Meine Abrechnung mit dem Pflegeberuf.

Der Pflegealltag in einem Pflegeheim…… Tja was soll ich dazu sagen.
Schlechte Bezahlung, Körperliche Belastung, Psychischer Stress usw.
ALLES INKLUSIVE WENN MAN IN DER PFLEGE ARBEITET. Traurig aber wahr.

Ich war insgesammt nur 6 Jahre in der Pflege tätig, doch das was ich in dieser kurzen Zeit erleben durfte/musste…..NEIN DANKE!!!

Ständig fallen Krankheitsbedingt Kollegen aus, andere müssen einspringen, werden aus ihren Frei geholt oder schieben Doppelschichten, während die PDL mit ihren fetten Hintern mit ihrer 5 Tage Woche (jedes WE frei, alle Feiertage frei) im Büro sitzt und um 16.30 Uhr Feierabend macht. In der Pflge helfen ??? Fehlanzeige. Das Pflegepersonal kriecht auf dem Zahnfleisch, aber das stört ja niemanden,solange das Geld reinkommt.

Nach 12 Tagen, oder mehr am Stück durcharbeiten (Früh/Spät) kommt man an einem Punkt, wo man LEIDER zu den Heimbewohnern nicht mehr freundlich sein kann, weil einfach die Nerven blank liegen, man körperlich an seine Grenzen kommt !!!! Das ist fakt. Kurz vor meinem Burn Out und Bandscheibenvorfall, war ich so abgestumpft, dass mir wirklich alles egal war. Innerlich hab ich immer nur gedacht das ich am liebsten mit einer Kalschnikow über den Wohnbereich laufen würde, wenn ein Bewohner „mal wieder“ auf der Klingel gesessen hat, eingekotet war, oder aufgrund der demenziellen Erkrankung (wo er ja nichts dafür konnte) ein Bew. den ganzen Tag laut herum geschrien hat und man eh schon unter enormen Zeitdruck gestanden hat. Keiner traut es sich zu sagen, aber sololche Gedanken hat man irgendwann wirklich. Versteht das nicht falsch…ich habe niemals einem Bew. etwas angetan und im nachhinein tuts mir leid, dass ich solche Gedanken hatte. Aber an mir ist irgendwann wirklich alles abgeprahlt.Ich habe meinen „Turn“ durchgezogen und wie eine Maschine funktioniert, aber das Menschliche das ich noch während meiner Ausbildung in mir trug verblasste immer mehr.

Ich war Vollzeit (174 Std. monatlich) angestellt und HATTE 180 ÜBERSTUNDEN!!!! Das muss man sich mal überlegen und das für 12 Euro BRUTTO die Stunde….einfach nur lächerlich. Dieser Beruf ist undankbar und mies bezahlt. Für diese scheiß, undankbare Arbeit müsste ein Pflegehelfer mind. 13 Euro und eine exam. Fachkraft mind. 17 Euro pro Std. bekommen. Schlimm das die Realität anders ausschaut. In meiner ehemaligen Einrichtung hat ein Pflegehelfer gerade mal 8,50 Euro und die Fachkraft 13 Euro die Std. bekommen.
Während der Geschäftsführer den Segelschein macht und seinen Kindern das Ballet/Reiten/Tennis bezahlt….wirklich unglaublich !!! Den Mund aufmachen ??? Fehlanzeige, weil man bei den befristeten Verträgen IMMER ANGST um seinen Job hat. In der Einrichtung wo ich tätig war, gab es kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, es gab NIX…. nicht eine kleine Aufmerksamkeit. Ich spreche nicht von einem 13. Monatsgehalt, aber eine kleine Wertschätzung wäre wirklich wünschenswert gewesen.

Am schlimmsten waren dann aber noch die nervigen Angehörigen !!! Die denken wirklich das sie 3000 Euro für einen Heimplatz zahlen und nun alles ALL Inklusiv ist und die Mutter oder der Vater nun ein Recht auf 24 Std. rundum Betreuung/Pflege hat, dass es aber noch 50 andere Heimbewohner gibt….die ebenfalls auf ihr Recht pochen….daran wird nicht gedacht. Man kann sich nicht zerreißen. Und mal ganz ehrlich, was bilden die sich eigentlich ein??? Das man als Pflegekraft noch hoch motiviert ist….wenn man 12 Tage am Stück gearbeitet hat??? Ich war zwar immer nett und freundlich zu den Angehörigen, weil der Kunde ja schließlich König ist, aber innerlich hab ich mir oft gedacht „Du kannst mich mal am Arsch lecken, wenn es Dir hier nicht passt, nimm Deinen Mutter/Vater doch mit nach Hause und mach es besser“. Wobei es auch nette Angehörige gegeben hat. Das mal wieder zum Thema Abstumpfen.

Nach 6 Jahren hat mein Körper mir deutlich gemacht das er nicht mehr kann. Mit 28 Jahren Burn Out und einen Bandscheibenvofall. 2 weitere Bandscheibenvorfälle folgten . Für mich war klar…Du kannst und willst nicht mehr als exam. Fachkraft arbeiten und nie wieder in diesen Beruf zurückkehren. Inzwischen hab ich mich umorientiert….hab mir Zeit genommen und mir einige Berufe angeschaut (Arztpraxis, Labor usw.). Hängen geblieben bin ich in der Betreuung:-). Reingerutscht bin ich dort mehr oder weniger. Ich leite die Betreuung in einem Pflegeheim und man mag es nicht glauben, aber es macht mir wirklich spaß :-)))). Ich habe mit der Pflege nichts mehr am Hut. Endlich habe ich Zeit für die Bewohner….wir spielen, machen Gymnastik oder unterhalten uns einfach nur und die Bewohner danken es einem wirklich. Ich möchte das nicht mehr missen, auch weil ich meine geregelten Arbeitszeiten habe und nur noch 1 Wochenende im Monat arbeiten muss, aber nur max. 5 Tage am Stück arbeite, da ich den Dienstplan schreibe achte ich auch darauf das meine Kollegen (Alltagsbegleiter) nicht soviele Tage am Stück arbeiten müssen, weil ich einfach weiß wie anstrengend das ist. Meine PDL hat Verständnis dafür und kennt auch meine Krankengeschichte. Ich hab ihr gleich bei dem Vorstellungsgespräch reinen Wein eingeschenkt. Im Nachhinein war das Burn Out und die Bandscheibenvorfälle das Beste was mir passieren konnte.

Manchmal wenn es mich packt…verteile ich auch Medikamente auf dem Wohnbereich, wenn ich sehe wie sich die diensthabende Fachkraft wieder einmal ein Bein ausreißt . Ich habe Respekt davor….Respekt vor allen Menscnschen die heute noch in der Pflege arbeiten und ziehe meinen Hut davor.

Mein Fazit: Ich bin an meine Grenzen gekommen und ich war jetzt wirklich schonungslos ehrlich….Glaubt mir….ich habe oft mit anderen Kollegen über dieses Thema gesprochen und ich stehe nicht alleine da mit meiner Meinung.

Herztlichst Eure Schwester YX

10 Gedanken zu „Meine Abrechnung mit dem Pflegeberuf.

  1. Garcon de Piss

    Ein Beitrag der sehr treffend ist! Vor allem, dass du dich traust über die wahren Gefühle in solchen Situationen zu sprechen!
    Am Anschlag kann keiner mehr Wertschätzung, da ist Schluss mit lustig.

    Garcon de Piss

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    1. Bine

      Ein Beitrag, der ehrlicher nicht sein kann. Habe viele Jahre als Pflegehilfskraft gearbeitet und sehr viel später nochmal die Schulbank gedrückt um dass Pflegeexamen zu erlangen. Bereits in der Schule war festzustellen, das die Pflegeschulen mitlerweile jede/n Schüler/in aufnehmen und auch nach Möglichkeit alle durchziehen, egal wie. Eine Dozentin verkündete offen vor ihrer schriftlichen Prüfung an alle Schüler/innen „nun strengen Sie sich ordentlich an, von ihrem Prüfungsergebnis hängt unser Bonus ab“. Denen ist in den Schulen völlig egal, ob der/die Schüler/in gut besteht oder nicht, ob der/die diesen Beruf auch aus seinem Inneren heraus ergreifen möchte (und nicht weil das Amt dies befürwortet hat), für die in der Schule zählt nur die Quote. In den Schulen wird der Pfegealltag schöngeredet, obwohl sie dort wissen, was aufgrund von Fachkräftemangel/Personalmangel abgeht.

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    1. Bine

      Sicherlich arbeitet man in der Betreuung für weniger Stundenlohn. Als exam. Pflegekraft kann man allerdings mit seinem Arbeitgeber verhandeln, schließlich bringt man ein gutes Hintergrundwissen mit. Letzendlich hat man aber schon ein weitaus besseres Lebensgefühl, weil…. einen geregelten Dienstplan, keine Anrufe, zufriedenere Kollegen.

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  2. Markus Albrecht

    Wenn ich das hier lese weiss ich nicht, ob ich laut lachen oder im Kreis kotzen soll! Ich lese etwas von Pflegehelfern, die 8,50 €/Std. erhalten, bei 174 Std. Darf ich mal was dazu sagen?
    Ich arbeite als PFLEGEBEGLEITER. Das heisst, ich bin eine pflegende Zusatzkraft. Meine monatlichen Stunden stehen zwischen 150 – 172,5 Std, Überstunden nicht mitgerechnet.
    Dafür erhalte ich als Behinderter gerade mal 371, 12€! Jetzt rechne man einmal nach. Ich komme auf einen Stundenlohn von 2,15 € Brutto!! Natürlich brauche ich Geld aus der Staatskasse, anders kann ich nicht überleben! Aber genau das wird mir von der Allgemeinheit vorgeworfen! Jetzt muss endlich mal ein Umdenken stattfinden: Ich lebe nicht auf anderer Leute Kosten, weil ich so wenig leiste, sondern weil ich künstlich arm gemacht werde. Die Bevölkerung soll einen Grund haben mich ztu verachten, damit ich brav tue was verlangt wird und keinen Widerspruch erhebe! Aber ich gehe arbeiten, Vollzeit! Und muss mich neben den körperlichen und seelischen Belastungen ZUSÄTZLICH noch als Schmarotzer beschimpfen lassen???? So, nachdenken! DANKE!

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  3. Christian

    Doppelschichten? Aus dem Frei holen lassen?

    Tut mir Leid liebe Kollegen, wer das mitspielt ist selbst Schuld und schadet damit den Kollegen und dem gesamten Stand.

    Ein Dienstplan ist ein Vertrag und kann nicht einseitig geändert werden. Frei ist Frei. Nein sagen, muss gelernt werden.
    Doppelschichten? Das ist schlicht und einfach illegal. Hätten wir eine Pflegekammer würden diese Kollegen gerühgt und bei Wiederholung ihre Zulassung verlieren – zu Recht.

    Bei allem Respekt aber das hier ist unreflektiertes und „unrechtes“ Jammern.

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  4. Jutta gebhardt

    Du schreibst das was die meisten in unserem Beruf bewegt , ich bin seit 25 Jahren in der Pflege und habe mich für die letzten viereinhalb Jahre für die Dauernachtwache entschieden

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  5. Schoki

    Alles sehr treffend!!!!

    Bin mehr als 12 Jahre in der Pflege und habe JETZT die Schnauze voll von allem. Habe meine Entscheidung getroffen diesen Job an den Nagel zu hängen.

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    1. Markus Albrecht

      Ich bin Pflegebegleiter in einem Heim, vollstationär, Demenzpflege. Nach weniger als 5 Jahren habe ich keine Lust mehr. Jeder Dienst ist eine Qual. Ich bin bereits körperlich angeschlagen, und der Stress im Job macht es nicht besser! Was von den Bewohnern an Erniedrigungen und persönlichen Beleidigungen kommt, kann ich , bedingt durch ihre Demenz, noch immer von mir weghalten. Was am meisten schmerzt ist die fehlende Anerkennung und Unterstützung durch die Kollegen und Angehörigen. Die eigene Leistung wird ständig negiert. Ich frage mich ständig was ich falsch mache. Dabei weiß ich doch, dass der Fehler nicht bei mir liegt! Mehr als arbeiten kann ich nicht… Ich muss hierbei anmerken, dass ich schwerbehindert bin, aber ich arbeite ganz normal in Vollzeit, Wechselschicht und Wochenenden. Nachtdienste sind für mich nicht vorgesehen.

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  6. Schwester Stefanie

    Absolut nachvollziehbar – ich war lang auf einer Stroke Unit, wenn man dann auch sein Pensum mit 10-12 Tagen am Stück, am besten noch ohne Pause, zu wenig trinken etc. voll hat, dann kann man einfach auch nicht mehr freundlich sein… Das hab ich an mir auch erlebt. Obwohl man das gar nicht wollte.
    Ich denke und glaube, das dann ein gewisser Überlebensinstinkt sogar greift. Wir sind immer bereit, viel zu geben. Aber wenn man „ausgebeutet“ wird in einem kaputten und kranken System, dann zieht der Körper über kurz oder lang irgendwann die Reißleine und zeigt dir, das du permanent über deine eigenen Grenzen gegangen bist und am Limit gefahren bist.

    Ich finde es nur ausgesprochen beschämend, das es die Pflege nicht schafft, anständig für sich selbst zu sorgen. Und auch, das von Politikern und anderen so wenig Wertschätzung kommt.

    Während der ganzen Zeit hab ich relativ vielen – Ärzten, Patienten, Kollegen – den „Arsch“ gerettet…
    Aber irgendwann dachte ich nur innerlich: für was eigentlich? Du hörst nicht mal ein Danke (obwohl der Patient dank dir überhaupt überlebt hat..) auch nicht vom Doc für die Hinweise etc… und Teamwork….

    Nein. Es macht keinen Spaß mehr. Definitiv. Ich suche auch bereits einen Studiengang um aus dem Pflegebereich weg zu kommen.

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