Die Generalistik – Unnötige Reform der #Pflege?

Wir haben es geschafft! Immer deutlicher und öfter wird davon berichtet, dass es uns als beruflich Pflegende extrem schlecht geht. Immer wieder sind unsere Belange in der Presse wieder zu finden, nur ein richtiges Standing haben wir immer noch nicht.

Um das Ansehen der Pflege zu verbessern und dem Druck der EU entgegen zu kommen, plant man eine Reform der Pflegeausbildung. Sie scheint greifbar nah zu sein und doch könnte sie nun scheitern. Scheitern an der Blockade der Union und ich kann das nicht einmal kritisieren.

Die generalistische Ausbildung soll kommen. Altenpflege, Kinderkrankenpflege und die „normale“ Gesundheits- und Krankenpflege, sollen in einer Ausbildung zusammen gefasst werden. Kein Jahr der Spezialisierung mehr, wie wir es im dritten Jahr zwischen der Kinder- und der Erwachsenenpflege kennen.

Nun diese, noch einmal deutlich mehr der Theorie zugewandte Ausbildung, hat viele Unterstützer in den Verbänden der Pflege und nicht zuletzt in den Universitäten. Erhofft man sich doch eine starke Annäherung an die Partnerländer in der EU. Erhofft man sich doch, dass vor allem der Bereich Altenpflege ein besseres Ansehen erlangt. Der Wegfall des Titel Altenpflege, soll ein in der Öffentlichkeit negativ geprägtes Bild unserer Berufswelt verschwinden lassen.

Es mag sein, dass die Generalistik rein wissenschaftlich betrachtet eine sinnvolle Novellierung unserer Berufsausbildungen darstellt. Der Widerstand der Union zeigt nun aber, vielleicht war dieser extrem große Sprung zu weit gefasst und aus diesem Grund zum Scheitern verurteilt. 

Wir sprechen mit der nun anstehenden Novellierung, von der zweiten Gesetzesänderung in knapp zehn Jahren. Das ist reichlich sportlich und schnell. Den Zugang zum Pflegeberuf nun weiter einzuschränken, die Spezialisierung auf einen der drei Hauptbereiche raus zu nehmen und die Hochschulausbildung zu fokussieren ist vielleicht einfach zu viel.

Ein Schritt hätte aus meiner Sicht sein können, die Altenpflege zunächst in die bestehende Struktur der Gesundheits- und Krankenpflege als auch Gesundheits- und Kinderkrankenpflege einzugliedern. Eine gemeinsame Ausbildung über zwei Jahre, mit einem dritten Jahr in dem eine Vertiefung in die Bereiche Kinderklinik, Klinik und Pflege im Alter hätte statt finden können.

Ein sinnvoller kleinschrittiger Ansatz, der bei der konservativen Politik, wie auch bei Arbeitgeberverbänden deutlich weniger Angst ausgelöst hätte. 

Sehr ausführlich wurde untersucht ob die generalistisch ausgebildeten Kräfte, das spezifische Wissen für die Stationen schnell aufholen können. Dies wurde soweit es mir an der Uni Witten vermittelt wurde, positiv bescheinigt. Ja die Schülerinnen und Schüler, können nach ihrem Examen trotz fehlender Spezifikation sehr schnell das für den Bereich nötige Wissen nacharbeiten. 

Dies mag an Modellschulen und Krankenhäusern klappen.

In der Breite teile ich da die Befürchtungen der unterschiedlichen Verbände wie den BPA (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V.), deren Meinung ich tatsächlich nur sehr ungern stärke. Allerdings sind die Mitglieder des BPA mitverantwortlich für meine Sicht der Dinge. Die Pflegedienste, Pflegeheime und Krankenhäuser sind in der Masse strukturell so unterbesetzt, dass bis auf wenige Modellbetriebe, eine sinnvolle Einbindung der generalistisch ausgebildeten Pflegekräfte zum Zwecke der Kompetenz steigernden Einarbeitung nicht möglich sein wird.

Ein Scheitern der Berufsreform Pflege, wird tragische Folgen vor allem für die Altenpflege haben. Kleinere Ziele und die Einbindung der Altenpflege in das jetzt gültige Ausbildungsgesetz der Gesundheits- und Krankenpflege, hätten aus meiner Sicht mehr Sinn gemacht.

Eine realistische Formulierung der Ziele der Pflegeberufsreform, hätte mehr Energie für andere „Schlachtfelder“ der Pflege übrig gelassen. Vielleicht hätten wir dann auch mehr Mut der Verbände erleben können, mit progressiven Protestformen und nicht nur mit Luftballonen und Trillerpfeifen.

Bevor nun eine Reform der Pflegeberufe gänzlich scheitern sollte, ist ja vielleicht doch noch Zeit für den hier angerissenen Plan B.

 

T.Weijers

(Herzlichen Dank an @Nanunana249)

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