Leasing/ Zeitarbeit

In der Wirtschaft oft abgekanzelt als unterbezahlt und per se „arme Würstchen“.
In der Pflege sieht das etwas anders aus:
man bekommt – je nach Wissensstand und Einsetzbarkeit / Flexibilität- mehr Geld,
als die fest angestellten Kollegen, man kann sich aus Stationsklüngel heraushalten,
wenn Dienstende ist, ist Dienstende, denn mehr wird nicht bezahlt,
Urlaube sind gut planbar und nicht wegen Ferien etc. limitiert,
die Fachrichtungen sind flexibel, man sieht viel und während man dies so liest,
ist man auch gleich bei den Nachteilen angekommen
und hat es nicht einmal bemerkt!
Man sieht viele verschiedenen Häuser und lernt viele Fachrichtungen kennen,
aber man wird nicht eingearbeitet : Du bist als Leasingkraft da, das heißt,
Du ersetzt eine fehlende Fachkraft, also wirst Du wie diese behandelt.
Wenn es gut läuft, zeigt man Dir kurz noch die Station,
ansonsten heißt es learning by doing, such Dir selbst alles zusammen.
Das kann selbst auf 2 verschiedenen Stationen eines Hauses
schon zum Problem werden und so verschwendest Du viel Zeit
mit Suchen und Fragen, Fragen an das Stammpersonal, das ja selbst viel zu tun hat,
ansonsten wäre ja keine Leasingkraft bestellt worden.
Wo ist der OP, wie komme ich in den Fahrstuhl, wo sind die Formulare und überhaupt : wie wird hier was dokumentiert?
Natürlich gibt es Leasingpersonal, dass längere Zeit eingesetzt wird und irgendwann als Mitarbeiter akzeptiert wird,
aber oft genug gilt in dieser Berufsform das Lied von Hannes Wader
„Heute hier, morgen dort…“
Auch ich habe schon als Leasingkraft gearbeitet und habe es,
auch wenn ich mir den Dienstplan selbst gestalten konnte,
als sehr anstrengend empfunden, wenn man nie weiß, wo man hinkommt.
Kliniken sind in dieser Hinsicht übrigens noch etwas erträglicher als Pflegeheime.
Es gibt Pflegeheime, die haben 4 Seiten Dienstplan ausschließlich
mit Leasingpersonal, weil keiner länger dort arbeiten möchte
und jede Zeile für einen Mitarbeiter ist, der dann 1 oder 2x im Monat dort erscheint.
Im ersten Heim, wo ich arbeiten sollte zeigte mir die zuständige examinierte Fachkraft
den Schrank mit den Medikamenten und gab mir den Schlüssel dafür,
dann war sie weg und ich hatte 3 Etagen Heimbewohner zu versorgen,
die ich noch nie gesehen hatte und noch schlimmer: sie mich auch nicht.
Heimbewohner tun sich schwer damit, sich an neue Gesichter zu gewöhnen
und bald hatte ich raus, dass ich mindestens 3 Tage bleiben musste,
damit ich mit ihnen arbeiten konnte und ich war heilfroh, dass ich versierte Pflegehelfer an meiner Seite hatte,
die mir auch mal die Namen und die Eigenheiten der Bewohner nahebringen konnten.
Fakt ist, was Leasingeinsatz angeht, ob im Heim oder im Krankenhaus :
es ist zu viel und das bringt enorme Qualitätsverluste und Vertrauensverlust
bei den uns anvertrauten Menschen ebenso wie bei deren Angehörigen.
Wenn heute einer „hü“ sagt und morgen einer „hott“ und beide dazu erklären,
dass sie ja eigentlich gar nicht hier arbeiten zerstört das jedwede Profession.
Es kann kein Verlauf ordentlich beobachtet werden,
Vigilanzänderungen oder auch mögliche Verbesserungen gehen unter,
es gibt keine Vertrauensbasis, auf der man aufbauen kann.
Es kann auch nicht sein, dass komplette Stationen nur mit „nicht fest angestelltem Personal“ betrieben werden
weil die Dollarzeichen in den Augen glitzern, im Jahr 2014, heute!
Morgen kommt wieder eine Leasingkraft zum Dienst,
dann kann ich wieder 30 Minuten früher anfangen, die Station zeigen, wichtigste Telefonnummern sagen,
fragen, ob sie unser Fachgebiet schon kennt, ansonsten erklären, was zu tun ist…
Ich hätte lieber neue Kollegen denen ich das erkläre,
nur einmal, weil sie dann bleiben und langfristig als erfahrene Kollegen die Qualität stabilisieren und steigern!

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