Kosten in der Pflege…. Pflegeschlüssel Fakt ist…

Es ist eine Frage der Perspektive.

Es ist natürlich keine Frage, dass Pflegekräfte gerne Pflegeschlüssel wie in Skandinavien hätten.
Was aber kostet das?

Gut gehen wir mal davon aus, in Skandinavien hat man 5 Patienten im Schnitt.
Das bedeutet ich brauche für 100 Betten 20 Krankenschwestern oder Pfleger.
Aber, ich brauche sie 365 Tage im Jahr 24/h pro Tag.
Was heisst das im Klartext?

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel:

Ich brauche ca 5 mal so viele Menschen, um alle Stunden abzudecken.
Das wiederum bedeutet, ich brauche für jeden Patienten 1 Pflegekraft in meinem Betrieb.
Gehen wir mal davon aus, dass mich die Pflegekraft rund 30.000 Euro im Jahr kostet.
Das heist bei ihr kommen rund 2100€ Brutto an. (man beachte das Arbeitgeberbrutto nicht das gleiche ist wie Arbeitnehmerbrutto)
Dann kostet mich das im Jahr 100×30.000 Euro sprich ich habe 3 Millionen Euro Lohnkosten.

Wenn man in Deutschland davon ausgeht, dass eine Pflegkraft 10 Patienten betreut, können wir leicht ausrechnen was uns das dann kostet. Nämlich 1,5 Millionen Euro pro 100 Patienten.

Pro Person im Pflegeschlüssel sinkt der Gewinn um 5 x 30.000 Euro im Jahr, also um 150.000 Euro. Oder anders gesagt, jede fehlende Stelle im Schlüssel ist richtig dickes Geld!

Jetzt versuche ich das mal in Relation zu setzen.
Gehen wir mal davon aus, dass ich 2700 Euro im Monat pro Patient erhalte durch Pflegekasse und Eigenanteil (Quelle der Zahl sind verschiedene Statistiken im Internet)

Wenn ich also in einem Pflegeheim mit 100 Bewohnern pro Pflegekraft nur 5 Patienten haben will kostet mich das 3 Millionen Euro bei 3,24 Millionen Einnahmen, wer bezahlt dann Küche Verwaltung usw?
Das ist von 240.000 Euro nicht drin.
Weil alleine 90% meiner Einnahmen durch Lohnkosten aufgefressen werden.
Ich müsste also 1,5 Milionen pro Jahr auf die Pflegekosten aufschlagen.
Das wären dann 4,74 Millionen, die ich bräuchte.

Damit bräuchte ich, um wie bisher zu arbeiten und zu verdienen, 3950 Euro im Schnitt pro Platz.
Also grob 46% mehr.

Das versuchen sie mal jemandem zu verkaufen!

Besonders, wenn der Anteil der Pflegekasse gleich bleibt.

Was nun,…

Die Politik müsste nun erklären, dass die Zuzahlungsbeträge um 1250 Euro steigen müssten.
Aber, und ich denke da liegt der Hase im Pfeffer, kaum jemand kann sich das auf Dauer leisten, somit würde es früher oder später an die Sozialhilfeträger gehen, diesen Betrag zu stemmen.

Denn alleine für die im Heim untergebrachten (Stand 2011) wäre eine Kostensteigerung um 900.000 Millionen Euro zu erwarten. Von knapp 2 Milliarden Euro auf gute 2,9 Milliarden Euro.

Das ist die Wahrheit, die hinter der Zahlenjonglage steckt.

Pflege frisst in Zukunft Vermögen und Steuern.

„Sie möchten adäquat gepflegt werden? Kein Problem, aber dann werden Sie vermutlich am Ende ihres Lebens pleite sein und ihre Kinder, wenn sie denn welche haben, dürfen auch noch was mit reinbuttern.“

Aber das will natürlich keiner artikulieren, denn das kostet die Politik Wählerstimmen!

Wir fahren mit 180 auf die Wand zu und gucken in den Rückspiegel und freuen uns, dass wir so schnell weiterkommen.

Quelle: Garcon de Piss

8 Gedanken zu „Kosten in der Pflege…. Pflegeschlüssel Fakt ist…

  1. Lasixlutscher

    Irgendwie schaffen die in Skandinavien das doch auch .. und nicht nur da.. wir sind in Europa Schlusslicht !!! , was das Verhältnis Patient – Pflegekraft angeht und dazu – in der EU das reichste Land . Wie geht das zusammen ?!

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  2. Guy Hofmann

    Danke. Schöne Rechnung Garcon de Piss.
    Die Rechnung stimmt natürlich – mathematisch gesehen. Wir wissen beide, dass das wirkliche Leben wesentlich komplexer ist.
    Nur EIN Argument von vielen möglichen Argumenten, warum deine Beispielrechnung nicht so schlimm ausfallen wird. – Laut einem ARD-Bericht vom 05.02.2014 (plusminus) betragen die jährlichen Kosten für die chirurgische Versorgung von Druckgeschwüren (also Grad 3 und 4) 2,5 Milliarden Euro.
    Zugrundelegend, dass Wundliegen fast ausschliesslich ein Pflegefehler ist (Dekubitusrisiko erkennen und richtig vorbeugen) rechne mal aus, wieviele Stellen das gäbe.
    Bei 60.000 Euro/Jahr pro Stelle (incl. AG-Anteil) wären das schon über 40.000 Stellen.
    Dann würde noch das Personal freigesetzt, das ja nun nicht mehr für die plastische Chirurgie benötigt wird. (Natürlich geht das nur auf dem Papier oder in der Vorstellung so glatt.)
    Der Mehraufwand für Beeinträchtigung von Patienten durch mehrfache Verlegung der entsteht aber wirtschaftlich nicht zu fassen ist entfällt ebenfalls. (Demenz hausgemacht durch kurzzeitige Verlegungen – ich kenne einen Fall persönlich, da wurde in wenigen Wochen VIER Mal zwischen Heim und Krankenhaus verlegt).

    Man kann weitere solche Beispiele finden und durcharbeiten. Dann müssen die Mehrkosten, die trotzdem und ERHEBLICH sein werden nicht ganz so hoch ausfallen.
    Völlig d’accord: wir fahren mit 180km/h an die Wand und freuen uns …
    (Das Video ist in der Mediathek leider depubliziert.)

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  3. Dirk Völler

    Schweden hat mit 9,5 % Anteil BIP geringere Gesundheitskosten als Deutschland 10,4 % und steht im WHO Output – Ranking auf Platz 4, Deutschland auf Rang 14. Wie machen die das nur bei so teurer Pflege?
    Lieben Gruß

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  4. Dirk Völler

    Schweden hat mit 9,4 % Anteil BIP geringere Gesundheitskosten als Deutschland und steht im WHO Output Ranking auf Platz 4, Deutschland auf Platz 14. Wie machen die das nur mit so teurer Pflege?
    Lieben Gruß

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    1. Maren Stefani

      Ganz Skandinavien finanziert sein Sozialsystem – zu dem ja auch die Pflege gehört – über die Mehrwertsteuer – und es funktioniert, wie wir sehen…

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  5. Dirk Völler

    Ich kann mich den Antworten nur anschließen. Ist es nicht eigentlich ganz geschickt von der Politik gewesen, die Pflegeversicherung von der Krankenversicherung zu trennen, so dass der Kostendruck durch den demographischen Wandel privatisiert wurde? Die Einzigen, die jetzt diesen Kostendruck durch hohe Eigenanteile voll zu spüren bekommen, sind diejenigen, die es am meisten nötig haben. Die Pflegebedürftigen, deren Angehörige und die Pflegenden. Sie müssen das ausbaden, während sich die gut organisierten Lobbysegmente kräftig überdurchschnittlich am System bedienen und sich dabei jegweder Ergebnistransparenz entziehen. Auch hier hat sich die Pflege wie kein anderer im Gesundheitswesen durch sogenannte Pflegetransparenznoten hervorgetan. Und hat es genützt?
    Wie pervers ist das denn?
    Schweden hat mit 9,4 % Anteil BIP geringere Gesundheitskosten als Deutschland und steht im WHO Output Ranking auf Platz 4, Deutschland mit 10.4 % Anteil BIP auf Platz 14. Wie machen die das nur mit so teurer Pflege?
    Gute Pflege spart Geld und erhöht gleichzeitig die Qualität der Gesundheitsversorgung!!!
    Wir müssen mit diesen Fakten raus und aufhören, die Probleme in der Pflege isoliert zu betrachten.

    Lieben Gruß

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    1. maren stefani

      Skandinavien finanziert sein Sozialsystem über die Mehrwertsteuer! Und es funktioniert, wie wir sehen. Lieber Gruß.

      Antworten

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