Nachtdienstgedanken.

Es ist 19:00 ich öffne die Augen.
Hinter dem Vorhang ist es dunkel.
Ich stehe auf, steige unter die Dusche und denke an nichts.
Später sitze ich am Küchentisch. Alleine.
Die Wohnung ist still, der Mann noch im Büro.
‚Wird länger morgen Abend!‘ jetzt erinnere ich mich an die Worte
die er mir zuletzt schrieb bevor er am Abend zuvor ins Bett ging.
Gestern oder Heute? Zumindest irgendwann als es bereits schon Nacht war.
Ich mache mich fertig, packe meine Sachen und trete vor die Haustür.
Schon vor der ersten Abbiegung in die Seitenstrasse
kommt mir eine Gruppe von 5 scheinbar gut gelaunten Menschen entgegen.
Ich schleiche weiter, ziehe mir die Kapuze über den Kopf und gähne einmal laut.
3 Stunden später:
ich frage am Patientenbett ‚Wann hatten sie zuletzt Stuhlgang?‘
um mich kurz darauf daran zu erinnern
dass ich selbst diese Frage nicht auf Anhieb beantworten könnte.
Und kleiner Tipp: testen sie die Orientierung eines Patienten stets nur dann,
wenn Sie sich selbst sicher sind welchen Tag und welches Jahr wir haben.
Ich wünsche dem Patienten ein ‚Schlafen Sie gut!‘, lösche das Licht
und im Dunkeln flüstert es leise ‚Sie auch!‘ zurück.
In dieser Nacht sitze ich keine 10 Minuten am Stück.
Der Gedanke Krankenpflegepersonal
würde in der Nacht schlafen ist noch immer weit verbreitet.
In dieser Nacht werde ich keine 5 Minuten sitzen
und stehends zwischendurch essen.
Man möchte meinen eine Nacht sei lang genug
und trotzdem fehlt manchmal die Zeit.
Und ja, 10 Stunden Nachts sind unglaublich lang.
Gefühlt, erlebt und durchgemacht.

Es ist fast 7 als ich Morgens das Gebäude verlasse.
Unsicher ob völligst aufgekratzt oder himmeltodmüde.
Vielleicht würde ich gerne noch ausgehen.
Ein Feierabendbier so wie alle anderen auch.
Nur nicht um 18:00 Uhr sondern um 07:00 Uhr Morgens.
Ich gehe über die Strasse es ist kalt und nass.
Auf halbem Weg torkelt mir ein betrunkener Mann entgegen.
Innerlich denke ich: hoffentlich spricht er mich nicht an!
Er wankt vorbei und ich in Richtung Supermarkt.
Der Kühlschrank schreit nach Füllung,
bis ich 5 Minuten später realisieren muss,
dass heute scheinbar Sonntag ist und ich warten kann bis zum Verhungern.

Ich öffne die Augen.
Hinter dem Vorhang ist es dunkel.
Welcher Tag ist heute?
Morgendunkel oder Abends?
Ich verliere kurz komplett die Orientierung.
Und sehe dann durch die Tür im Schlafzimmer in der Küche Licht brennen.
Scheinbar ist Wochenende und der Mann zu Hause.
Mich erfasst kurz ein Gefühl der Erleichterung.

3 Gedanken zu „Nachtdienstgedanken.

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