Deutschlands #Pflege auf Drogen

Es braucht das eine oder andere Mal den Anstoß von unerwarteter Seite, um zu erkennen wie schlecht es sich selbst oder seiner Umgebung geht.

Als beruflich Pflegende ist es dabei aber doch eigentlich unsere Stärke, Entwicklungen zu erkennen und sie beschreiben zu können.

Wir haben in den letzten Wochen zwei Patienten behandelt, die mich aufmerksam gemacht haben auf das, was mit mir und meinem Berufsstand passiert. Der Druck dem wir ausgesetzt sind ist hoch, mit wenig Personal viel Leistung am Patienten erbringen. Fehler vermeiden wenn es denn geht oder akzeptieren, dass wir bei unserer schlechten Personalsituation in Deutschland unsere Patienten oft zwangsläufig schädigen und ihnen nicht helfen. Das auszuführen ist angesichts vieler Blogs wie z.B. Pflegenot nicht notwendig, da zahlreich ausführlich niedergeschrieben.

Was aber macht dieser Druck aus uns?

Das haben mir die beiden eben schon angesprochenen Patienten gezeigt. Beide aus der Pflege, einmal Bulimie mit der Konsequenz der Krebsentwicklung und das andere mal eine schwere Suchterkrankung in der Mischung Alkohol und Tabletten endend in einem Delir und Beatmungspflicht.

Mit beiden konnte ich mich unterhalten über Erwartungsdruck, persönlichen Existenzkampf und Untergang der eigenen Persönlichkeit. In beiden Fällen wurde der berufliche Weg auch zum Weg in den persönlichen Untergang. Wer anderen hilft, dem wird noch lange nicht selbst geholfen.

Mit diesen beiden sehr knapp beschriebenen Lebensverläufen, ging ich in viele Gespräche mit Pflegenden an Stammtischen, im Freundeskreis, an der Universität und am Arbeitsplatz.

Alleine das Thema Schlafstörung hat mich überrascht. Offen wurde darüber gesprochen das natürlich Tavor oder auch häufig eine Zop nötig sein, um das Land der Träume zu erreichen. Einige berichteten, dass dies nicht nur nach Nachtdiensten passiert. Benzos schlucken ist für einige meiner Gesprächspartner zur täglichen Lebensrealität geworden. Dies im Angesicht von 8-13 wechselnden Früh- und Spätdiensten hintereinander, häufigem einspringen und hohem Stress am Bett und Schreibtisch.

Der Griff zu Muntermachern und Stimmungsaufhellern auf der Station, scheint auch normal zu sein. „Was den Depressiven hilft, kann mir doch auch helfen!“ , aber natürlich ohne Rezept vom Hausarzt. „Nee ich nehme keine Tabletten, aber meine drei bis vier Bierchen…“ das war eine andere Antwort, je nach Geschlecht auch durch Wein zu ersetzen.

Deutschlands Pflege auf Drogen… Das ist der Eindruck den ich nach zahlreichen Gesprächen nun habe. Nicht mitgezählt alle die sich nicht geäußert haben.

Natürlich gibt aus auch jene die all dies nicht in ihrem Leben brauchen, es scheinen mir aber vor allem die Teilzeitkräfte zu sein.

Das uns unser Beruf durch die äußeren Stressoren keinen Spaß mehr macht, dass wissen wir auch durch Studien wie der NEXT Studie.

Es ändert sich nur leider nichts, da wir alle in unserem Beruf auf unseren Hintern sitzen und uns nicht wagen uns zu wehren.

Ich bin froh das ich noch gut schlafe, dass mich dieser Beruf nicht zersetzt. Erschreckt bin ich hin und wieder über mich, dass mir der eine oder andere Fehler nichts mehr ausmacht, da ich ihn nur durch spontane Klonung hätte vermeiden können. Aber hey, ich arbeite auch nicht zu 100%.

So bleibt es in vielen Fällen bei sich selbst zersetzenden Pflegenden, die schlechte Pflege- und Gesundheitspolitik und Profitgier von Finanzhaien mit ihrer eigenen Gesundheit bezahlen.

 

(Auch veröffentlicht auf http://thomas-weijers.de/12833.html?entryId=a6224ea67a1426dacde348d9c513a32f )

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