Pflege und Streik.

Die Fluglotsen streiken, das Bodenpersonal sowieso, die Zugführer immer wieder,
Demonstrationen von Landwirten und anderen unzufriedenen Berufsgruppen:
in Berlin ja fast jedes Wochenende. Wenn Busfahrer und Co streiken,
muss man sich eben umstellen und anders zur Arbeit kommen,
ja selbst die Ärzte, bestärkt durch Marburger Bund und anderen einflussreichen Vertretern:
sie streiken; Hausärzte, Klinikärzte, Landärzte werden hofiert durch Gesetzgebung,
um sie zu rekrutieren und sie haben ja auch Recht!

Möchten Sie von einem Arzt nachts 22:00 Uhr operiert werden,
der Sie am Morgen um 06:00 Uhr schon aufgenommen und untersucht hatte?

Doch was ist mit der Pflege???

Streik in der Pflege…?

Streik : Kampfmaßnahme der Arbeitnehmerseite im Arbeitskampf; gemeinsame und planmäßige Arbeitsniederlegung durch eine größere Anzahl von Arbeitnehmern mit dem Ziel, einen bestimmten Kampfzweck zu erreichen und nach Erreichung des Kampfzweckes die Arbeit wieder aufzunehmen. (aus dem Wirtschaftslexikon)

Nun gucken wir uns mal um:
Überstunden; Unterbesetzung; physisch und psychisch anstrengende Tätigkeiten;
Dokumentationswut, die unsere Kernarbeit am Patienten immer mehr beschränkt,
teilweise archaische Ansichten, was Zusammenarbeit Arzt/Pflege betrifft,
Angehörigenbetreuung, jede Menge Zusatzaufgaben,
ohne die eine Station nicht existieren kann,
welche aber nicht extra vergütet werden.
Aushebelung von Tarifverträgen durch Haustarif; zeitlich begrenzte Verträge;
Qualitätseinbußen durch Fluktuationen in der Besetzung
denn oberstes Ziel ist das finanzielle Überleben der Klinik
und wo kann man besser sparen als bei dem Personal,
dass nichts erwirtschaftet, nur Kosten verursacht?
Und so werden zum Beispiel unter dem Deckmäntelchen von Renteneintritt
und nicht Neubesetzung Stellen gestrichen (und nicht nur so).

Sind das nicht Dinge, die man mit einem Streik anprangern müsste?

Streiks in der Pflege sind punktuell,
darauf ausgerichtet, nicht allzu großen Schaden anzurichten.

Flashmobs der Pflege werden meist nur von der Pflege wahrgenommen,
Streiks der Pflege gehen durch lokale Medien,
aber letztendlich wissen die Kliniken genau,
dass der Großteil von uns nicht lange streikt.

Warum sind wir in der Pflege?
Es macht Spaß, mit den Menschen umzugehen,
es ist schön zu sehen, dass man selbst Menschen in ihrer letzten Lebensphase
noch Lebensqualität bieten kann,
es macht Spaß, mit ihnen zu lachen und es ist ergreifend,
mal mit ihnen zu weinen oder auch um sie.

Wenn wir streiken:
wer macht das dann, wer wäscht die Patienten,
wer guckt, dass sie genug essen und trinken,
dass sie keine Druckgeschwüre bekommen,
wer zieht sie an, wer redet mal ein paar Minuten mit ihnen …?

Wir können es mit unserem Gewissen scheinbar nicht vereinbaren,
dass wir nicht arbeiten, ABER: wer soll es sonst machen?

WIR müssen für uns selbst einstehen,
WIR müssen für bessere Bedingungen kämpfen,
WIR müssen uns organisieren und uns eine Lobby schaffen,
denn NUR WIR wissen, was wir den ganzen Tag leisten
und dass wir das nicht mehr leisten können und wollen.

Wie lange wollen wir uns denn noch untereinander das Leben schwer machen
wenn unsere eigentliche Wut doch den Bedingungen gilt!?

Organisiert Euch, redet miteinander,
erkämpft Euch bessere Arbeitsbedingungen, ob nur bei Eurem Arbeitgeber
oder in größerem Rahmen, in einer Pflegekammer, in der Politik.

Zeigt was passiert, wenn wir plötzlich nicht mehr da sind!

Ein Gedanke zu „Pflege und Streik.

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