Pflege geht uns alle an!

Des Öfteren wurde ja schon in verschiedenen Zeitungen, Medien etc. über den „Pflegenotstand“, diverse Bedingungen im Krankenhaus aus Sicht der Beschäftigten, Patienten und Angehöriger berichtet. Dass Pflegenotstand in Deutschland herrscht ist somit nichts Neues. Er ist real und nah wie nie.
Es ändert sich aber einfach nichts…im Gegenteil…es wird immer schlimmer. Viele haben beide Ohren und Augen verschlossen oder wollen es nicht sehen. „Es geht einen ja nichts an“ -denken evtl. viele.
Ich möchte hier nun über die Missstände am Universitätsklinikum in Homburg und allgemein in der Pflege aus Sicht einer Krankenschwester berichten.
Ich habe nun schon über 15 Jahre mein Examen und arbeite schon weit über 15 Jahre am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg als Kinderkrankenschwester. Genau in welcher Abteilung/Klinik und meinen richtigen Namen möchte ich nun hier nicht nennen, da ich Angst um meine Stelle habe.
Ich habe meinen Beruf immer geliebt. Es war schon seit ich denken kann mein Traumberuf, aber was momentan hier für Zustände herrschen, kann sich wirklich niemand vorstellen, der es nicht selbst erlebt hat. Es ist unfassbar und wird bestimmt kein Einzelfall sein.
Es ist unglaublich, dass in einem so reichen Land wie Deutschland kein Geld für die Pflege da sein soll.
Aber der Vorstand des Universitätklinikums in Homburg ist ja der Meinung, dass es zu viele Pflegekräfte hier gibt. Deshalb müssen zum wiederholten Mal und pünktlich zur Urlaubszeit, mehrere Betten- zum Teil sogar ganze Stationen auf Zeit geschlossen werden. Kaum sind ein paar Pflegekräfte in Urlaub und 1-2 fallen durch Krankenschein oder Schwangerschaft aus (und damit muss man als Arbeitgeber immer rechnen und planen) bricht Alles zusammen und Dienste/Stationen können nicht besetzt werden….ABER wir haben ja zu viel Pflegepersonal. Deshalb werden Stellen auch nicht neu besetzt, wenn Pflegekräfte wegen Elternzeit/Mutterschutz pausieren. Ahja…So sieht es also aus, wenn zu viele da sind. Soll mir außerdem mal jmd. von den Herren erklären, warum wir hunderte an Überstunden anhäufen und dann ständig an unseren freien Tagen angerufen werden um einzuspringen!
Uns als Pflegekräfte wird dann entweder von heute auf morgen zugemutet, auf eine völlig fremde Station zu wechseln, auf der wir weder Krankheitsbilder noch die Örtlichkeiten noch den Ablauf und die Pflegestandards kennen. Oder wir dürfen zum Teil komplett ALLEINE mit Sitzwache/Praktikanten/Schülern auf unserer Station arbeiten. Wir müssen ALLEINE(!!) frisch operierte und zum teil schwerstkranke Patienten und auf manchen Stationen darunter auch Kinder betreuen. Denkt da mal jemand nach wie wir so unsere Pause machen können (die uns ja rechtlich zusteht)? Geschweige denn darf man nicht darüber nachdenken was wäre, sollte es einem nicht gut gehen oder ein Notfall würde auftreten…vor allem nachts…nicht auszudenken.
Man kommt mit Bauchschmerzen zur Arbeit und hofft nur, dass irgendwie Alles gut geht. Ausserdem wird versucht mit größter Sorgfalt und mit aller Mühe die Patienten adäquat und professionell zu versorgen, doch meistens verzweifelt man, da man noch so viel tun kann, aber es einfach unter diesem Druck und dieser Belastung nicht mehr schafft.
Man nimmt den Arbeitsalltag mit nach Hause und überlegt noch lange nach der Arbeit, ob man in der Hektik an Alles gedacht und alles richtig gemacht hat.
Wir- die kranke Menschen in ihren zum Teil schwersten Stunden betreuen, unterstützen und begleiten- werden mit Füßen getreten. Wir sollen Menschen in Sachen Gesunderhaltung beraten und was ist mit unserer Gesundheit? Hier zählen nur Fallzahlen und wo man am Ende noch mehr sparen kann, aber der Mensch zählt hier schon lange nicht mehr. In der Pflege wird immer mehr gekürzt und gespart, um die Gehälter der Führungsetagen zu finanzieren.
Man wird verheizt bis es nicht mehr geht…aber irgendwann ist niemand mehr da und dann werden unqualifizierte und Billigkräfte eingestellt.
Stellen Sie sich nur die Frage…Möchten Sie, dass Sie oder ihre Kinder bzw. Angehörigen nach einer OP oder während einer Therapie/Krankheitsphase von unqualifiziertem Personal betreut werden, oder auf einer Station Patient sein, auf der nur eine Krankenschwester für ALLE ist?
Sie denken heute vielleicht noch :“Ich bin nicht krank, ich muss nicht ins Krankenhaus.“
Dies kann Morgen aber schon anderes aussehen.

PFLEGE GEHT UNS ALLE AN!

Quelle: Facebookpost an uns.

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