Lieber nicht ‚in Würde alt werden‘.

Es bohrt etwas in mir das ich mir jetzt einfach mal von der Seele schreiben muss.
Meine Oma ist 86 hatte im Laufe von ca. 15 Jahren drei schwere Schlaganfälle und gehört zur Pflegestufe III – (Schwerstpflegebedürftigkeit).
Bis Mitte letzten Jahres pflegte und kümmerte sich mein Opa um seine Frau,
was aber aufgrund seines Alters (mittlerweile ist er 90) einfach nicht mehr möglich ist.

Also reift irgendwann schweren Herzen der Entschluss,
Oma in ein Pflegeheim zu geben.
Es wurde nach einem bezahlbaren Heim in der näheren Umgebung gesucht
– bezahlbar insofern,
da es bei Pflegestufe 3, zu dem höchsten Satz bei der Zuzahlung kommt
und selbst bei einem „günstigen“ Heim, so Kosten von ca 1100€ im Monat entstehen.

Als ich sie dann dort das erste Mal besuchte,
war ich geschockt, traurig und wütend zugleich.
Auf der Broschüre des Heims findet sich der schöne Satz:
„Bei uns können alte Menschen in Würde alt werden.“
Ich will hier niemanden anprangern der in Pflegeberufen arbeitet.
Ich ziehe meinen Hut vor jedem Menschen, der das kann und vor allem mit Herz macht.
Aber ist es in Würde altern, wenn einem nach dem verlassen des Fahrstuhles
ein Urin- und Kotgeruch in die Nase schlägt, welcher einem den Atem raubt?
Ist es in Würde altern, dass die Anziehsachen meiner Oma verschwinden
und durch (Entschuldigung) letzte Lumpen ersetzt werden?
Ist es in Würde altern, wenn Geburtstagsgeschenke verschwinden
und dann „leer“ wieder auftauchen (teure Gesichtscremes etc.)

Das ganze Sozialsystem ist krank.
Miese Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung
und am Ende müssen es die ausbaden, die auf Hilfe angewiesen sind.
Sicherlich gibt es „Seniorenresidenzen“ usw. für Menschen mit dem nötigen Kleingeld im Hintergrund
natürlich eine schöne Alternative.
Es kann niemand beeinflussen was im Alter mit ihm passiert,
natürlich kann man durch Sport, gesunde Ernährung, seinen Teil dazu beitragen,
was aber auch nur in einem kleinen Rahmen stimmen mag.
Meine Oma hat nie getrunken, nie geraucht, sich gesund ernährt und trotzdem 3 Schlaganfälle bekommen.
Es macht mich einfach wütend, sie jetzt dort so dahin siechen zu sehen
und diese eigene Hilflosigkeit, die man hat, weil einem anscheinend niemand zuhört
und für die Heimleitung „alles in Ordnung ist.“

Für mich steht jedenfalls fest,
dass ich dann lieber nicht „in Würde alt werden“ möchte.

Ein Gedanke zu „Lieber nicht ‚in Würde alt werden‘.

  1. Anonym

    Was wirst Du tun, um „nicht in Würde altern zu müssen?“

    Ab wann sollte man anfangen zu „planen“?

    Antworten

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