Die erste #Pflegekammer kommt #Pflege

Es ist soweit, die erste Kammergesetzgebung der Pflege, hat alle Hürden genommen und geht der Umsetzung entgegen. In Schleswig Holstein wird es nach einer Umfrage in den Reihen der Pflegenden und einer letzten Abstimmung im Landtag, nun zur Gründung der ersten Pflegekammer kommen. (Hier geht es  zum Artikel)

Ich persönlich freue mich darüber, denn ich halte eine Kammer für eine wichtige Einrichtung, soll sie doch die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen organisieren. Nein nicht als Berufsverband oder Gewerkschaft, also nicht um für faire Löhne zu streiten. Es geht um die Selbstorganisation, die Möglichkeit der Befreiung und Selbstbestimmung. In vielen Bereichen reden Fachfremde über Qualitätskriterien in der Pflege, bestimmen Instrumente mit denen Qualität gemessen werden soll. Sie bestimmen über Form und Art der Ausbildung und prüfen uns in dieser.

Pflege hat ein großes Feld an Kompetenzen und sollte sich bemühen, diese selbst umzusetzen und zu bewerten. Selbst einzelne Ärztekammern begrüßen diesen Schritt da sie erkannt haben, dass hier eigenständige Verwaltung nicht zu einer Konkurrenz, sondern sinnhafter Entlastung und Qualitätssteigerung in der Pflege führen wird.

 

Nachtrag: Es geht darum uns als Pflege den Status eines eigenen Standes zu verleihen. Pflege prüft Pflege und wird nicht im Examen durch die Ärzteschaft gesteuert. Es geht darum, dass Fort- und Weiterentwicklung durch Pflegende gesteuert wird und nicht durch Fachfremde wie Juristen und Ärzte. Es geht um die Weiterentwicklung unserer Studiengänge und derer Inhalte. Es geht darum sich unter seines gleichen zu messen und nicht mit anderen Berufsgruppen, erst dann sind wir ein eigener Stand.(28.01.2014)

Natürlich spreche ich wenn ich über eine Kammer spreche, über eine Pflichtmitgliedschaft. Eine Pflichtmitgliedschaft die zur Folge hat, dass man einen Beitrag von 3-5 Euro pro Monat entrichten muss und zur Erlaubnis der Berufsausübung, ein gewisses Maß an Fortbildung nachweisen muss.

Freiwilligkeit? Es gibt Projekte die bereits seit Jahren versuchen eine Zertifizierung freiwilliger Fortbildung zu etablieren, doch mit mäßigem Erfolg. Auf meiner Station, bin ich einer der wenigen, die sich als freiwillig Registrierter abmühen alle zwei Jahre die Fortbildungspunkte voll zu bekommen.

Fortbildung ist aber zentrales Element um die Qualität der Arbeit am Patienten zu erhöhen und leider bin ich davon überzeugt, dass viele von uns zu träge sind, um sich freiwillig regelmäßig fortzubilden.

Zu träge vielleicht auch aus Faulheit, sicher aber in erster Linie wegen der Überbelastung im Job, dass ist mir durchaus bewusst. Arbeitgeber werden sich im Rahmen einer Fortbildungspflicht Programme ausdenken müssen, um ihren Mitarbeitern Fortbildung zu ermöglichen, wenn sie denn das Personal halten können wollen.

Warum ich über Faulheit schreibe? Nun in den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen, bekomme ich leider viel zu oft die Antwort, dass man Fortbildung für nicht notwendig hält man habe ja vor 20 Jahren sein Examen gemacht. Das entspricht nicht meinem Anspruch, den ich an die hohen fachlichen Ansprüche unserer Arbeit stelle.

Unsere Arbeit ist zu wichtig und an vielen Stellen auch Entscheidend für das Leben anderer Menschen, als das wir sie ohne Fortbildungskontrolle weiter laufen lassen können.

Pflegekammern sind ein wichtiger Schritt der Emanzipation von Pflege, auch wenn sie gewisse unfreiwillige Verpflichtungen mit sich bringen.

Warum Verdi und Arbeitgeberverbände protestieren?

Für Verdi geht es um einen Machtverlust, der eigentlich nicht besteht. Verdi profitiert von der schlecht organisierten Pflege, denn so kann Verdi neben der Aufgabe der Gewerkschaft derzeit viele allgemeine politische Äußerungen und Forderungen im Namen der Pflege aufstellen. Dies obwohl zu bezweifeln ist, dass tatsächlich eine akzeptable Zahl von Pflegenden bei Verdi aktiv ist.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion an der Universität Witten Herdecke, in der Fakultät für Pflegewissenschaften konnte eine Verdi Vertreterin nicht einmal beziffern, wie viele Pflegende in NRW überhaupt Gewerkschaftsmitglied sind, geschweige denn in den Arbeitsgruppen aktiv zeigen.

Es wurde immer nur auf die Gesamtgruppe der im Gesundheitswesen aktiven abgehoben, also inklusive aller Verwaltungsangestellten, Handwerker, Reinigungskräfte, Küchenangestellte etc.. Gefährdet eine gezielte Förderung nur der Pflege doch, dass die Tarifeinheit aller dieser Berufsgruppen im Krankenhaus ins wanken kommen könnte.

Verdi muss sich auch die Frage stellen, warum bisher so wenig gegen den Absturz der Pflege auf die Beine gestellt wurde. Warum der dritte Weg, so ist wie er ist.

Für Verdi scheint eine Kammer eine Bedrohung der gewerkschaftlichen Macht zu sein.

Die Arbeitgeberverbände, oft mit eigenen Homepages die nach Arbeitnehmervertretung aussehen, wissen um die Gefahr der Qualitätssteigerung und den damit verbundenen Kosten.

Ich freue mich über den wichtigen Schritt in Schleswig Holstein, hoffe das Bayern und Rheinland Pfalz nach den erfolgreichen Abstimmungen innerhalb der Pflege nun den selben Weg gehen.

Ich hoffe, dass die Petition pro Pflegekammer in Niedersachsen (https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-die-einrichtung-einer-pflegekammer-in-niedersachsen) , die Politik auf den richtigen Weg bringt.

Wer sich weiter Informieren will www.pflegekammer-jetzt.de

Die Pflegekammern sind eine Möglichkeit, uns an einer Stelle organisatorisch zu einen und ein erster Schritt zur Veränderung der Wahrnehmung der Pflege in der Gesellschaft. Aus dieser verwaltungstechnischen Einigung, lassen sich meiner Auffassung nach viele Kräfte entwickeln, die dann auch für die Gewerkschaften und Berufsverbände für die Berufspolitik unseres Standes wichtig sein werden.

2 Gedanken zu „Die erste #Pflegekammer kommt #Pflege

  1. Chris

    Die Pflegekammer halte ich an sich für eine gute Sache. Professionell organisiert macht das Ganze Sinn.
    Ich wollte zum Punkt der freiwilligen Registrierung beruflich Pflegender noch anmerken, dass ich mir das auch mal angeschaut habe und es nicht machen würde, da der Anbieter meines Erachtens durch reine Profitgier getrieben wird, wenn ich mir die Preise (auch für Fortbildungsanbieter) anschaue – wenn nur Fortbildungen angerechnet werden, die sich statt durch Qualität durch einen Obulus an den Anbieter verrechnen lassen, kann ich das ganze nicht wirklich für seriös halten.

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  2. Jerry Cornelius

    Ich rechne mit keinem reellen Vorteil für mich, wenn berufsspezifische Themen durch Pflegekammern verwaltet werden. Die Kammern werden verwalten. Die für Kammern vorgesehenen Personen wird keiner kennen und über Listen und Seilschaften in die Positionen gehift. Der anfängliche Enthusiasmus wird verebben, die Verwaltungsaufgaben, die Ansprüche der Politik, dass die Pflegekammern Lösungen für die absehbare Pflegekatastrophe finden den letzten Enthusiasten in die Defensive treiben. Am Ende bleibt ein Selbstverwaltungsapparat mit Funktionären, die Ansprüche aller Seiten erfolgreich abwehren, ihre Existenzberechtigung in der evolutionären Weiterentwicklung von Verwaltungsvorschriften und Berufsordnungen sehen und in regelmäßigen Abständen publikumswirksam wegen irgend einem Furz protestieren. Inzwischen sehen noch weniger Pflegepersonen einen Grund sich gewerkschaftlich zu organisieren, die Pflegeverbände sind endgültig zu unwirksamen sich selbst bedeutend wähnenden selbstreferenziellen Zirkeln geworden und die Politik lehnt sich entspannt zurück: Sie hat die Probleme an die Kammern übergeben und wenn die schon keine Lösung finden … bei der Fachexpertise.
    Wenn schon Pflegepersonal sich so wenig in Gewerkschaften organisiert, dass du Zweifel an deren Recht hast, sich überhaupt zu Pflegethemen zu äußern, wie viele Pflegekräfte werden sich dann in einer Pflegekammer engagieren? Deine vielbenannte Faulheit von Pflegern äußert sich meiner Meinung nach überwiegend in einer unzureichenden Selbstfürsorge. Deinen Glauben an die Pflegekammer … idealistische Phantasmagorien, die absolut ok wären, wenn sie nur dich und deine Mitphantasten beträfen. Aber mein Einkommen wird gemindert, in meinem Namen werden dann selbstreferenzielle Seppel reden wollen, die unter Umständen nicht meine Interessen vertreten, sondern die einer idealisierten „Pflege“, die als „unsichtbare Prinzessin“ mariengleich über ihre Schäflein wacht. Pflegerischer Enthusiasmus rettet nicht die alten Knochen wie mich, die nicht mehr beseelt durch Studium, Karriere oder Sonstiges sich aus dem Pflegealltag stehlen können.

    Schöner Artikel, in dem die unsichtbare Prinzessin am Rande vorkommt: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90254984.html
    Auch empfehlenswert:
    http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/gott-im-kopf-wozu/

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