Krankenhaus oder Das Hotel zur weißen Haube.

Wenn du diesen Blog regelmäßig verfolgst oder auch nur einige Beiträge überflogen hast, wirst du vielleicht von „immer höheren Ansprüchen“ gelesen haben. Du hast es gelesen und dir vielleicht gar nichts weiter dabei gedacht, weil es nicht die Quintessenz des Textes war. Oder du hast es gelesen und vielleicht genau gewusst, was mit „immer höheren Ansprüchen“ gemeint war, weil du selber im Gesundheitswesen arbeitest. Im Rettungsdienst, im Pflegeheim, im Krankenhaus oder in einer Arztpraxis. Wenn der letztere Fall zutrifft: Schön, dass es dich gibt. Du bist nicht alleine. Halte durch und sei laut!

Wenn du mit Pflege nichts zutun hast: Schön, dass es dich noch gibt. Noch bist du nicht alleine. Noch bist du nicht auf Pflege angewiesen. Noch.

Zurück zu den Ansprüchen: Vielleicht fragst du dich, was Menschen für Ansprüche haben können, wenn sie ins Krankenhaus kommen. Ihnen geht es schlecht und sie wollen nichts, außer Hilfe. Nichts, außer gesund werden. Nichts außer Schmerzfreiheit, besser Luft bekommen oder einfach so leben zu können, wie vorher. Wenn du mal ins Krankenhaus kommst, kann ich dir an dieser Stelle schon versprechen: Wir tun, was wir können. Wir sind bemüht! Wir arbeiten mit verschiedenen Berufsgruppen zusammen um dich so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu bekommen, aber wir können keine medizinischen oder pflegerischen Wunder vollbringen. Einiges brauch seine Zeit und niemand von uns wird dich einfach vergessen, während du auf unsere Hilfe angewiesen bist.

Und das ist schon der springende Punkt. Wir helfen dir, wenn du Hilfe brauchst. Oft sehen wir, in welchen Punkten du Unterstützung benötigst, aber vielleicht musst du uns auch mal fragen. Das ist okay und wird dir niemand übel nehmen- dafür sind wir ja auch da.

Wenn du dich vorher Zuhause selbstständig versorgt hast und dann (geplant) ins Krankenhaus kommst um ein künstliches Hüftgelenk zu erhalten, dann gehe ich davon aus, dass du dein Brötchen selber aufschneiden kannst. Wenn du mir dann befielst, dass ich es dir aufschneiden soll, werde ich das natürlich gerne machen, aber ich werde dich fragen, wer das Zuhause macht. Daraufhin einen Heulkrampf- gepaart mit der Behauptung, ich sei frech und unfreundlich- zu bekommen, hilft uns beiden nicht weiter und frustriert mich vermutlich mehr als dich. (Warum wirst du gleich lesen.) Aber es ist folgendermaßen: Du wurdest an der Hüfte operiert, nicht an den Händen.

Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ich pflege Menschen gesund, nicht krank. Dies ist auch der ausschlaggebende Punkt, wieso es nicht mehr „Krankenschwester“ heißt. Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Gesundheit. Ich arbeite ressourcenerhaltend- und fördernd. Ich stelle fest, was du kannst und lass es dich selber machen; weil du es auch weiterhin können sollst und weil du es Zuhause auch alleine machen musst.

Du kannst derzeit, wegen der neuen Hüfte, noch nicht laufen. Aber ich (und andere) helfe dir dabei, dass wieder zu lernen. Ich schneide dir das Brötchen nicht auf. Auch, und dass muss ich zugeben, weil ich nicht die Zeit habe jedem einzelnen meiner Patienten jegliche Aufgabe abzunehmen, wenn sie es doch eigentlich selber können. (Ja, ich weiß. Es dauert dann länger und ist anstrengender, aber- und dass ist auch der Punkt, warum die oben erwähnten Behauptungen sehr frustrierend sind:)

Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin in einer Zeit, in der das nicht mehr viele sein wollen. Ich stehe an deinem Bett und helfe dir, obwohl ich ausgebrannt bin. Ausgebrannt, weil noch 25 andere Patienten meine Hilfe brauchen und niemand ihnen helfen kann, außer ich. Ihnen kann niemand helfen, weil niemand da ist, der ihnen unter den schlechten Arbeitsbedingungen und der unangemessenen Bezahlung helfen WILL. Niemand will die Verantwortung für dich übernehmen, wenn du es nicht mehr kannst. Außer ich. Also bitte behandel mich nicht wie dein Dienstmädchen. Sprich nicht zu mir, als wäre ich ein dummer Mensch. Sei nicht arrogant und von oben herab. Beschimpfe oder beleidige mich nicht, wenn ich die Einzige bin, die es gut mit dir meint. 

Wenn du diesen Blog regelmäßig liest oder auch nur einige Beiträge überflogen hast, wirst du wissen, dass, wenn es soweit ist, du nicht der einzige Patient bist, um den wir uns kümmern müssen. Aber noch bist du ja nicht alleine. Noch bist du nicht auf Pflege angewiesen. Noch.

Ein Gedanke zu „Krankenhaus oder Das Hotel zur weißen Haube.

  1. Moon

    Das traurige ist doch eigentlich eher, dass diese, die diesen Text zum lesen brauchen ganz sicher nicht diesen Blog lesen würden. Ich arbeite nicht in der Pflege, aber ich lese still und heimlich mit und bin erschrocken über die Zustände, die beschrieben werden.
    Das Problem ist: solche Menschen, wie hier beschrieben machen das erfahrungsgemäß eher nicht. Es ist eine Andere Sichtweise, die ich selbst nie nachvollziehen könnte, die einen Menschen dazu treibt auf solch herablassende Art auf andere herab zu blicken. Traurig.

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