Die guten Seiten der Pflege.

Hört jemand, der nichts mit der Pflege am Hut hat, wie wir stets klagen, gewinnt man schnell den Eindruck, wir würden unseren Job nicht gerne machen. Noch schneller bekommen wir dann den Satz: „Du hast es dir ja so ausgesucht!“ zuhören und wir sind nur noch frustrierter. Grundsatzdiskussionen über unsere Aufgaben sollte man besser nicht mit uns führen, denn das gesellschaftliche Bild, was uns dann vorgehalten wird; die urin,- kot,- und erbrochenes- wegwischende Schwester, die nur Kaffee trinkt, Zeitung liest und- wenn man den Ekel ausblendet- stets knapp bekleidet und in High Heels sich um junge, pseudokranke Männer kümmert, macht uns rasend. Wir würden vielleicht schon lange nicht mehr dort arbeiten, wo wir arbeiten, wenn es nicht auch die guten Situationen gäbe. Sie sind rar und sie werden immer weniger. Der Frust steigt, die Luft ist zunehmend raus. Aber noch gibt es sie.

In keinem anderen Beruf, wiegt ein „Danke“ mehr, als im Krankenhaus, im Pflegeheim, im Rettungsdienst, einfach allgemein dort, wo Menschen geholfen wird, denen es schlecht geht. Sei es körperlich oder psychisch. Ich meine nicht das höfliche, anständige Danke, was wir bekommen, wenn wir ’ne Flasche Wasser bringen. (Und auch das wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit und wird höchstens noch abgenickt.) Ich meine den Dank, den man spürt, der einen trifft und dort gut tut, wo wir sonst so vehement versuchen, alles von fernzuhalten. Dankbarkeit vom Herzen, zum Herzen. 

Manchmal sind es Worte, viel Öfters sind es aber Taten, Berührungen oder bloße Mimiken. Es sind vielleicht Karten oder Umarmungen- oder einfach Tränen. 

Wenn man eine Pflegekraft nach den Dingen fragt, die sie an ihrem Beruf stören, wird sie sofort antworten, dass sie gar nicht weiß wo sie anfangen soll. Fragt man sie nach schöne, gute Situationen die sie erlebt hat, dann möchte ich wetten, dass jeder von uns kurz nachdenklich wird. Denn sie passieren nicht oft aber sie passieren. Sind wertvoll. Sie sind das, was uns in der jetzigen Zeit aufrecht hält. 

Es sind die Giselas, die, während man in seinen Geburtstag reinwacht, um 12 aus ihren Zimmern kommen und uns eine Karte überreichen, uns drücken und uns als Mensch, nicht als „irgendjemand“ sehen.

Es sind die Gerdas, die nach einer Woche jeden einzelnen Namen von dem ca. 35- köpfigen Pflegeteam, der gesamten Ärzteschaft, Reinigungsdamen und Servicekräfte können und jeden mit Namen ansprechen, die bettlägerig sind und nach 4 Monaten auf Station, 17 OP’s und diversen Komplikationen immernoch freundlich und einfach nett sind.

Es sind die Maikis, Chrischis und Larsis, die Chorea Huntington haben, in einem Gummibett liegen, nicht mehr laufen, sprechen, essen oder trinken können und düfen, die sich laut Pflegeheim und Kollegen nicht von Frauen versorgen lassen und aggresiv werden- außer bei mir.

Es sind die Laras, die 14 Jahre alt sind und mit denen du über Jungs redest und sie dir zuhören, als wärst du die große Schwester und jedes Wort aufsaugen. Wo du weißt, du beeinflusst dieses Mädchen vielleicht gerade- zum positiven. Die dich bei Entlassung drückt und sagt: „Ich werde dich vermissen!“

Es sind die Eckhards, die selbst nach Entlassung nochmal auf Station zu Besuch kommen, nach dir fragen und einfach wissen wollen, wie es dir geht und ob Opa schon von der Kur zurück ist. Die Erikas, die herzzerreißend aus Dankbarkeit weinen, weil du im Nachtdienst ihren Schlaganfall, Herzinfarkt oder ähnliches erkannt hast und sie nur wegen dir noch leben.

 

Und es sind manchmal auch die Ärzte. Es sind nicht alle schlecht! Es sind die Tims, die einem eine Brofist geben, wenn sie auf Station kommen und am Ende der Visite sagen: „Danke, dass du mitgekommen bist. Hat Spaß gemacht.“ Es sind die Johannas, die einen umarmen, die einen von ’nem verkorksten Flirt erzählen und die sagen: „Du bist ein so herzlicher Mensch, du gehst liebevoll mit den Patienten um und jeder einzelne kann froh sein, dass du ihre Krankenschwester bist.“ und dir somit Tränen in die Augen treiben.

Und in meinem ganz speziellen Fall ist es der Chefarzt, der ärztliche Direktor- der in einer heiklen, familiären Situation hinter mir stand und dessen Menschlichkeit ich es zu verdanken habe, noch immer diese guten Situationen in der Pflege erleben zu dürfen.

 

Image(Die Giselas- ihr erinnert euch? <3)

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