Ich habe sie gehört.

„Ich habe Sie gehört Frau Maier“ rufe ich ins Zimmer
als ich im Vorbeilaufen schnell die Klingel ausmache,
um den Lärmpegel nicht noch weiter ins Unermessliche steigen zu lassen.
„.. ich komme gleich.“ Ob sie den Nachsatz noch gehört hat weiß ich nicht.
Ich bin schon ein Zimmer weiter
um dort nach dem ohrenbetäubend lauten Alarm des Dialysegerätes zu schauen.
Einen Knopf drücken – erst mal Ruhe – dann schauen,
Problem beheben eine Sache von weniger als 30 Sekunden.
Herr Müller schaut mich an, spricht mit stummen Lippen
-verwaschene und nicht ablesbare Worte- wie immer wenn man im Zimmer ist.
Seine Hände versuchen kraftlos und hilflos mit mir zu sprechen.
Er regt sich auf – das Beatmungsgerät gibt Alarm, er atmet zu schnell.
Auch hier verschafft ein Knopf vorübergehend Ruhe.
Ich versuche mich auf Herrn Müller zu konzentrieren, zu erahnen was er möchte.
„Ganz langsam, Herr Müller – nur die wichtigsten Worte bitte!“
Die Heparinspritze ist gleich leer und Antibiose hat er doch auch.
Noch während Herr Müller weiter unverständliches mit den Lippen formt
schaue ich in der Kurve nach. Ja – die Antibiose muss ich vorbereiten.
Zurück zu Herr Müller: „Haben Sie Schmerzen?“, ein vages Kopfschütteln.
„Liegen Sie nicht gut?“ „Nein“.
Draußen klingelt es schon wieder
und ein Kollege hat seine Alarmgrenzen nicht vernünftig eingestellt,
das Beatmungsgerät seines Patienten alarmiert minütlich.
„Brauchen Sie etwas von mir?“ „Nein“.
„Einen Moment Herr Müller, ich hole gerade schnell Medikamente.“

Ich haste aus dem Zimmer – im Vorbeigehen mache ich die Klingel bei Frau Maier aus
„Ich habe Sie gehört Frau Mayer.“
Als ich das Heparin vorbereitet habe, alarmiert das Dialysegerät
schon mit Voralarm das herannahende Ende der Heparinspritze.

Bei Herr Huber ist ein roter Monitoralarm.
Lebensgefahr! Ich haste ins Zimmer…
…er hat nur die EKG-Kabel abgemacht und wedelt damit
– der Monitor zeigt eine vertrikuläre Tachycardie.
Ein Knopfdruck und der Alarm ist aus. Von den Kollegen erscheint keiner.
„Alles ist gut“ brülle ich trotzdem Richtung Tür.
Hätte ja sein können, dass doch jemand helfen will, falls ich Hilfe brauche.
Ich winde Herrn Huber die Kabel aus der Hand
und will die die Elektroden neu auf den Brustkorb kleben.
In der Schublade sind nur noch zwei EKG-Kleber.
Ich fluche und laufe ins Nachbarzimmer um dort einen zu holen.
Und wieder zurück.
Die Kollegin von der Vorschicht hatte keine Zeit aufzufüllen
– vielleicht schaffe ich es irgendwann.

„Ich habe Sie gehört Frau Maier“.
Den Umweg zu Klingel nehme ich nicht, die geht sowieso akustisch unter,
denn das Dialysegerät ist vom Voralarm auf den Hauptalarm umgesprungen.

Herr Huber bekommt seine dritte Elektrode geklebt.
Ich habe wieder ein EKG auf dem Montior.
Als ich ihn wieder richtig zudecken will sehe ich,
dass er Stuhlgang hatte – endlich nach 4 Tagen – leider schon im ganzen Bett verteilt.
Ich denke ihn zu. Ich muss zu Herrn Müller.

Im Vorbeigehen mache ich die Klingel bei Frau Maier aus.
„Ich habe Sie gehört Frau Maier!
Ich muss nur noch schnell ein Medikament anhängen, dann bin ich für Sie da.“

Das Dialysegerät füllt den Raum mit Lärm.
Herr Müller schaut mich an
und formt mit den Lippen schnelle unverständliche Worte.
Ich wechsle die Heparinspritze und halte kurz inne, was wollte ich noch?
Ach ja, die Antibiose.
Das Dialysegerät brüllt schon wieder.
Achso ich habe vergessen wieder zu starten.
Die Antibiose muss warten, ich muss zu Frau Maier.
„Das ist ein Lärm hier, nicht wahr Herr Müller.“
Ein erleichtertes Kopfnicken und die Hände entspannen sich.

„So, da bin ich Frau Maier“.
Frau Maier hat Tränen in den Augen.
Ich habe ein schlechtes Gewissen.
„Ich habe so Schmerzen!“.
„Sie bekommen sofort etwas – ich muss es nur schnell aufziehen“.
Frau Maier bekommt ein Medikament das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.
Es ist in einem speziellen Safe eingeschlossen, zu dem es nur einen Schlüssel gibt.
Ich suche die Schichtleitung. Sie hat die Zimmer am anderen Ende der Station.
Sie ist bei keinem ihrer Patienten. Während ich durch ihre Zimmer gehe,
quittiere ich einen Alarm und stecke einen Sättigungssensor wieder auf einen Finger.
Nebenbei sehe ich, dass das kreislaufstützende Medikament bei einem Patienten fast leer ist. Ich finde die Stationsleitung drei Zimmer weiter,
sie hilft einer Kollegin beim Mobilisieren eines Patienten.
„Ich brauche den BTM-Schlüssel“ sage ich.
„In meiner rechten Tasche,“ sagt die schichtleitende Kollegin.
Sie braucht beide Hände um den Oberkörper des an der Bettkante
sitzenden Patienten zu stabilisieren.
Ich fische den Schlüssel aus der Tasche,
„Du in Zimmer 134 ist das Arterenol gleich leer, hast du schon neues vorbereitet?“
„Oh nein! Hast du Zeit, kannst du das machen bitte?“
Ich habe keine Zeit.
Frau Maier wartet auf ihr Schmerzmittel,
Herr Huber muss dringend frisch gemacht werden,
Herr Müller braucht seine Antibiotika.
„Ja, mach ich schnell, kein Thema!“

Ich hetze zurück in den Medikamentenraum.
Zuerst das kreislaufstützende Medikament,
Überleben geht vor Schmerzlinderung.
Ich habe ein Schlechtes Gewissen,
aber nur zwei Arme, zwei Beine und einen Kopf.

Ich schaffe es an diesem Tag Frau Maier noch ihr Schmerzmittel zu geben.
Ich schaffe es sogar mich zwei Minuten zu ihr zu setzen
und nicht gehetzt auszusehen, irgendwann später im Laufe der Schicht.
Ich finde eine Kollegin, dir mir hilft Herrn Huber zu waschen und frisch zu betten
und ich schaffe es im Vorbeigehen die Elektroden aufzufüllen.
Die Dialyse von Herrn Müller geht zu.
Das ist schlecht für Herrn Müller, aber nachdem das Gerät abgebaut ist,
ist ein Lärmproduzent weniger auf Station.
Die nächste Schicht wird das Gerät neu aufbauen und anschließen.
Herr Müller hat auch seine Antibiose noch erhalten,
etwas 2 Stunden später als er es sollte.
Ich werde das an die Kollegen von der nächsten Schicht weitergeben,
damit sie die nächste Gabe auch ein wenig herauszögern.

Ich hatte noch einen 4. Patienten
und an diesem Nachmittag kamen insgesamt 8 Besucher zu meinen Patienten,
denen die Tür geöffnet werden wollte, die Fragen hatten und Sorgen.
Ich habe 5 mal den Arzt angesprochen, weil die Angehörigen ein Gespräch wünschten.
Und bin fünf mal zurückgelaufen um den Angehörigen zu sagen, dass er gleich kommt.

Ich habe nach 6 Stunden das erste Mal einen Schluck aus meiner Wasserflasche getrunken,
die ich mir extra auf den Tresen gestellt hatte.
Nach 8 Stunden, zum Ende der Schicht werde ich das erste Mal auf Toilette gehen.

„Ich habe Sie gehört“
ist die Konzession an das System, das ein zeitnahe Betreuung
und Bedürfnisbefriedigung von nicht überlebenswichtigen Bedürfnissen
auf unbestimmte Zeit verschiebt.
Auf einen Zeitpunkt in dem die Arbeitsverdichtung es nicht notwendig
macht die Prioritäten ständig zu ändern.

„Ich habe Sie gehört“ ist ein Satz,
den ich mir vor einiger Zeit angewöhnt habe, weil er ehrlich ist.
„Ich habe Sie gehört“ heißt,
ich habe wahrgenommen, ich habe noch im Kopf, dass Sie etwas von mir möchten,
ich bin gewillt ihnen zu helfen.“
„Ich habe Sie gehört“ heißt aber auch:
Ich kann jetzt nicht kommen.
Ich weiß auch noch nicht wann ich kommen kann.

Sollten Sie also mal auf Intensivstation liegen
oder jemanden dort besuchen und diesen Satz hören,
dann wissen Sie, dass es noch dauern kann.

„Ich habe Sie gehört.“

Und wer hört mich? Uns?

37 Gedanken zu „Ich habe sie gehört.

  1. oberschwesterhildegard

    Ich wünsche den Kollegen im Krankenhaus, baldige mindestgrenzen in den Versorgungsverträgen, so wie es in der Altenpflege bereits einige Jahre normal ist. Das macht zwar nicht alles gut (schwarze Schafe gibt es überall) aber es macht das runterschrauben des Personals, zur Gewinnoptimierung, deutlich schwieriger.

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    1. foffi faju

      Was ein Quatsch bringt auch nichts alles schon erlebt 2 Stationen mit je 30-36 pat. Und nur eine exsam. Ein Helfer und ein Schüler ab 13:30 bis 21:00 uhr , dann die sogenannte“ 3 ecks Waschung“ Gesicht, Hände, intim. Das fenkt schon morgens an wen die ersten pat. Am besten schon 4:30 geweckt werden um zu duschen. Ich will garnicht mehr wieder schreiben sonst wrd ich noch saurer es gibt einfach zu viele die den ganzen scheiß mitmachen und auch noch denken das dass richtig ist was sie tun um zu hause zu erzählen was sie heute soooo tolles gemacht haben! Ich bin selbst Pfleger in der intensivpflege in der häuslichen Umgebung und kann von mir sagen das ich nie wieder ein heim zum arbeiten betreten werde!!!!!!! Armes Deutschland und dafür zahlen wir nie pflege versichrung ich geh am Stock und lach mich schlapp gute nacht .

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  2. dertraurige

    Wir kennen das nur zu gut. Die onkologische in Tübingen ist nicht wirklich schlecht besetzt, aber natürlich ist auf einer Station, bei der JEDER Patient einen „Fifi“ mit zumindest einem großen Beutel Kochsalz hinter sich herzieht immer irgend etwas leer. Mittlerweile sind dort tagsüber 3 und nachts 2 Pflegekräfte im Einsatz. Trotzdem gibt es Tage, an denen man die Leute über die Gänge rennen(!) sieht. Wahnsinn! und das in einem Staat, der vor Geld strotzt….

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    1. Jeanskäfer

      …deshalb verlange ich schon seit Jahren eine andere Berechnung der Personalstärke für onkologische Abteilungen. Das ist eben nicht eine ganz normale internistische Station !
      Als ausgebildeter Fachkrankenpfleger für Onkologie und Stationsleiter (FLP) ist es für mich mittlerweile unmöglich die Anforderungen für onkologische Zentren zu erfüllen und meine MA zu motivieren.
      Meine schriftliche Facharbeit zur FLP-Ausbildung war vor 4 jahren „Mitarbeitermotivation in einem onkologischen Team“. Was ich da so geschrieben habe, ist leider fast überhaupt nicht mehr umsetzbar und KollegInnen die in dem, im Pflegestützpunkt ausliegenden Exemplar (wenn dann mal Zeit sein sollte) lesen, sind immer wieder sehr erstaunt, was ihr Chef so eigentlich machen müßte, wenn er könnte.
      Wir haben früher zu dritt 24 onkologische Patienten im Tagdienst betreut. Nun sind 18 gastroenterologische Patienten dazugekommen. Diese 42 Patienten werden nun zu Viert im Tagdienst versorgt. Nachts zu Zweit. WE und Feiertage je 3 MA. Nachts immer zwei.
      Man sollte nicht vergessen, daß eine onkologische Station fast einen IMC-Status hat. Wir hatten neulich am Wochenende sage und schreibe 60 (!) Kurzinfusionen über den Tag verteilt. und dann kommen natürlich noch die Ernährungsinfusionen dazu, die man selbst aufwendig zusammenmixen muß, weil Fertigpräparate im Einkauf zu „teuer“ sind….
      Die Qualität bei der Versorgung onkologischer Patieten hat eindeutig gelitten. Gerade die wichtigen Gespräche mit Patienten und Angehörigen kommen immer weniger zustande. Und wenn man sich die Zeit nimmt, fehlt es wieder woanders. Dabei sind onkologische Patienten sehr feinfühlig und sensibel und bekommen Streß und Hektik auf einer solchen Station immer mit, gerade wenn sie häufiger aufgenommen werden. Trotzdem herscht bei ihnen eine ehrlichere Dankbarkeit, als bei nicht chronisch kranken Patienten. Wir haben beobachtet, daß onkologische Patieten weniger auf der „Klingel hängen“, als „Nicht-onkolgische“.
      Und der 21jährige, der vor 30 Minuten mit „schrecklichen Bauchschmerzen“ als Notfall kam, und sich jetzt meldet, ob ihn mal jemand im Rolli zum Rauchen runterfahren könnte…da klappt einem doch das Skalpell in der Diensthose auf….Gerne würde ich ihm die 85jährige zeigen, die schon seit 5 Jahren wegen ihres Mamma-CA in Behandlung ist, und von Aufnahme zu Aufnahme schlechter wird, aber ihren Wasserkrug auf dem Stationsflur selbst befüllt……

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  3. Sathiya

    Genauso ist es.

    Die Frage „Wer hört uns“ ist genau die richtige.
    Wir müssen sie nur endlich den richtigen Personen stellen, statt uns geschmeichelt zu fühlen, wenn wir all das, was im Post geschidert wurde, nicht nur einmal, sondern jeden Tag schaffen, und dafür einmal ein klitzekleines Lob bekommen (nach dem Motto „ich lobe Sie jetzt mal nicht über die Maßen, weil es doch schließlich selbstverständlich ist, was Sie hier machen“). Klar schaffen wir das (ich auch), wenn es drauf ankommt – aber um welchen Preis? Verrohung? Zynismus? Burnout?

    Gute Nerven und frohes Schaffen!
    Viele Grüße, Sathiya

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  4. wolframcgn

    Man hört ja schon seit Jahren von Mängeln in der Alten- und Krankenbetreuung.

    Und man hört/liest/sieht genauso lange davon. Zwar wenig im Vergleich zu wirklich wichtigen Themen (Dschungelcamp, Politik, bla,…), aber es kommt immer wieder auf.

    Ist dem sich zu recht auskotzenden Personal schon mal in den Sinn gekommen, den Büttel hinzuwerfen statt immer alles doch irgendwie zu machen, obwohl es eigentlich nicht mehr geht? Sind Sie organisiert?

    Ich Frage das deshalb so provozierend, weil mich/uns alle genau die Problematik in der Alten oder/und Krankenpflege früher oder später betrifft. Und ich höre seit Jahren immer das gleiche. Die Politik will sich bald kümmern, die Kliniken machen doch schon alles, die Krankenkassen finden es jetzt nicht soo schlimm etc.,pp. + das Pflegepersonal jammert.

    Ich habe Angst vor schlimm krank/pflegebedürftig werden. Ich bin nämlich nur normal krankenversichert und habe kein Geld für Zusatzversicherungen… Und es passiert… Nichts.

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    1. l.t.m.

      die private Zusatzversicherung bringt bei dem oben beschriebenen Szenario nichts aber auch gar nichts. Auf Intensivstation wird nicht anders oder besser behandelt je nach Versicherung – und für bessere oder mehr Pflege zahlt die private Krankenversicherung sowieso nicht.
      Immer wieder schauen privat Versicherte, die mit dem Hinweis auf ihre private Versicherung meine Zeit einfordern wollen, mich sehr verdutzt an. Ihre private Versicherung bezahlt ein paar andere Therapien oder besondere Diagnostik, sie bezahlt, dass der Chefarzt sie behandelt und täglich vorbeischaut und sie bezahlt im Normalstationsbereich Zimmerwahl und Hotelleistungen – für bessere Pflege oder einen bessern Pflegeschlüssel bezahlt sie nicht.
      Pflege bekommt in Zeiten der Zeitnot der der sie am dringlichsten braucht – nicht der der die privateste Versicherung hat.

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  5. Pingback: Linkstipps der Woche: AOK Krankenhausreport, die Pille danach, angekündigtes Qualitätsinstitut & das Blog Pflegenot | Zukunft Gesundheitswesen

  6. Käte Dehnst

    Wo bleibt da die Menschlichkeit??????? Ich war grade mit einem frischen Herzinfarkt auf der Intensivstation eingeliefert, eine andere Patientin wurde wiederholt reanimiert, 2 Krankenschwestern, irgendwann roch es nach Pizza, die stand am Morgen noch unberührt da. Keine Zeit!!!!!!!!!!!!!! Was ist eigentlich Zeit wenn man schon auf halben Weg in den Himmel ist…………………..

    Antworten
  7. Rosemarie Siebers

    Es ist wirklich eine Schande was das Pflegepersonal heute alles leisten muss,die Menschlichkeit geht dabei drauf.!Aber irgendwann ,das sollten sich die Menschen mal vor Augen halten,die für diese Sparmaßnahmen verantwortlich sind.Auch SIE werden einmal Pflegebedürftig und man bekommt das zurück was man gesät hat!!

    Antworten
  8. Enze

    Ein trauriger jedoch absolut zutreffender Bericht über den Alltag auf einer Intensivstation.
    Und an diesem Tag ist zum Glück noch nichts passiert…der ganz „normale“ Wahnsinn eben!

    Antworten
  9. miri

    Liebe KollegInnen, hört auf zu jammern und ändert endlich was. Hört bitte auf ständig auf eure Kosten zu kompensieren und lasst dieses menschenunwürdige System endlich crashen!!!

    Antworten
    1. Gala

      Genau miri, sehr gut auf dem Punkt gebracht! Wer traut sich aber? Es findet sich immer einer der weiter macht egal was von umstände herrschen.Leider!!!

      Antworten
      1. Kaotica

        Richtig: Leider!!!
        Andererseits ist das leider auch falsch, denn man darf nicht vergessen, dass Menschen zu schaden kommen werden, unter Umständen sterben, wenn das System crasht!
        Ich finde es traurig, dass es nicht nur die Pflegekräfte untergehen, sondern auch immer mehr die Patienten leiden müssen weil keine Zeit ist. Aber die Kassen und diejenigen, die für die Sparmassnahmen verantwortlich sind und sie durchsetzen, sitzen leider am längeren Hebel. Und wenn wirklich ein Patient zu schaden kommt, ändert es an der Situation rein garnichts, ausser dass jemand eine Abmahnung bekommt oder sogar seine Arbeit verliert!
        Und Patienten beschweren sich in der Regel da, wo sie meinen etwas erreichen zu können, also bei den Hausleitungen. Und was machen die Hausleitungen? Den Pflegekräften auf den Stationen den Kopf waschen, weil sich jemand beschwert hat. Jetzt mal ganz im Ernst: Wer ist denn derjenige den es im Endeffekt trifft?
        Wir müssten eigentlich den Patienten raten, sich bei Ministerien, Kranken- und Pflegekassen, Versicherungsanstalten und Geldgebern zu beschweren, dass es zu wenige Pflegekräfte gibt. Und wir müssen uns eine stärkere Lobby schaffen, damit die Politiker uns endlich wahrnehmen.
        Denn die, die die Geldhähne zudrehen, werden zwar auch irgendwann pflegebedürftig, aber die sind sehr gut privat versichert oder haben das nötige Kleingeld, um sich eine fundierte, ausreichende Pflege, die auch Zeit hat, zu KAUFEN!

        Antworten
        1. Exilpfleger

          machen wir s wie in Finnland

          nur ohne Verdi – sorry bin da zwar selbst noch so halb dabei , aber mal ehrlich: das is doch ne abgekarterte Sache, was die mit uns machen — ein bisschen Inflation ausgleichen und das war s dann… wenn die aus meiner Sicht gute Arbeit machen würden, müsste sie so aussehen wie in Finnland : kollektives Kündigen zu nem best, Datum . deutschlandweit. alle, bzw. ne eindeutige Mehrheit zumindest ( ein paar Schäfchen wirds immer geben, die zufrieden sind mit der Situation..)

          wir werden moralisch erpresst. aus rein monetären Gründen. Diese Situation verstößt gegen die Würde des Menschen ( sowohl unsere als auch der uns anvertrauten Patinenten ) und ist daher mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

          Ich selber befind mich grad in Österreich und guck mir da ne Klinik an.. schweren Herzens , aber nach ähnlichen Erlebnissen wie im Artikel geschildert, hab ich meiner eigenen Gesundheit den Vorrang gegeben

          Antworten
  10. hilgers

    10 Jahre ambulante Pflege u .20 Jahre ambl. Fusspflege es ist grausig was aus dem Gesungheitssystem geworden ist ,mir tun meine alten Kollegen leid die heute doppelt so viele Leute pflegen muessen in 8 Std. für viel weniger Geld der Spass an der Arbeit geht verloren man funktioniert nur noch der Pfleger leidet und der Patient auch, unter der zu kurz kommenden Zuwendung ,(keine Zeit für ein kurzes Gespräch)im Gegenteil der Patient bekommt die schlechte Laune ab die sich bei diesen schlechten Verhältnissen aufstaut.wo bleibt die Humanität und Moral,sie bleibt auf der Strecke.Dann holen wir eben Chinese ins Land die arbeiten für noch weniger Geld und machen den Arbeitsmarkt für unsere deutschen Fachkräfte noch schwieriger .Tolle Idee liebe Politiker. Wir haben keinen Pflegemangel,nur keiner möchte für einen Hungerlohn arbeiten,es müssen Familien ernährt werden,aber wem sagen wir das hauptsache deren Taschen sind voll und sind ja Privat versichert…….

    Antworten
  11. Julia

    Danke für diesen ehrlichen Beitrag. Es ist traurig dass auch ich mich in diesen Worten wiederfinde. Es wird Zeit dass sich etwas ändert.

    Antworten
  12. Reisefieber

    Als ich diesen Bericht gelesen habe, kamen mir die Tränen, denn ich war wieder zurückversetzt in meine frühere Tätigkeit als Schwester in einer Dialyseeinrichtung, ich fühlte direkt wieder diesen Druck der mich täglich begleitet hat und das Gefühl mal wieder nicht alles gegeben zu haben um den Patienten einfach anständigt versorgen zu können. Ich habe lange gebraucht um zu begreifen daß es nicht an mir lag, sondern am System.

    Antworten
    1. Neumann

      Leute die dafür verantwortlich sind haben das geld für Privatkliniken in der Schweiz mit privat Schwester eigenem 24h Chefarzt

      Antworten
  13. Silvia

    Nicht nur auf einer Dialysestation gibt es soviel zu tun. In jedem Bereich der Krankenhäuser sind die Leute einfach überlastet. Und wenn man Überlastungsanzeigen schreibt, bekommt man noch ein Verbot vom Pflegedirektor ausgesprochen, dass er soetwas nicht sehen will! Der Personalrat macht auch nichts, die sind sich je ihrem Job sicher. Anrufe dort kann man sich auch sparen, weil man keine adäquaten Antworten bekommt. Ebenenleitungen funktionieren auch nur noch, weil sonst druck von „oben“ kommt. Eine Leitung in der Krankenpflege verdient weitaus weniger als eine Krankenschwester mit Schichten. Stellen werden reduziert und als Antwort bekommt man:“ Da müssen wir jetzt erstmal durch“ Ärzte schwärzen das Pflegepersonal beim vorstand an, weil Herr Müller, Meier, Schulze sich beschwert hat, dass er 10 Minuten warten musste, dass eine Schwester kommt. Es müssen Stellungsnahmen vom Pflegepersonal geschrieben werden und es muss sich „nett“ entschuldigt werden, warum man 10 Minuten später gekommen ist. Dann kommen die Gespräche mit den Vorgesetzten zu den Beschwerden. Als Frage kommt unter anderen: „Können sie ihre Arbeit nicht organisieren? Sind sie überlastet? Dann sollten sie sich einen anderen Beruf suchen!“ Solche oder ähnliche Dinge rasseln zusätzlich noch auf die Pflegekräfte ein. Es ist nicht nur der körperliche Druck, es ist auch der psychische Druck den man kompensieren muss. Ich bin seit 20 Jahren Krankenschwester, aber das was sich in letzter Zeit abspielt geht nicht mehr. wir sind am Rand angekommen :-(

    Antworten
    1. Hanna Van Sanden

      Ich muss dir recht geben. Arbeite auf ner Inneren pulmo/kardio. Haben 32 Betten und man ist alleine in der Nacht. Wir sind dazu verpflichtet jeden Patienten ob wach oder nicht dreimal in der Nacht zu dokumentieren. Dabei warst du nicht bei den Patienten die pflegerisch aufwendig sind. Die Frage die ich mir oft stelle wie bekommst du diese Patienten alleine im Bett positioniert? Gleichzeitig klingelt es für Antibiotika Schmerzmittel oder für nen Toilettengang. Nicht zu vergessen die dementen Patienten mit hinlauftendenz. Zudem haben wir bei uns Heimbeatmungseinstellungen und tracheotomierte absaugpflichtige Patienten. . Ich frage mich jedes mal was passiert wenn es zwei gleichzeitig schlecht geht und dazu noch die anderen klingeln? Kurz gesagt alleine ist das nicht machbar. Wenn du dich wehrst wird dir Unfähigkeit unterstellt. Na besten dank auch..

      Antworten
  14. Regina Rohde

    Ja leider ists schlimm bestellt um unser gesundheitsssystem…. wer oft damit in kontakt ist weiss davon. Man muss angst haben krank zu werden. Und was mich am meisten aergert, dass dir pharmerindustrie in dem staat ne lobby hat. Medikamente teuer, årzte werden in der sprechzeit wåhrend voller wartezimmer aufgesucht. Der patient warten stunden… etc. Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich ko…. můsste. Tom ich denk an dich.. weiss, da wo du bist ist die optimalste pflege am mann… !!!

    Antworten
  15. Marco

    Das ist einer der Gründe, warum ich den Job aufgegeben habe. Lebe nun viel glücklicher ohne Intensiv und Krankenhaus.

    Antworten
    1. oberschwesterhildegard

      Sorry, aber dann wirst du wohl leider Scheiße erlebt haben.
      Mittlerweile siedeln die Krankenschwestern oft freiwillig in die Pflegeheime über, weil es dort menschlicher zugeht, wie in den meisten Krankenhäusern.
      Qualitätsunterschiede von Hop bis Top wird man immer finden.

      Das Thema Pflegeversicherung fange ich besser nicht an zu diskutieren. Leider bedenkst nämlich auch du gerade nicht, dass die Pflegeversicherung immer eine Teilkaskoversicherung war.
      Von einer KFZ Teilkasko verlange ich auch kein neues Auto – da akzeptiert jeder, dass sie nur bestimmte Leistungen erwarten.

      Antworten
      1. l.t.m.

        Der Unterschied zwischen dem Zustand pflegebedürftig zu sein und dem ein Auto zu besitzen besteht darin, dass man ein Auto abschaffen kann – die Pflegebedürftigkeit nicht. Vor diesem Hintergrund hinkt dieser immer wieder zitierte Vergleich der Teilkaskoversicherung gewaltig auf allen Füßen.
        Eine Pflegekraft die zusätzlich noch Kinder zu versorgen hat ist heute nicht in der Lage ein Alterssicherung auf die Beine zu stellen, die sie selbst später für den Fall der Pflegebedürftigkeit dazu in die Lage versetzt diese zu finanzieren.

        Antworten
  16. Klaus-Dieter Dingel

    Früher, wenn man im KH auf Station kam, roch es angenehm nach frischen Kaffee.
    Heute, stinkt es nach völlig überforderten Personal.
    Ich selbst bin 100% Pflegebedürftig, bisher habe ich das unsagbare Glück eine liebe Ehefrau zu haben die mich Tag und Nacht versorgt und pflegt. Mir graut es davor, dass meine Frau einmal selbst nicht mehr kann.
    Ich hoffe nicht, dass ich nun noch Chinesisch lernen muss. Bitte haltet Euern Beruf in Ehren, Faust in die Tasche und durch. Beruf kommt von Berufung. Zeigt den Politikern und den KK die rote Karte. Wer kämpft kann gewinnen, wer nicht kämpft, hat bereits verloren.
    LG Klaus-Dieter Dingel 69 Jahre

    Antworten
  17. KiiB

    Ich kenne solche Sätze wie ‚Ich hab Sie gehört‘, ‚Ich komme gleich‘ etc.. Oft genug gehört und auch selbst gesagt.

    Es gibt aber auch kliniken, wo das gut funktioniert und es keine Probleme gibt.
    Ich arbeite in einer sehr grossen Klinik auf einer chirurgischen ITS. Dort findet eine 1:2-Betreuung statt – immer.
    Ich bekomme jeden Tag meine Arbeit geregelt, aber auch deswegen, weil ich einen Plan habe und meine Arbeit entsprechend organisiere.
    Das hat auch funktioniert, als ich noch auf einer Station gearbeitet habe, wo eine 1:3-Betreuung stattfand.
    Ich musste selten länger bleiben oder Überstunden machen.
    Ich gehe als Teilzeitkraft mit fünfundachtzig Prozent mit fast zweitausend am Ende des Monats nach Hause und bin Anfang dreissig.
    Und ich finde immer die Zeit, einem Patienten über den Kopf zu streicheln oder mit Angehörigen zu sprechen.

    Was will ich mehr?

    Antworten
    1. l.t.m.

      Ich finde es toll, dass es noch Arbeitsplätze gibt, wo das geht – es gibt auch genügend wo das nicht mehr geht. Glückwunsch zum Arbeitgeber – mehr davon.

      Antworten
      1. B.B.H.

        Es gibt einen Fehler im System: die KV…
        Ich habe 25 Jahre in der Intensiv-Pflege gearbeitet, die Arbeitsverdichtung hat mehr und mehr zugenommen
        die Kliniken haben die Gehälter für Pflegepersonal eingefroren oder unter Tarif gezahlt – das haben NICHT die Krankenkassen verursacht…
        WER bekommt mehr Geld, wenn er Privatpatienten betreut – die Pflegekraft ??
        es wurde vor dem DRG-System gewarnt die Politik hat es durchgesetzt; wer hat widersprochen?
        welche Konzerne leiten heute Klinikverbünde? Vertreter von Pharmaindustrie und Medizintechnik…
        Wieviel mehr Oberärzte gibt es in jeder Abteilung ??? Wo sind die KPHs und die ZIVIs, die uns zugearbeitet haben ? Wieviel verdienen ein Radiologe oder ein Nephrologe in einer Klinik ???
        Wieviele PDLs oder Vorstandsmitglieder hat Eure Klinik?
        Wir hatten „früher“ eine Oberin…
        Wer hat eigentlich vor 50 Jahren für die häusliche Pflege gesorgt, wenn man keine Angehörigen hatte ? Niemand… die Nachbarn ? die Gemeindeschwester ? Da ist die Pflegeversicherung doch ein Fortschritt…
        Es ist vieles im Argen in der Pflege ! Wer widerspricht eigentlich Ärzten ??? Politik ?? Warum wird Schichtzulage versteuert ?
        Ich mache heute etwas Anderes…

        Antworten
  18. Pingback: Pflegegeschichten aus dem Alltag - Pflegenot2014 | Pflege - Herr Pfleger

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