MRSA und unsere Faulheit #Pflege

Multiresistente Keime wie MRSA, sind stetige Begleiter unserer Arbeit. Ob in Krankenhäusern, Rehakliniken, ambulanten Tätigkeiten, Pflegeheimen oder Wohngruppen, sie sind überall zu finden.

Der Schutz davor ist nicht immer ganz einfach, wird aber bereits durch Handschuhe, Kittel, Mundschutz und eine gute Desinfektion deutlich erhöht.

Oft fehlt es uns an Zeit, so sagen wir, um die richtigen Schutzmaßnahmen einzuhalten. Das stimmt sicherlich oft auch. Zu wenig Personal auf den Stationen führt dazu, dass wir an der einen oder anderen Stelle die Hygiene schludern lassen. Das zieht sich die Berufsgruppen, ob Ärzte oder Pflege. Aber nicht jedes Fehlverhalten ist so erklärbar noch entschuldbar.

Durch meine der Pflege begleitende Tätigkeit im Rettungsdienst, kann ich oft auf andere Wege in die Arbeit von Krankenhäusern und Pflegeheimen hinein sehen. Als Externer nicht der Pflege zugehöriger, stehe ich dann in meiner Uniform in den Fluren und Zimmern.

So begab es sich vor kurzer Zeit in einem Heim in Gelsenkirchen, dass wir zum Zwecke eines Krankentransportes eine Patientin abholen durften. Diese war wegen des MRSA Keim isoliert und so bereiteten wir unseren Wagen und uns vor. Mit Kitteln, Mundschutz und Handschuhen betraten wir die Station und erlebten zwei drei kleine Wunder. Die uns empfangende Altenpflegerin berichtete uns im Rahmen eines kleinen Gesprächs, dass sie bis vor kurzem selbst noch wegen MRSA Befall krank gewesen sei, nun aber frisch saniert wieder arbeiten dürfte.

Beim betreten des Zimmers stellten wir fest, dass die Dame noch Grundpflegemaßnahmen nötig hatte und baten die beiden vor der Tür stehenden Altenpflegerinnen um Materialien. Diese sprangen direkt ins Zimmer und fingen sofort selbst an die Pflege durch zu führen. Wir waren schwer verwundert, sie trugen weder Kittel noch Handschuhe und sogar private Kleidung. Nachfragen ob wir, die wir voll vermummt waren, dass nicht lieber machen sollten wurden verneint.

Stunden später brachten wir die Patientin zurück, auch die Übernahme der Patientin durch die Pflegekräfte, erfolgte ohne Schutzmaßnahmen.

Als ich nach der Übergabe die Pflegenden darauf ansprach, ob dies immer so gehandhabt würde erntete ich verwunderte Blicke. Die dreijährig gelernten Kräfte erklären mir, dass das mit dem MRSA so ja auch überbewertet sei und Kittel und Handschuhe in erster Linie zur Benutzung für Besucher und Angehörige gedacht sind.

Solche Ereignisse beobachte ich immer wieder und sie stärken meine Überzeugung, dass neben der richtigen und wichtigen Forderung nach mehr Personal auch andere Reglungen getroffen werden müssen.

Fehlende Hygienefachkräfte und die Möglichkeit solche gefährdenden Maßnahmen auch finanziell zu bestrafen, müssen unbedingt diskutiert werden.

Schon oft habe ich in Diskussionen die Position eingenommen, dass den Hygienefachkräften ein Bußgeldkatalog an die Hand gegeben werden muss um die Interessen der Hygiene durch zu setzen. Die Position der Hygienefachkraft bedarf auch eines besonders geschützten und autonomen Arbeitsverhältnis, zum Betreiber der Einrichtungen. Die bisherige Abhängigkeit vom Betreiber einer Klinik, beeinträchtigt schon die bisherige Arbeit dieser Fachkräfte stark und führt an einigen Stellen zu verschlossenen Augen.

Mein Fazit aus diesen Beobachtungen, Hygienefachkräfte für jede Einrichtung mit der Möglichkeit der täglichen Inspektion von Stationen. Größere Kompetenzen im Bereich der Sanktionen gegen Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Pflegekräfte. Eine autonome und geschützte arbeitsrechtliche Sicherung der Hygienefachkräfte.

Nicht falsch verstehen liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind oft auch durch zu wenig Personal, schnell aufeinander folgende Notfälle und andere widrige Umstände dazu gezwungen, die eine oder andere Hygienerichtlinie zu brechen. Auch ist der Zusammenhang zwischen steigenden Infektionszahlen und Letalität, zur Personalbesetzung in der Pflege klar nachweisbar. Manchmal sind wir aber einfach faul, dass gilt ebenso für die Mediziner. Diese gelegentliche Faulheit gefährdet unsere Gesundheit und die der Patienten und diese Haltung gilt es zu verändern, wenn es sein muss mit einer harten unabhängigen Hand.

3 Gedanken zu „MRSA und unsere Faulheit #Pflege

  1. creezy

    Danke!

    Ich wundere mich persönlich auch darüber, wie man mangelhafte Hygiene unter dem Aspekt des Personalmangels entschuldigen kann. Ein Krankenhaus, dass seiner Aufgabe Hygiene nicht gerecht wird, hat seine Pforten zu schließen. Denn es kann dann seine Aufgabe, Menschen gesund zu machen, zwangsläufig nicht gerecht werden.

    Pfleger, die meinen aufgrund des Arbeitspensums nicht für ein Mindestmaß an Hygiene sorgen zu können, müssen sich verweigern. Denn anderenfalls bringen sie Menschen den Tod. Was gibt es da Schönzureden?

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  2. icke

    Ich war auch mal MRSA-positiv (bin jetzt aber saniert, keine Sorge). Es gab großes TamTam darum, da ich gerade selbst als Patientin im Bett lag.
    Spannend für mich zu beobachten waren die Isolierungmaßnahmen : am ersten Tag: sehr vorschriftsmäßig bei allen Tätigkeiten, sowohl Ärzte als auch Pflege, dann dünnte es aus, der Oberarzt kam sowieso komplett ohne Maßnahme hinein, verschränkte nur die Arme und bemerkte: „In diesem Zimmer fasse ich nichts an!“, wenigstens desinfizierte er seine Hände beim Verlassen des Zimmers. Auch die Pflegekräfte ließen zum Schluß diesen „Blödsinn“ sein, es koste zu viel Zeit und sie würden bei mir ja nicht viel machen… Selbst bei Kollegen nahmen sie sich nicht die Zeit, solche Dinge ordentlichzu erledigen. Ich war aufrichtig schockiert über so viel Unwissenheit und Intoleranz!

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  3. Windvilla

    Ich bekomme gleich Schreikrämpfe, wenn ich dieses Gelaber lese! Theorie und Praxis!
    Hast nen deliranten Keimträger unter deinen Schutzbefohlenem, haste auch bereits verloren. Und wenn du in deiner Schicht das vierzigste mal im zimmer ist und du deshalb den vierzigsten Kittel entsorgt hast und du siehst, dass sie langsam knapp werden und du sowieso immer nur ins Zimmer rennen musst um bevorstehende Katastrophen im Rahmen deiner Aufsichtspflicht zu vermeiden.. Und dann steht neben dir so ein Klugscheißer, der von Hygiene redet und nicht in der Lage ist sich die nächsten 8 Stunden ans Bett zu setzen, oder in der Lage ist dafür zu sorgen, dass es jemand anderes tut.
    Solange bei solchen und ähnlich gearteten Problemen von Faulheit gesprochen wird, solange wird dieses Problem auch NICHT ZU LÖSEN SEIN.
    Die ist eines der vielen Probleme des Klinikbetreibers oder letztendlich der Politik, die der Meinung ist Krankenbetreuung wäre kein Akt von Menschlichkeit sondern von Kapitalwirtschaft.
    Wenn eine Klinik am Personal für entsprechend schwierig zu betreuende Patienten spart, kann sie solche Patienten nicht behandeln.
    Wir führen für jeden Patienten der isoliert ist ein Isomehraufwandsprotokoll und irgendwie stehen da schon feste Minuten drinne, die bestimmte Tätigkeiten beim isolierten Patienten erfordern. Am ende eines Tages, kommen da pro Nase locker 150 Minuten bei raus.
    Betreue ich vier isolierte Patienten (was vorkommt) wuerde das drei Viertel der Zeit ausmachen die ich für zehn weitere zur Verfügung habe. Nicht realisierbar. Vorallem weil das führen dieser Protokolle keine Auswirkungen auf den Personalschlüssel hat.
    Also da ist einiges faul, aber sicher nicht durch solch liebevoll formulierte unüberlegte Beschuldigungen durch die Sahnehaube der pflegerischen Kurzdenkerschaft zu beheben liebe Leute!
    Denkt nach und macht nicht die Probleme anderer zu den Euren!

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