Pflegestreik.

Die Pflege in Deutschland ist krank. Erkrankt an Arbeitsüberlastung, geringer Wertschätzung, Unterbesetzung und zu geringem Gehalt. Das haben sicher die meisten Menschen bereits mitbekommen. Wer Pflegende in der Familie oder im Freundeskreis hat kennt ihre Geschichten aus dem Alltag in deutschen Krankenhäusern, den Pflegeeinrichtungen und den ambulanten Diensten. Überall ähneln sie sich.

Vor ein paar Wochen gab es nun aber einen Streik an der Berliner Charité. Die Pflegenden haben ihre Arbeit niedergelegt. “Großartig” und “das wurde auch Zeit” haben sicher einige gedacht. Und das wurde es auch. Ich persönlich habe gehofft, dass in den Medien endlich über die Zustände in der Pflege berichtet wird. Dass Pflegende wach gerüttelt werden, sich für ihren Beruf und damit auch für die Menschen die sie versorgen einzusetzen.

Medial berichtet wurde aber kaum. Hier und da mal ein kurzer Bericht, der aber in den meisten Fällen nicht die tatsächliche Problematik in der Pflege angesprochen hat.
Auf Twitter tauchte der Hashtag #Pflegestreik auf. Pflegende aus allen Bereichen erzählen von ihren Problemen, von erlebtem. Viele reden davon unter diesen Umständen nicht mehr lange in diesem Beruf bleiben zu können, den sie eigentlich lieben. Jeden Mittwoch ab 13:45 wird eine sogenannte Mittwochsdemonstration gestartet, mit dem Ziel in den Twittertrends zu erscheinen und so die Menschen und die Medien auf das Thema aufmerksam zu machen. Politiker werden angeschrieben, sich doch bitte des Themas anzunehmen. Die Resonanz ist in den meisten Fällen, dass wir gar nicht erst eine Antwort bekommen.
Die Solidarität in den sozialen Medien ist relativ hoch. Viele sind erschrocken über die Zustände. “Ich wusste das es schlimm aussieht. Aber so schlimm hatte ich nicht erwartet” war zum Beispiel einer davon.

Die große Hoffnung, die ich zu Beginn des #Pflegestreiks hatte, weicht allerdings so allmählich einer gewissen Nachdenklichkeit. Ich denke darüber nach, wie es jetzt weiter geht. Twittern ist die eine Sache, aber das allein ändert nichts. “Streikt doch endlich mal im großen Stil” sagen viele. “Ja, geht bald los” würde ich gerne antworten. Kann ich aber nicht.
Auf meiner Station haben viele nichts davon mitbekommen, dass die Pflege der Charité streikt. Als ich davon erzählte wurde es mit einem “ändert ja eh nix” abgetan. Ich war ernüchtert. Und zwar so richtig. Diesen Satz habe ich schon so oft von Pflegenden gehört. Er wird als Ausrede benutzt um nichts tun zu müssen. Man könnte meinen, dass der Leidensdruck dann halt noch nicht groß genug ist. Aber das verrückte ist ja, dass er das ist. Er ist so hoch, dass viele ihre Stelle kürzen, weil es Vollzeit nicht mehr geht, werden krank oder verlassen gleich ganz die Pflege.

Warum das so ist, darüber kann ich nur spekulieren und die Gründe werden vermutlich vielschichtig sein. Pflege hat es nie gelernt für sich selbst zu kämpfen. Wir haben keine Lobby wie zum Beispiel die Ärzte, man sieht sich selbst als schwächstes Glied der Kette und man weiß nicht, was man denn überhaupt tun könnte. Er herrscht Uneinigkeit, über welchen Weg denn am besten die Ziele erreicht werden können. Streik, Pflegekammer, Politik, Berufsverbände? Wo soll man sich engagieren? Welcher Weg führt uns zum Ziel?
Über all das kann man hervorragend streiten.

Die Frage, die mich aber am meisten beschäftigt, ist wie wir es endlich schaffen können, die Pflege dazu zu bewegen nicht mehr länger alles über sich ergehen zu lassen. Sich endlich zu wehren. Und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie das gelingen soll.

Deshalb wünsche ich mir eine Gewerkschaft, die sich für Pflegende einsetzt. Aktiver um Pflegende Mitglieder wirbt. Ihnen zeigt, welche Möglichkeiten sich durch eine Mitgliedschaft bieten.

Ich wünsche mir eine Pflegekammer um der Pflege eine Lobby zu geben. Die die Interessen der Pflege vor Politik und anderen Kammern wie zum Beispiel der Bundesärztekammer vertritt.

Ich wünsche mir, dass die Politik endlich begreift, dass wir eine Reform benötigen, die ihren Namen verdient. Es geht hier immerhin darum, wie unser Land mit pflegebedürftigen Menschen umgehen will.

Und ich wünsche mir Berufsverbände die lauter sind als jetzt. Mit gezielten Aktionen medienwirksam auf die Probleme in der Pflege aufmerksam machen.

Und von euch liebe Pflegende wünsche ich mir, dass ihr euch endlich für euren Beruf engagiert, den ihr so liebt. Euch informiert über die Möglichkeiten die ihr habt und über eure Rechte als Arbeitnehmer. Lernt endlich Nein zu sagen.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen von Nanunana

Ein Gedanke zu „Pflegestreik.

  1. lalilu

    Es ist als sei alles bewusst so gesteuert. Die ambulante Pflege ist massiv im Vormarsch und wird viel Gewinn erwirtschaftet auf Kosten des Personals und Patienten. Sehr enge vorgabeb von Zeittaktung je versorgung und Vorgabe der Fahrtzeit. Alles nicht mal annähernd zu schaffen. Stresspegel und Fehlerquote ist extrem hoch. MDK interessiert nur die Doku. Weder das Personal wird befragt noch werden sich weitere Unterlagen angeschaut. Wie kann eine Firma Prüfsiegel von top Job und grace place to work erhalten wenn nicht einmal Mitarbeiter die entsprechenden Fragebogen ausgefüllt haben die aber zwingend erforderlich ist? Wieso gibt es kaum eine Möglichkeit, für Mitarbeiter der ambulante Pflege, eine Aufsichtsbehörde zu finden die anonym Hinweise aufnimmt und deren nach geht? Bossing ist in den Bereich sehr weit vertreten. Wovon ich selbst auch betroffen bin. Wie kann es sein das Unternehmen verhindern kann mit Drohung und Druck, das ein Betriebsrat gegründet wird? Wieso gibt es da keine gesetzlichen Bestimmungen? Pflegeeinrichtungen egal ob ambulante Pflege oder stationär, dürften gesetzlich nur ein gewissen Prozent Satz an gewinn erwirtschaften. Dann würde der Rest an Lohnerhöhung und mehr versorgungszeit weiter gegeben werden. Es gibt so viel was vorgesetzte intern mit Personal betreiben aber es gibt keine Anlaufstelle für das personlal. Warum schalten sich Reporter nicht verdeckt in Unternehmen ein mit dem Vorwand als potentiellen Arbeitnehmer? Ich würde denen so einiges zeigen da bleibt denen die Luft stehen…….

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