Die Braut wird hübsch gemacht #Pflege

Krankenhäuser werden umorganisiert, zusammengeschlossen, verkauft oder auch geschlossen. Das ist ein täglicher Vorgang in diesem Land. Nun trifft es wohl auch ein kleines Krankenhaus in einem alten Stahlarbeiter Stadtteil im schönen Duisburg, in dem ich eine Zeit meines Lebens gearbeitet habe. Über zehn Geschäftsführer haben dort in den letzten ca. 15 Jahren ihr Glück versucht und erst vor wenigen Wochen ist der letzte abgesetzt worden. Nun, so berichten Mitarbeiter des Hauses, wird die Geschäftsführung aus Berlin und Bonn gestellt.

In dieser Woche wurden die Mitarbeiter zu einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung geladen, wie mir mehrere meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen berichtet haben. Große wirtschaftliche Not scheint zu herrschen, wenn die Berichte so zu treffen sollten.

Berichtet wurde:

– Verzicht auf das Weihnachtsgeld

– Verzicht auf 4% des Lohns in den Altverträgen

– Verzicht auf die Nachzahlung der Lohnerhöhungen bei den TvöD Angestellten

Harter Stoff wie ich finde, vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels und der Auswahl neuer Stellen. Zusätzlich wurde die Angstkeule ausgepackt und angekündigt, dass 20 Vollzeitstellen abgebaut werden müssen.

Nun war die Personalsituation noch nie prickelnd. Als ich 2008 dort meine Tätigkeiten beendete, waren die Stationen bereits knapp besetzt. Nach 2008 wurden sicher bis 2014 weitere Stellen unbekannter Höhe abgebaut. Der Verzicht auf weitere 20 Stellen in 2015 (wenn die Berichte so stimmen), kann nur massive Verluste von Patientensicherheit mit sich ziehen. Stellenabbau geht immer auf Kosten von Patienten, dies beweist unter anderem die Rn4Cast Studie.

In meinen Seminaren zu betriebswirtschaftlichen Vorgängen in Krankenhäusern im Verlauf meines Studiums habe ich gelernt, dass dieser Vorgang auch „Die Braut wird hübsch gemacht“ genannt wird.

Die Opferbereitschaft des Personals wird genutzt um die Personalkosten massiv zu senken. Die Absenkung der Personalkosten durch freiwilligen Verzicht und erzwungenen Stellenabbau, erhöhen die Attraktivität für potentielle Interessenten für einen Kauf. Ja genau, so was macht man wenn man ein Haus verkaufen will.

Die Mitarbeiter müssen sich darüber im klaren sein, ob sie sich auf einen solchen Deal einlassen wollen. Zahlreiche Stellen in anderen Kliniken stehen offen, auch in Pflege WG’s und Heimen stehen offen, man ist nicht darauf angewiesen aktiv auf Lohn und Lebensqualität zu verzichten. Nicht damit danach ein großer Träger, einen möglichst hohen Gewinn beim Verkauf des Krankenhauses kassieren kann.

Nach dem Verkauf eines Krankenhauses werden meistens weitere Stellen abgebaut, es ist also nur der Anfang und nicht das Ende was dort angekündigt wurde.

Edit/Nachtrag:

Ich hatte einen wesentlichen Punkt vergessen, der auf einen Verkauf der Klinik hinweist. Die hinter der Klinik stehende Betreibergesellschaft/Hilfsorganisation, betreibt für ihre Kliniken eigene Tochterfirmen für Servicearbeiten. Die Verträge zwischen zwei dieser Tochterfirmen und meinem ehemaligen Arbeitsort wurden laut mir zu getragenen Berichten gekündigt. So werden in absehbarer Zeit nun keine IT bzw. Abrechnungsleistung, noch Reinigungsarbeiten mehr von den eigenen Tochterfirmen der Trägergesellschaft geleistet. Wenn das so stimmt, werden hier Verbindungen gekappt, die bei einem Verkauf nur stören würden.

Nicht falsch verstehen, ich kann es verstehen das Krankenhäuser verkauft oder zusammengeschlossen werden müssen. Es gibt nur sehr unterschiedliche Wege die gegangen werden können, dieser erscheint sehr grob und mit der Brechstange geplant.

Ich kann Kolleginnen und Kollegen verstehen, die Angst um ihren Job haben und nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben. Ob ihr aus dem Grund aber auf euer Geld verzichten solltet, überlegt es Euch gut. Rationalisiert wird so oder so. Wer jung genug und flexibel genug ist, kann sich umschauen nach neuen Stellen, alleine in meinem Haus werden viele Intensivkräfte aber auch normale Pflegekräfte gesucht.

Glück hat der Arbeitgeber auch da nichts von all dem an die Presse kommt, da so kein öffentlicher Druck und ein möglicher Verlust von Kunden und Image zu befürchten ist.

Ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen in Duisburg viel Glück für die Zukunft, aber auch die Kraft sich nicht nur als aufopfernde Pflege zu verstehen. Es herrscht Fachkräftemangel, Pflegekräfte sind eine knappe Ressource, dass macht Euch auf dem Markt wertvoll. Macht Euch Gedanken darüber, ob ihr Euch für ein Unternehmen das sich auch als Hilfsorganisation versteht, als Vorbereitung für einen möglichen Verkauf so aufopfern wollt. Man kann sich für die Rettung eines Arbeitsplatzes mit einsetzen, ob es sich lohnt oder ob es tatsächlich um die Rettung des Arbeitsplatzes und nicht die Gewinnoptimierung des Unternehmens geht muss man genau prüfen.

Thomas Weijers

 

Edit

Nun finde ich die Geschichte auch in der Presse, aus diesem Grund hier der Link https://www.derwesten.de/staedte/duisburg/johanniter-krankenhaus-in-rheinhausen-auf-sparkurs-id10081018.html

Der Artikel entsprich tzum Beispiel im Punkt der Geschäftsführer nicht ganz der Wahrheit. Die länger gefasste Vergangenheit zeigt, dass das Personal in der Position Geschäftsführer öfter wechselte, als in allen anderen mir bekannten Häusern. Die Johanniter versagen hier meiner Auffassung nach mit ihrem Slogan „Aus Liebe zum Leben“ und beweisen ihren starren betriebswirtschaftlichen Willen.

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