Hygiene in der #Pflege – Oder warum Angst vor #Ebola wir haben doch #MRSA

Jeder einzelne Mensch, der derzeit der Krankheit Ebola zu Opfer fällt ist beklagenswert. Die zögernden Hilfen aus Europa, Asien und Amerika für die betroffenen Länder in Afrika sind beschämend.

Schauen wir mal zu uns hier nach Deutschland. Schon mehrfach haben wir auch hier im Blog darüber Berichte gelesen, wie schlecht die Einhaltung von Hygienerichtlinien erfolgt und das wir jedes Jahr viele tausende Tote zu beklagen haben. Die Hygieneabteilung der Charite Berlin spricht von 4500 vermeidbaren Toten pro Jahr, die wegen Krankenhausinfektionen sterben. Die Bundesregierung geht laut Berichten der Süddeutschen für 2012 von bis zu 15.000 Toten durch Krankenhauskeime aus.
Diese Zahlen sind nicht beruhigend und gefühlt entspannt sich die Lage auch nicht. Aktuelle Studien die den Zusammenhang von fachpflegerischer Besetzung zur Anzahl von Patienten pro Pflegekraft untersuchen zeigen deutlich, dass eine schlechte Personalbesetzung höhere Ansteckungsraten zur Folge hat. Jedes Jahr werden mehr Stellen von examinierten Pflegekräften abgebaut, die Entwicklung wird sich kaum verbessern.
Wir verfügen über keine effektive Kontrolle der Hygiene in den Krankenhäusern. Hygienefachkräfte werden zum Teil unzureichend vorgehalten oder deren Leistungen werden ausgegliedert. So betreuen die Hygieneabteilungen der Universitäten in NRW gleich mehrere Kliniken. Täglich anwesende oder gar kontrollierende Hygienefachkräfte, sind so nicht vorhanden. Ansprechbar ja, aber nur per Telefon…wen man Glück hat eine Sprechstunde pro Woche vor Ort. Ein Vorbild das muss hier gesagt sein, ist das evangelische Krankenhaus Werden. Täglich habe ich hier die Hygienefachkraft auf den Stationen gesehen, so war man als Pflege immer auf eine mögliche Kontrolle vorbereitet und hatte einen stetigen und direkten Ansprechpartner bei kritischen Fragen. Leider aber wohl eine Ausnahme in unserer Kliniklandschaft.
Wovon wird die Hygiene im Krankenhaus negativ beeinflusst? Schlechte Personalbesetzung, sehr schlechte Ausbildung in Sachen Hygiene in der Pflege und bei den Ärzten, schlechte räumliche Gegebenheiten, fehlende ansprechbare Hygienefachkräfte, fehlende Kontrollen, fehlende Strafgelder gegen Pflegende und Ärzte und und und……
Baulich verfügen wir kaum über Intensivstationen die über genug Isolationszimmer verfügen oder einfache Schleusenräume vorweisen können. Von den Normalstationen wollen wir gar nicht sprechen. Türgriffe aus Kupfer um die Keimverbreitung einzuschränken? Ne Fehlanzeige. Keine gestellte Kleidung für Ärzte und Pflicht jeden Tag diese zu wechseln. Arztkittel, der Keimträger Nr.1? Naja man muss ja seine Standeszeichen bewahren.

Herr Gröhe erzählt uns, dass wir uns vor Ebola nicht fürchten müssen. Das wir Spezialbetten zur Verfügung stehen haben und es bundesweit Übungen zum Thema gibt. Sicher ein paar dutzend Spezialbetten haben wir in Deutschland, dass diese nicht schützen zeigen die nun gestorbenen Kolleginnen in den USA. Übungen? Ich habe noch in keiner Klinik in der ich gearbeitet habe Übungen zum Brandschutz oder für Großschadenslagen erlebt und von Pandemieübungen habe ich derzeit auch noch nichts mitbekommen.

Ich glaube, dass wir keine Angst vor Ebola haben müssen. Diese Krankheit wird auch bei uns viele tausend Tote fordern, aber nicht im Ansatz so viele Opfer zur Folge haben wie wir sie durch MRSA und ESBL etc. in den letzten Jahren verzeichnen mussten. Es wird uns nur mehr auffallen da nicht wie sonst die Alten und damit die Stillen in dieser Gesellschaft an den Keimen versterben müssen, sondern auch wir die jüngeren Mitglieder dieser Gesellschaft.

2 Gedanken zu „Hygiene in der #Pflege – Oder warum Angst vor #Ebola wir haben doch #MRSA

  1. Guy Hofmann

    Es ist wie mit anderen aussenpolitischen Themen, die hervorragend als Ablenkung – Nebelkerzen – von den schon seit längerem, schwelend und schleichend bestehenden Problemen ablenken.

    Antworten
  2. Llarian

    Tja, die Hygiene im Krankenhaus… aus Personalmangel werden Arbeiten, die Pfleger oder Schwestern verrichten müßten, wie Bettgestelle, Wände, Böden von Erbrochenem oder Blut (Keimträger!) zu reinigen, unzureichend oder gar nicht ausgebildeten Reinigungskräften überlassen. Da landen dann hochinfektiöse Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten im normalen Abfall.
    Ganz toll die Verhältnisse in einem DRK-Krankenhaus in Schleswig-Holstein: Der Wäscheschrank der Schwestern wurde abgeschlossen. Der Klinikleitung waren die Reinigungskosten zu hoch! Das muß man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Die Schwestern mußten um jeden Kittel bei der Klinikleitung betteln, wenn sie sich vorschriftsgemäß umziehen wollten, nachdem wieder einmal ein Patient sie vollgespien hatte. Die Station verlassen, um genau das zu tun, durften sie aber auch nicht. Catch 22. Und da wundert man sich, wenn Infektionskrankheiten gerade im Krankenhaus munter verbreitet werden?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.