Leiharbeiter/Zeitarbeiter/Teilzeit.

Gott sei Dank,
oder wem muss man danken?
Es lebe die Teilzeit und der Leiharbeiter!
Seit Jahren besteht die Pflege zu geschätzten bis zu 4% aus Pflegemenschen von Leihfirmen.
In Krankenhäusern leistet man sich den Luxus wenigstens ausgebildetes Fachpersonal auszuleihen.
„Das Pflegepersonal ist mittlerweile so knapp, dass alle festen Mitarbeiter voll gebraucht werden“, sagt Sydow. „Sobald eine Pflegekraft ausfällt, gibt es Probleme. Die anderen schaffen es nicht, ihre Arbeit mit zu übernehmen.“
Das Personal wird zur Bewältigung von Urlaubszeiten geordert oder um Spitzenzeiten abzudecken. Meist handelt es sich um flexible Tageseinsätze, weniger um längerfristige Tätigkeiten. Lohndumping im Altenheim -Zeitarbeit boomt in der Pflege.

Daten zur atypischen Beschäftigung in Pflegeheimen
Teilzeitbeschäftigung

-Entwicklung 1999-2009

  • Pflegepersonal insgesamt: +45,5%
  • Teilzeitbeschäftigte Pflegekräfte insgesamt: +80,2%
  • Altenpflegerinnen: +163,7%
  • Altenpflegehelferinnen: +237,1% (!)

-Anteil der Teilzeitbeschäftigten in Pflegeberufen

  • 1999: 43,9%
  • 2009: 54,5%

Ursachen der Zunahme atypischer Beschäftigung
• Die Ausweitung erfolgt vor allem mit dem Ziel der Kostenreduzierung
• Umwandlung von Vollzeitstellen in Teilzeitstellen erhöht die Flexibilität des Personaleinsatzes
• Umwandlung unbefristeter in befristete Arbeitsverhältnisse ist geeignet, die Entwicklung der Personalkosten der Auslastung und Erlösentwicklung anzupassen
– Wiederbesetzungssperren, Stellen zeitweise unbesetzt lassen etc.
– Krankenhaus: Pflege-Förderprogramm befristet auf die Jahre 2009-2011
•Die Reduzierung der persönlichen Arbeitszeit erfolgt zunehmend auf Wunsch von Beschäftigten zum Schutz ihrer Gesundheit
– „Ich schaffe es nicht mehr Vollzeit“

Bedeutung für die Zukunft

    • Die Ausweitung atypischer Beschäftigung
      – Erhöht das Risiko der Altersarmut für Pflege
      • Verschärfend kommt hinzu, dass ein zunehmender Teil der Pflegekräfte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bis zur gesetzlichen Altersgrenze in der Pflege tätig sein kann (steigender Anteil von Frühverrentungen)
      – schädigt das Ansehen und die Attraktivität der Pflegeberufe
      • Verschlechtert die Chancen der Pflegeberufe im zukünftigen Wettbewerb um qualifizierte Schulabgänger/innen
      – erhöht die Zahl der ‚Schnittstellen‘ in der Versorgung und dadurch das Risiko von Fehlern in der Informationsweitergabe
      • mehr Teilzeitbeschäftige = häufigerer Wechsel des Pflegepersonals
      – erhöht das Risiko einer schleichenden Deprofessionalisierung
      • schleichender Verlust von Berufserfahrung und Fachwissen

Fazit

•Die Ausweitung atypischer Beschäftigung ist mit erheblichen Risiken für Pflegekräfte, den
Pflegeberuf und vor allem auch die Versorgungsqualität verbunden
•Eine durchgreifende Verbesserung erfordert politische Interventionen, vor allem zur Reduzierung des wirtschaftlichen Drucks auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Quelle: Vortrag Prof. Dr. Michael Simon, Hochschule Hannover, 25.09.2014

…aber Gott sei Dank haben die Chefs ja Ausweichmöglichkeiten, den Stationsablauf ÜBERHAUPT noch zu gestalten.
Wenn sich da der Demente eh nicht mehr in Sicherheit wiegen kann,
weil das Personal ständig wechselt und dazu auch noch gar nicht ausgebildet ist,
da Hinz und Künzin aus der Leiharbeitsfirma grad schnell weg vom Fließband, vom Frisörtisch, vom Lagerregal, vom Schreibtisch geholt und im Heim als Notnagel eingesetzt wird,
brauchts auch bald keine Debatte mehr wie qualifiziert das Pflegepersonal in Heimen
ÜBERHAUPT sein muss.

Denn Pflegen kann ja jeder!
Und das auf jeden Fall hauptsächlich mit Herz!

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