Nachtgedanken eines Gesundheits- und Krankenpflegers,
in Zeiten der abnehmenden Wertschätzung

In manchen ruhigen Nachtdiensten frage ich mich manchmal
wie es so weit kommen konnte bzw. musste.
Ich bin mittlerweile seit drei Jahren examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger.
Ich bin mit Leib und Seele Praxisanleiter.
Ich bin einer, der nicht alles anders, aber vieles besser machen wollte.
Doch die Schüleranleitung wird mehr und mehr zur Herausforderung. Das liegt einerseits an der immer knapper werdenden Personaldecke und dem immer schneller drehenden Hamsterrad der Arbeitsbelastung.
Da bleibt für eine Schüleranleitung im eigentlichen Sinne keine Zeit mehr. Der Schüler muss(!) vom ersten Tag seines Einsatzes eigentlich funktionieren, sonst geht er (und die Station bei knapper Besetzung) unter.
Doch das ist für mich als Praxisanleiter keine Option. Natürlich sucht man bei solchen Problemen das Gespräch mit Vorgesetzten. Doch wenn sich nach zig Gesprächen nichts am grundlegenden Problem ändert, fängt man an zu resignieren. Da stellt sich die Frage: Alles hinschmeißen? Will ich so weiterarbeiten?

Klare Antwort: Nein.

Ich habe für mich daher entschieden, wenn ich schon Vorgesetze oder die Umstände nicht ändern kann, dann ändere ich das System. Ich studiere mittlerweile berufsbegleitend Pflegewissenschaft. Meinen Stellenumfang habe ich idealistischerweise auf 50% reduziert um nicht den Kontakt zur „Basis“ zu verlieren.
Nachteil meines Strebens nach Glück – steigender Druck durch Vorgesetze. Klar, das Haus bzw. „die Firma“ sieht momentan noch keinen Vorteil durch mein Studium. Sondern nur einen Nachteil, der darin besteht das ich nicht beliebig einsetzbar bin.

Warum tue ich mir das an?

Ich will nicht mehr Geld.
Ich will einfach mehr Wertschätzung.
Ich will nicht Kollegen trösten müssen,
die nach schlimmen Diensten weinend nach Hause gehen.
Ich will Vorgesetze, die nach anstrengenden Diensten und knapper Besetzung einfach mal sagen: „Gut gemacht!“ Oder auch einfach mal ein „Danke“ an die Schwester, die immer einspringt wenn sie angerufen wird.

Was willst DU?

Autor: Steinbien

2 Gedanken zu „Nachtgedanken eines Gesundheits- und Krankenpflegers,
in Zeiten der abnehmenden Wertschätzung

  1. Pepe36

    Da sprichst du mir aus tiefstem Herzen.Nach 7 Jahren kam ich zu der Erkenntniss , das ich aus meiner Position als Pflegekraft heraus fast nichts bewirken kann. Habe daher selbst einen „stressfreieren“ Job im Gesundheitswesen angenommen , um nebenher Pflegewissenschaft zu studieren. Ich habe auch versucht Dinge anzusprechen/ zu verändern. Egal ob Organisation , Fachlichkeit , Praxisanleitung oder kollegialer Umgang.
    Eine wirkliche und sichtbare Verbesserung der Arbeitssituauion hat es maximal nur in kleinerem Ausmaß gegeben. Wie oft habe ich es erlebt , das sich Situationen so entwickelt haben , wie ich es gedacht habe bzw. angesprochen hatte. Und selbst dann hatte mein Wort/Erfahrungswert wenig gewicht.
    Die Häufigkeit von Lob und Anerkennung seitens Vorgesetzter kann ich mir im genannten Zeitraum an einer Hand abzählen.

    ICH will was verändern. Und DU willst es auch.

    Laß dich nicht unterkriegen.

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  2. Windvilla

    … Das einzige was mir dazu einfällt…
    Mir ist noch nie ein „Studierter“ untergekommen, der nach seinem Rückzug von der Basis und seiner Hinwendung in den „gehobenen“ Dienst noch ein Verständnis für die Mißstände aufbringen konnte. Gebe einem Menschen Macht und du wirst ihn kennenlernen. Die Idee erwächst fast immer aus „jugendlichen Rebellionswunsch“ heraus, der leider dann beim ersten Gegendruck der kapitalistisch motivierten Chefetage in vorzeitiger Demenz endet.
    Die „Guten“ kommen scheinbar nicht in Postionen, in denen sie etwas zu ändern vermögen – und wenn doch – dann dauert es nicht lang, bis sie abgesäbelt werden. :)
    Das ist aber ein gesellschaftliches Problem!

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