows, Radiosendungen und Zeitungen berichten von Personalmangel, hohen Sterberaten durch Pflegefehler,  Pflegekräften vor dem Burnout usw.. . Die Medien berichten über die Kritik unterschiedlicher Verbände am neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, über einzelne kleine Streiks von Verdi an öffentlichen Krankenhäusern. Sie berichten über die Verfassungsklage von Einzelpersonen und dem  Sozialverband Deutschland gegen den Notstand in der Pflege und ja, sie berichten über Pflege am Boden.

Dann werden auch immer wieder  Pflegedokumentationen veröffentlicht, Berichte über Pflegefehler oder ähnliches in deren Rahmen „Experten“ wie Claus Fussek zu Wort kommen.

Gerade aber Pflege am Boden stürmt die kommunale und regionale Presse, diese erste freie politische Bewegung von Pflegenden in diesem so  unpolitischen Berufsstand bewegt etwas.

Tja, aber all das passiert  ohne den DBfK. Dieser fällt alleine mit den Diskussionen rund um die  Pflegekammer auch in der landesweiten Presse auf. Das Experten des DBfK  als Vertreter des Berufsverbandes in der Presse vor kommen ist ein  Einzelfall. Nun immerhin im Rahmen der Kammer Diskussion findet man unseren Berufsverband hin und wieder als Diskussionsgegner von Verdi  wieder.

 Aber reicht das?

Der DBfK fehlt seit Jahren an allen anderen Stellen, nie finde ich Vertreter des Berufesverbandes bei Anne Will, Kerner, Lanz etc.. Selten bei Monitor, Frontal 21, Akte2014 oder anderen Formaten. Mir fehlen selbst die DBfK Fahnen bei zentralen  Demonstrationen wie z.B. am Landtag Düsseldorf, als 300 Pflegende dort  zu „Pflege am Boden“ ein Zeichen gesetzt haben. Auch bei den anderen  Flashmobs zu Pflege am Boden, fehlte mir ein offizielles Auftreten des  DBfK. Verdi ist da hin und wieder, auf jeden Fall immer dann, wenn potentiell auch Presse da sein könnte. Auf der auch eher mäßig gestalteten Homepage des Verbandes mit seiner schlechten  Navigationsstruktur, fehlt jeder Hinweis auf Pflege am Boden. Auch in  „Die Schwester der Pfleger“ fehlen Berichte, die diese Bewegung die schon ein Jahr das Land durchwühlt ausreichend würdigt oder bewirbt.  Einzelne DBfK Aktive finden sich bei Twitter wieder, die aktiv diese  Bewegung begleiten. Es bleiben in der öffentlichen Wahrnehmung aber  wenige.

Was bringt uns ein Berufsverband, der in zentralen  Fragestellungen der Pflegprobleme öffentlich nicht auftaucht. Der scheinbar so unattraktiv ist, dass selbst in meinem Semester an der Uni Witten Herdecke Anfang 2013 nur 4 von 23 Studenten Mitglied des DBfK  waren. Dies in einem Haus, in dem der Bundesvorstand ebenso vertreten  ist, wie junge Mitglieder des Landesverbandes Nord West. In einem Haus der Wissenschaft, in dem klar kommuniziert wird wie wichtig die Vernetzung über Verbände ist.

Nun die Antwort liegt ein wenig in dem, was ich bereits durch meine Eltern über den DBfK gelernt habe.  „Der DBfK ist ein Fortbildungs- und Laberverein…ein Verband ohne Macht  und Zähne“ das war der Tenor meiner Eltern, meine Mutter, Fachkrankenschwester und MAV aktiv und mein Vater Fachkrankenpfleger und Pflegedienstdirektor.

Dem kann ich mich nun anschließen. Nicht  falsch verstehen, ich halte den DBfK für einen netten kleinen Verband,  der aber praktisch keine Wirkung hat. Es werden tolle Kongresse,  Barcamps und Fortbildungen organisiert. Man gestaltet Lehrpläne für die Ausbildung mit, nimmt Einfluss auf die Erweiterung der akademisierten  Pflege und ja man versucht die  generalisierte Ausbildung durch zu setzen. Im Aktionsprogramm 2020 hat man sich auch tolle Ziele gesetzt,  in denen zusätzlich Dinge auftauchen wie Stimmrecht im Gemeinsamen  Bundesausschuss oder Personalbemessungswerkzeuge.

Nun mit all dem  wird der DBfK aber nicht wahrgenommen, da er immer eher in der dritten  Reihe operiert. Damit wird er dem Ziel und Zweck eines Berufsverbandes nicht gerecht. Denn die Dinge die ganze vorne in der Agenda zu finden sind wie z.B. die generalisierte Ausbildung oder die Akademisierung der  Pflege, interessiert niemanden in der Pflege auf den Stationen. Aber eben diese Menschen sind die Zielgruppe des Verbandes.

Diese Themen verfehlen die Bedürfnisse von potentiellen Mitgliedern von denen man glaubt, für sie sprechen zu dürfen.

 

Von außen betrachtet scheint der DBfK die Taktik zu verfolgen, der stetige Tropfen höhlt den Stein aus. Das sind dann Prozesse die sich über Jahre  ziehen und das ist eindeutig eine Zeitspanne, die für die derzeit  beruflich Pflegenden zu weit gefasst ist.

Die lammfromme Haltung des DBfK zeigt sich z.B. an der Pressemitteilung zum neuen  Pflegebedürftigkeitsgesetz „Ein Schritt in die richtige Richtung“ kann man da lesen. Nun ja andere Verbände haben andere Worte gewählt und  damit auch Aufmerksamkeit in der Presse erregt. Das diese  Pressemitteilung auch leichte Kritik enthält, fällt beim Lesen der  Überschrift wie auch der ersten Absätze kaum auf. Ein schlechter Witz im  Übrigen, wenn man sich das Gesetz durch liest.

Der DBfK hat kein Geschick dafür, öffentlich zu provozieren oder gezielt Themen eskalieren zu lassen. Das ist die Schwäche dieses Verbandes, die ihn in der Tagespolitik, den handelnden Personen und in der Aufmerksamkeit der  beruflichen Pflege unbedeutend macht. Vielleicht ist der DBfK viel zu sehr ein Akademikerverein, in dem viele Themen viel zu wissenschaftlich angegangen werden. In dem aber auch zu viele  finanzielle Abhängigkeiten gegenüber dem Staat, den Arbeitgeberverbänden  wie Diakonie, Caritas, Johanniter, Malteser etc. bestehen, als das man die maßgeblichen Probleme öffentlichkeitswirksam angehen will.  Professoren müssen gegebenenfalls um staatliche Fördermittel bangen,  wissenschaftliche Mitarbeiter um Aufträge von Organisationen wie den  Maltesern oder Johannitern. Nun da ist weniger Provokation verständlicher Weise der bessere Weg.

Ja die Pflegekammern sind berufspolitisch der erste wichtige Schritt seit langer Zeit, die wirklich Signale aussenden. Doch eben diese Kammern werden den DBfK  überflüssig machen. Nicht wenige DBfK Mitarbeiter bestätigen das in persönlichen Gesprächen und äußern klar Gedanken dann hoffentlich dort unterkommen zu können. Auch eine Kammer wird Fortbildungen anbieten,  Kongresse planen und zusammenführen. Der DBfK wird damit langfristig unnötig.

Man hat nicht daran mitgewirkt diesen Berufsstand mündiger zu machen, ihm politische Werkzeuge in die Hand zu legen. Es  wurde nicht gegen den dritten Weg angegangen, der den mehrheitlich kirchlich Angestellten in den Kliniken, Heimen und der ambulanten Pflege die Möglichkeit verweigert, mit Streik und echten Personalvertretungen Dinge nach dem Vorbild der GDL verändern zu können. Zugegeben, hier hat auch Verdi  versagt, aber an der Stelle wohl auch bewusst. Pflege, die komplett  politisch befreit ist, würde eine Gefahr für die Strukturen der  Großgewerkschaft bedeuten.

Zurück zum DBfK, man könnte sagen das ist nicht die Aufgabe eines Berufsverbandes. Nun ich finde schon, gerade das und die effektive Öffentlichkeitsarbeit.

Nicht falsch  verstehen, ich schätze die Arbeit des DBfK die er leistet. Ich halte sie bloß nicht für ausreichend und werfe dem DBfK im Ganzen politisches  Versagen vor.

Über 50.000 abgebaute Stellen in den letzten 10 Jahren und viele andere schreckliche Dinge, sind ohne effektive  Gegenwehr aus den Reihen der Pflege hingenommen worden. In erster Linie aus dem Grund, da sich Pflege nicht wehren kann, bis auf die wenigen öffentlich Angestellten. Der DBfK hätte sich und muss sich in Zukunft  mit allen Mitteln dafür einsetzen Pflege politisch zu befreien.

Wenn  der DBfK überleben will über die Pflegekammern hinweg, wird er sich eine andere Ausrichtung geben müssen. Die Gründung einer eigenständigen Gewerkschaft als Neugründung in Anlehnung des Verbandes oder komplett Umwidmung des bestehenden Verbandes könnte ein Weg sein. Der Ruf nach einer effektiven Pflege Gewerkschaft ist laut in den Reihen der Kolleginnen und Kollegen. Ich vermute aber, dass die Wiederstände im Verband zu groß sind und die eigene, größten Teils öffentliche Bedeutungslosigkeit den Aktiven gar nicht so bewusst ist. Man wird ja eingeladen in die Gesundheitsministerien, man wird nach Meinungen gefragt und hin und wieder wird auch mal eine Idee des Verbandes umgesetzt. Nur nimmt davon keiner Notiz.

Verdi ist aufgefallen mit  seiner Forderung nach Mindestpersonalschlüsseln, die Banner waren im Bundestagswahlkampf bei zig Podiumsdiskussionen zu sehen. Herr Lauterbach, Herr Bahr und andere hochrangige Politiker mussten zu diesen Fragen Stellung nehmen. Die lokalen und regionalen Redaktionen berichteten über sie. Kein Wort vom DBfK, er war nicht da. Nirgendwo in NRW bei wesentlichen Podiumsdiskussionen rund um Gesundheit und Pflege,  war der Verband durch Vertreter oder Fahnen und Banner auffällig in der  Bundestagswahl, das gleiche zur Landtagswahl.

Bleibt der Verband  wie er ist, sollte er den Titel Berufsverband streichen und sich  vielleicht nur noch Bildungsverband Pflege nennen? Sicher provokant, aber ist es falsch.

Wer sich auch nur im Ansatz als politischer  Verband versteht (und das sollte ein Berufsverband), der ist nur dann relevant wenn er öffentlich wahr genommen wird. In meinen Pressetickern die ich über Google und anderen Anbietern pflege, taucht der DBfK aber nicht auf. Der Deutsche Pflegerat ja, Pflege am Boden ja, Verdi ja, der DBfK nein, fast nie. Die Homepage des Verbandes spricht Bände über die schlechte Repräsentation des Verbandes, die geringe Socialmedia Aktivität geht am Zeitgeist vorbei.

Ich halte einen Berufsverband für wichtig, den eingeschlagenen Weg des DBfK aber für falsch. Die niedrigen Mitgliederzahlen, die geringe Beachtung im eigenen Stand und die geringe öffentliche Bedeutung des Verbandes bestätigen das.

Überlegt  Euch das mit der Gewerkschaft und Klagen bis nach Europa gegen das  Streikverbot für viele Angehörige der Pflegeberufe. Denkt darüber nach nicht mehr fein und ruhig zu arbeiten, sondern gezielt mit  Pressemitteilungen, Aktionen oder gesteuerten online Shitstorms Öffentlichkeit zu provozieren.

Die hier vertretenden Aussagen sind  nicht immer voll und ganz meine Überzeugung, dienen aber zu Provokation  damit ihr ein bisschen nachdenkt.

Lasst die Masse der beruflich Pflegenden nicht in ihrem Gefühl zurück  alleine zu sein. Nutzt den Puls der Zeit, der aus sich selbst wachsenden  Politisierung der Pflege. Versteht das politische Macht von  Lobbygruppen ohne prall gefüllte Konten nicht am Schreibtisch liegt,  sondern auf der Straße im offenen Protest, in der Stimmungsmache am  Wähler. Macht was, aber bleibt nicht so.

 Thomas Weijers

 @mcweijers

2 Gedanken zu „Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe #DBfK – Ein Verband der sich überflüssig macht #Pflege

  1. Christian

    Wenn ich deinen Beitrag (wertfrei gemeint!) von den emotionalen Tönen befreie und auf die Fakten reduziere, stimme ich dem allen zu.

    Zu vielen Kritikpunkten nennst du auch Ursachen. Jedoch vergisst du eine sehr wichtige Ursache bzw. einen Gedankenschritt: Pflege ist selbst Schuld daran, dass der Verband so klein ist. Wenn sich dort keiner engangiert und einbringt, kann aus dem auch nichts werden.

    Klar, der Verein besteht zum großteil aus Pflegenden der älteren Generation, weil diese die Zeit dafür haben. Unsere Kollegen auf den Stationen, in Vollzeit, mit Kindern, alleinerziehend, haben dafür verständlicher Weise keinen Nerv.

    Gib bitte nicht dem Verband alleine die Schuld und fordere nur. Was du forderst, kannst du dort auch selbst einbringen.

    Ein konkreter Punkt: Es hört sich bei dir recht negativ an, dass der Verband bei Existenz einer Kammer bedeutungslos würde. Das ist doch genau das Ziel des Verbandes – schon immer gewesen. Wenn die Kammern da sind, brauchen wir den Verband in seiner jetzigen Form nicht mehr. Der Verband (und andere Verbände) werden in den Kammern aufgehen.

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