Pfleger und Schwestern sind KEIN Verbrauchsmaterial!

Oder: es weihnachtet sehr in der Pflege.

IST WIEDER SO WEIT…..
die besinnlichen Feiertage stehen an, alle bereiten sich auf einen Jahresausklang vor.

Alle?

Nein, in der Pflege geht es jetzt wieder hoch her. Nachdem im November alle Planungen bezüglich Weihnachten und Silvester gelaufen sind kommt nun am 4.12. der DRITTE Dienstplan für Dezember raus.

Mir reicht es! Anmerkungen bezüglich des Direktionsrechts des Arbeitgebers werden mit einem
„in der Pflege ist das halt anders“ beantwortet.

Was ist in der Pflege anders? Haben wir kein Recht auf eine Freizeitgestaltung? Zur Erklärung:
Ausgangsfrage war wie immer: „Wer macht Weihnachten, wer Silvester?“ Denn Urlaub bekommt eh niemand und irgendwie soll ja alles fair ablaufen. Ich habe 3 Kinder, entscheide mich also für Silvester. Nachtdienst, versteht sich. Chefin möchte aber auch noch das folgende Wochenende. Gut, dann eben 5 Nächte zu je 12 Std. Hauptsache Weihnachten zu Hause bei der Familie. Dann versuchen wir eben sämtlichen familiären und sozialen Kontakte in den 5 freien Tage über Weihnachten gerecht zu werden. Diese Vereinbarung hat auch gehalten. Und zwar exakt 2 Dienstpläne (wir sprechen hier immernoch über den Monat Dezember) lang.

Warum bitte soll ich es jetzt hinnehmen, dass in der 3. Version aus einem „nur“ Silvesterdienstblock, 4 Tage Nachtdienst bis einschließlich 24. wird und dann nochmal sportliche 60h am Stück bis zum Jahresende?
Mit der Begründung es wäre quasi ein Notfall?
Ich erkenne den Notfall nicht.

Der Notfall ist: Der PDL ist plötzlich aufgefallen, dass da ja Mitarbeiter zusammenarbeiten, die ihrer Meinung nach nicht zusammen arbeiten sollten.

„Es müssen ja gerade über die Feiertage Leute da sein, die wissen was sie tun!“

Bitte was?
Die Leitung geht davon aus, dass Leute hier im Dienst sind, die nicht wissen was sie tun?
Noch ein größeres Armutszeugnis kann man sich als Leitung nicht ausstellen.
Sollte dem so sein, dann habe ich als Leitung doch dafür zu sorgen, dass meine Mitarbeiter qualifiziert werden, oder? Und wenn es Geld kostet dann ist das eben so!
Mal abgesehen davon, einer examinierten Pflegekraft so etwas vorzuwerfen… Sie wüsste nicht was sie tut. Hallo?

Ich habe die Schnauze voll!
Ehrlich, ich bin nicht mehr bereit mein Leben aufzugeben für meinen Arbeitgeber.

Aber genug Wut jetzt!

Versuchen wir das ganze sachlich zu betrachten, außerhalb von Vorschriften.

Pflegekräfte sollen wertschätzend mit ihren Patienten umgehen, weil es ein Kern unseres Berufes ist.
Wir tun das auch, abseits aller unrühmlicher Ausnahmen.
Unser Vorgesetzten verlangen das auch zu Recht von uns.
Aber wo bleiben wir in der Geschichte?
Wertschätzung gegenüber uns bleibt völlig auf der Strecke, Dienstpläne sind offensichtlich nicht mehr bindend für Arbeitgeber. Arbeitzeitgesetze werden als gut gemeinter Rat gesehen.
Über Personal verfügt man. Da wir ohnehin 24*7 da sein müssen dann eben auch genau so.
Es ist egal. Egal wieviele Dienste wir bereits haben, egal was besprochen war. Unsere Freizeit ist betriebswirtschaftliche Verfügungsmasse, natürlich nur zum Wohle des Patienten.
Aber ist das so? Dient es dem Wohl des Patienten wenn ich 60h in der Woche arbeite?
Dient es dem Wohl des Patienten wenn ich mal wieder alle Festlichkeiten zu Weihnachten und Silvester sausen lassen muss, weil mein Arbeitgeber sich einen neuen Dienstplan ausgedacht hat?
Ich denke nicht!
Das Gegenteil ist der Fall. Das Pflegepersonal ist das Feigenblatt eines Systems indem es nur um die Wirtschaftlichkeit geht.
Von uns wird erwartet, das freundliche, fürsorgliche Gesicht eines durch und durch gewinnstrebenden Systems zu sein.
Der Patient ist Fallpauschale und unsere Arbeitskraft trägt leider am wenigsten zur Refinanzierung bei.
Wir werden zerrissen zwischen Wirklichkeit und Anspruch.
Familienleben, Freunde, soziale Kontakte, alles muss hinter dem heiligen Dienstplan zurückstehen.
Wie wertschätzend kann, so frage ich mich, jemand gegenüber seinen Patienten sein, der keinen geregelten Ausgleich von der Arbeit mehr findet? Geregelt heißt in diesem Falle, verlässlich, planbar und ausreichend.

Gute Pflege kann nur von Menschen geleistet werden, die fest in ihrem Leben stehen und Rückhalt durch Freunde, Familie usw für ihren teilweise extrem psychisch belastenden Beruf haben.

Ich denke, ich habe Pflege durchgespielt, der Endgegner ist erreicht.
Ich will gesund bleiben und denke ich muss deshalb von den Kranken Abstand nehmen.
Und mit krank meine ich nicht primär die Patienten.

Quelle: Garcon de Piss

6 Gedanken zu „Pfleger und Schwestern sind KEIN Verbrauchsmaterial!

  1. Drachenweib

    Kenn ich. Zur Genüge. Auch ausserhalb der Feiertage. Deshalb bin ich aus der Pflege weggegangen. Ging nicht mehr, denn es hiess: Entweder kranke ( ich meine auch nicht primär die Patienten) oder meine Gesundheit. Für alle die, die selbst keine „Pflegenden“ sind: Ich für meinen Teil habe meinen Beruf nicht wegen des stressigen Arbeitsalltages an sich aufgegeben, sondern wegen dem „Drumherum“. Es sind nicht die Patienten die einen krank machen, sondern die Vorgesetzten- mit immer neuen schwachsinnigen Forderungen und immer selbstverständlicher werdenden Unverschämtheiten im Auftreten gegenüber ihren Mitarbeitern. Die sozialste Branche ist durch und durch asozial geworden.

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  2. Guy Hofmann

    Gut gebrüllt Löwe.
    Wer daran krank wird, weil er zu lange „durchhält“ ist doppelt gestraft. 1.) Durch die Nachteile während des Durchhaltens, 2.) Die nachfolgende Erschöpfung-Depression. Im schlimmeren Fall droht Berufsunfähigkeit. Und zu spät kommt die bittere Erkenntnis, mit dem eigenen Durchhalten das insgesamt kranke System noch länger aufrechterhalten zu haben. – Einziger Trost: „better late than never“, besser spät als nie.
    Und wenn ich selber einmal Pflege brauche? Dann werde ich mit Selbstverständlichkeit erhoffen, gut und würdig gepflegt zu werden. – Das beisst sich. Unauflöslich.

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    1. sdasdas

      Ich schaffe jetzt insgesamt 3 Jahre in diesem Beruf. 1 Jahr Praktikum und 2,5 Jahre Ausbildung Gesundheits und Krankenpfleger. Muss leider einiges bestätigen. Ich als Schüller habe noch viele Vorteile. Aber muss trotz dieser vielen Vorteile festellen. Das einige sehr fleissige Mitarbeieter immer die Dummen sind. Und diejenigen nach oben Kommen die über diese Bestimmen. Aber selbst diesen Fleis und Einsatz kaum noch zeigen…. Wer will da dan noch diese Ausbildung überhaupt noch machen. Ich selbst habe Mobbing Situationen erlebt. Aber meisst von diesen die eig sehr nett und fleissig sind… einfach nur aus der Tatsache heraus dass Sie Massloss überfordert sind. Da kann ich verstehen das Schüller auch oft für solche Mitarbeiter eine rießen überforderung sind. Sie tragen Ihr riesen Problem einfach weiter an den nächsten unter Ihnen. Selbst ich habe sommit leid Psychiche Überforderungsituationen durchgemacht, aber das darf man ja als Schüller ja nieh schreiben und Überhaupt erwähnen. Da heißt es ja gleich man währe total für diesen Beruf ungeeignet. Ich selbst musste Lernen in einem System durchzukommen das kaum noch den Patienten sieht sondern nur noch zahlen…. Schade bin jetzt im dritten Lehrjahr un haber dammit aufzuhören aber Liebe diesen Beruf und habe deswegen zimliche schwierigkeiten aufzuhören…. Schüller machen fehler ja und Schüller müssen noch Lernen ja… Weiss aber selbst nicht mehr wass für eine Welle in Zukunft da auf uns zukommt… Und wär macht da dann noch freiwillich diesen Beruf. Ich musste mir schon so einiges anhören… das eine wahr wirklich ein Verbessserungsvorschlag aber das andere auch zimlich verletzend… und desconstructiv … aber das Interessiert ja keine Verwaltung… das Interresiert ja keine GMBH, AG undsw… Auch Interesiert das auch nicht die Politiker unserer jetztigen und früheren Regierung. Und alleine die Komentare das dieser Beruf nieh gut Bezahlt wird und Fair jemals mit den Mitarbeitern umgegangen wird. Fördert ja nicht gerade diesen Beruf. Die Liebe zu diesem Beruf zählt anscheinend nicht mehr. Menschen die Hilfe benötigen werden nur noch als Schwarze Zahl in der Buchhaltung gesehen. Nun gut Ich stehe vor meinem Pflege Heute oder jeglichem anderen Fachbuch auch immer und stehe vor der Prüfung. Mit diesen gedanken… Toll. Was ist das, soll nun jeder Beruf so enden….. Das haben wir alle davon. Wir haben Geld zur Nahrungergänzung gemacht, mit dem einen Unterschied man kan Geldscheine Virtuel Unendlich vermehren. Nahrung kan man nur bedingt Unendlich Vermehren. Und was bringt mir diese Gier (wen man zukünftig eine Ganze Schubkahre Scheine für ein Brot benötigt) Motz motz motz…. :D

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  3. AED

    Gehe deshalb in die ambulante Pflege, weil ich das Gefühl habe das es da bei uns im Ort besser ist. Sehr viele langjährige Mitarbeiter die zufrieden sind und so wirken. Freuen sich auf Neue, mal sehen.

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  4. Phelma

    “Es müssen ja gerade über die Feiertage Leute da sein, die wissen was sie tun!” – Und sonst nicht, oder wie? Das ist doch abartig.

    Wenn ich das lese, dann weiß ich wieder, das ich mit meiner Abteilung einfach nur unverschämtes Glück hatte. Da gibt es den Dienstplan früh, geändert wird nur nach Absprache und wenn ich nein sage, dann ist es auch ok.

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  5. Elli

    Genau DAS ist der Grund warum ich nun, nach nunmehr 7 Jahren, einer kurzen Exkursion mit ungeheuerlichen Einblicken in den Pflegealltag das Handtuch schmeißen werden !
    Ich bin es leid, mit meinem Privatleben hinten anstehen zu müssen …
    oder besser gesagt zu sollen.
    Darauf zu hoffen, dass bloß kein Anruf während meiner knapp gesäten freien Tage kommt, von einer PDL die mir erklären will, dass sie mich unbedingt,dringend für die Versorgung eines Patienten brauchen, sich dann überschwänglich bedankt und mich bei der nächsten Abrechnung dann um Stunden und Fahrtkosten bescheisst ! Wiederholt !
    Ich habe auch keine Lust mehr, mich dem öffentlichen Bild der Arschabwischerin zu stellen und wieder und wieder erleben zu müssen dass unser Beruf weder respektiert, noch ordentlich vergütet wird und noch weniger Lust darauf habe ich, wenn ich sehe dass ich trotz super Examen und Fachweiterbildung zur ausserklinischen Beatmungspflege einen geringeren Netto-Stundenlohn erhalte als eine Putzhilfe in ihrem 450 Euro-Job !!
    Ich denke, ich habe schon relativ gut verhandelt und bekomme zur Zeit 15,45 Stunde/ Brutto.

    Vom PflegeNotstand merke ich bisher noch nichts.
    Klar … weniger Pflegekräfte, mehr Arbeit auf weniger Schultern ABER bessere Arbeitsbedingungen ?
    Gerechte Dienstpläne ? Faire Löhne ? Ein respektvoller Umgang ?
    Fehlanzeige !
    Ich bin mir sicher, dass sich in 15 Jahren die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte in Deutschland grundlegend und zum positiven ändern werden.
    Für 2030 wird prognostiziert, dass uns über 500.000 exam. Pflegekräfte fehlen werden.
    Aber bis dahin durchhalten ?
    Nööööö… ohne mich.
    Ganz ehrlich, da geh ich lieber putzen ohne diese Verantwortung ( in meinem Fall unter anderem beatmete Patienten ) tragen zu müssen und ohne dieses kranke System noch weiterhin mit meiner Arbeitskraft und meinem Fachwissen zu füttern und aufrecht zu erhalten.

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