Pflegen kann jeder. Oder nicht?

Pflegen kann jeder,
hört man immer wieder auch als examinierte Pflegekraft.
Sei es von (ehem) Ministern wie Kurt Beck, der die sogenannten “Schlecker-Frauen”
(ja auch ich finde diesen Begriff furchtbar)
umschulen wollte, in den Medien oder immer wieder in der täglichen Praxis.

Der Beruf der Pflege hat ein sehr schlechtes Image.
Die Arbeitszeiten und die verhältnismäßig schlechte Bezahlung
sind dabei nur zwei Faktoren.
Ein weiterer ist sicherlich,
dass die Menschen für gewöhnlich nicht sehen können,
was hinter diesem Pflegeberuf eigentlich steckt.
Ich möchte mal versuchen, das etwas aufzuklären.

Wenn wir einen Patienten zum ersten mal sehen,
ihm die Hand schütteln und uns vorstellen,
tun wir das nicht nur um guten Tag zu sagen.
Wir sehen im selben Moment in welchem Zustand sich der Patient befindet.
Wie ist die Atmung? Wie sieht die Haut aus?
In welchem Wachheitszustand ist dieser Mensch?
Ist irgendetwas ungewöhnlich oder auffällig?
Das sind wertvolle Informationen, denn wir sind diejenigen,
die in diesem Moment entscheiden ob es ausreicht,
den Patienten inhalieren zu lassen um ihm die Atmung zu erleichtern,
oder ob wir unverzüglich den Arzt informieren müssen,
da sofort eingegriffen werden muss,
oder ob schlicht alles in Ordnung ist.

Wenn wir einem Patienten eine Flasche Wasser bringen,
bringen wir nicht nur einfach eine Flasche Wasser.
Wir wissen, ob dieser Patient (noch mehr) trinken darf,
ob er ausreichend trinkt, ob er sich das Wasser selbst einschütten
und zum Mund führen kann oder ob er dabei Unterstützung braucht.
Gleichzeitig haben wir im Blick,
ob das was dieser Patient trinkt auch genügend ausscheidet,
oder ob er Ödeme entwickelt oder schlimmeres.

Wenn wir einen Patienten lagern, drehen wir ihn nicht einfach nur auf die Seite.
Wir überprüfen die Haut auf Druckstellen, achten auf den Zustand der Haut,
lagern die gefährdeten Stellen frei und achten gleichzeitig darauf,
dass der Mensch der vor uns liegt es möglichst bequem hat.

Wenn wir bei der Visite dabei sind, hören wir nicht einfach nur zu.
Wir geben dem Arzt die Informationen die er braucht
um seine Anordnungen treffen zu können.
Wir sind diejenigen, die den Patienten nach der Visite erklären,
was das eigentlich bedeutet, was der Arzt da grade gesagt hat.
Denn viele Menschen trauen sich nicht den Arzt danach zu fragen.

Das ist ein winzig kleiner Einblick in die Arbeit eines Pflegenden,
ich könnte das noch seitenlang weiter führen.
Ich zweifle gar nicht daran,
dass all das auch von Angehörigen für ihre Liebsten zuhause getan werden kann.
Für einen Menschen den sie schon jahrelang kennen.
Wir tun all dies aber für 20 oder mehr Menschen,
die uns während einer Schicht anvertraut wurden.
Und dafür brauchen wir Zeit. Zeit, die uns immer mehr genommen wird,
weil wir immer mehr Patienten zu betreuen haben,
immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, immer weniger Menschen bereit sind,
diesen Beruf hier in Deutschland auszuüben.

Wir müssen lernen stolz zu sein auf das was wir tun.
Wir müssen es den Menschen erklären.
Und wir müssen den Entscheidungsträgern in diesem Land klar machen,
dass es ohne uns nicht funktioniert.
Wir werden es sehr laut und immer wieder sagen müssen.
Irgendwann werden sie endlich zuhören. Hoffentlich noch rechtzeitig.

Worte von: nanunana249

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