Resignation.

Unsere Station soll erweitert werden. Die Intensivstation soll um 2 Betten und einem Schockraum erweitert werden. Für diejenigen, die nicht wissen was ein Schockraum ist: in solch einem Raum findet die Notfallversorgung neu eingelieferter Patienten statt um sie danach in ein anderes Haus weiter zu verlegen oder auf die eigene Intensivstation zu übernehmen. Solch eine Notfallversorgung kann sehr zeitaufwendig sein. Zu den neuen Betten und dem Schockraum ist noch eine Erhöhung der Telemetrieplätze von 4 auf 7 angedacht und ein weiterer Beatmungsplatz.

Wenn ihr das so lest stimmt ihr mir sicher zu, dass solch eine Erweiterung nicht ohne eine Aufstockung des Personals geht. Und ja, wir wurden beschwichtigt, dass wir natürlich mehr Personal bekommen und das ist auch so. Naja, ok….mit einer Einschränkung. Die Hausleitung ist wohl der Meinung, dass wir eine 8 Betten Intensivstation mit Herzalarmfunk, Dialyse, 4 Beatmungsplätzen und einem Schockraum nachts trotzdem locker zu zweit bewältigen können. Wie das gehen soll ist mir schleierhaft.

Um auch hier nochmal zu erklären: wenn der Herzalarm geht, ist eine Pflegekraft erstmal zur Notfallversorgung weg von der Station, der Kollege solange alleine für die restlichen Patienten zuständig. Das gleiche gilt dann auch für den Schockraum. Eine vernünftige Pausenregelung ist zu zweit nicht möglich, da eigentlich mindestens zwei Pflegekräfte auf der Station sein müssen. Ihr seht, schon an dieser Stelle hakt das Prinzip „Dienst zu zweit auf einer Intensivstation“ ganz erheblich.

Wir haben einige Gespräche geführt mit der Stationsleitung, hier wurden wir beschwichtigt, dass wir erstmal abwarten sollen, es würde noch ein Gespräch mit der Pflegedienstleitung geben. Das fand dann im letzten Monat statt. Aus diesem Gespräch bin ich mit einem Kloß im Hals und einer riesigen Portion Wut gegangen. All unser Argumente wurden von der Pflegedienstleitung mit einem Lächeln abgetan. Und auch hier wurde uns gesagt, dass wir erstmal abwarten sollen.

Im Januar soll die Erweiterung durchgeführt werden. Spätestens ab Februar sollten also die Dienstplanänderungen zu sehen sein. Und was ist? Zu großen Teilen wurden die Nachtdienste im Februar wieder nur mit zwei Pflegenden im Nachtdienst geplant. Die Reaktion meiner Kollegen? Resigniertes Schulternzucken und als einziger Kommentar „Naja, das war doch klar.“

Also was macht man jetzt als Pflegepersonal wenn man damit nicht einverstanden ist, die restlichen Kollegen aber schon zu resigniert sind um zu kämpfen? Einen neuen Job suchen? Raus aus der Pflege? Ändert sich dann was? Kann ich das leisten, alleine auf weiter Flur zu kämpfen, mit wenig Aussicht auf Besserung? Ach ganz ehrlich…..ich weiß es auch nicht mehr.

10 Gedanken zu „Resignation.

  1. Johannisbear

    Hallo,

    Ich weiß nicht, ob Dir dieses Instrument zur Verfügung steht, aber in manchen Häusern gibt es die Möglichkeit der Überlastungsanzeige.

    Das ändert zwar nichts sofort, bringt Dich aber zumindest aus der totalen rechtlichen Verpflichtung wenn was schief geht.

    Viele PDL’s reagieren da aber sehr kapriziös darauf.

    Ansonsten gäbe es noch die Möglichkeit ein Schreiben auf zu setzen, in dem Du sachlich Deine Meinung und Bedenken vorbringst.

    Somit kann PDL nicht sagen, sie hätte von nichts gewusst und ist zudem in der Verantwortung.

    Betriebsrat?

    Ansonsten fällt mir -außer den Wechsel in die Traufe- auch nichts ein.

    LG

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  2. Guy Hofmann

    (Ist das dieselbe PDL wie kürzlich schon?)
    Nun, da könnt ihr schon zu Beginn jeder Schicht in dieser Konstellation eine Überlastungsanzeige wegen erheblicher Gefährdung der Patienten und wegen nicht eingehaltener Pausenzeiten schreiben.
    Die Gefährdung gilt sowohl für die tatsächliche Situation als auch für die potentielle Gefährdung sobald ein Herzalarm auftritt, wie im Text geschildert. (eine Pflegekraft weg, verbleibende Pflegekraft alleine mit xy Patienten, Beatmungen etc.)
    Am Besten einen Abreissblock mit 50 oder 100 Stück im Copyshop machen lassen. Die entsprechenden Felder für Patientenzahl, Beatmungen, andere Standard-Situationen zum ankreuzen bzw. ausfüllen lassen.
    Fußzeile mit Vermerk: zur Kenntnisnahme an Klinischen Direktor/ Chefarzt Abtlg./ Geschäftsführung/ Betriebsrat/ … – Ausfüllen, Name und Datum nicht vergessen, sowie Kopie für die eigenen Unterlagen.
    DAS kann man vorbereiten sowie an der Bereitschaft der KollegInnen, solche Überlastungsanzeigen auch auszufüllen arbeiten. – Nach 10 – 20 Überlastungsanzeigen mit Verstössen gegen das Arbeitszeiten-Gesetz das Staatliche Amt für Arbeitsschutz einschalten.
    Resiginieren, schlucken, grollen und krank werden oder alle erlaubten Hilfsmittel nutzen?
    Wäre schon hilfreich, wenn der Betriebsrat/ MAV dazu eine sehr klare Position beziehen würde. Der müsste schon jetzt kräftig mit den Hufen scharren.

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  3. Jo

    Ganz einfach! Weil 1,2 Mio. deutsche Pflegefachkräfte zu dumm sind, sich gemeinsam eine Lobby aufzubauen etc. rate ich dir deine Arbeitskraft dem deutschen Pflegemarkt nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Also Branche wechseln oder ins Ausland abwandern.

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    1. Guy Hofmann

      Ich glaube nicht, dass die 1,5 Mio Pflegenden zu dumm sind.
      Zu unerfahren,
      zu ängstlich,
      zu resigniert,
      zu eigensinnig,
      zu unwillig,
      zu eigene-Lösung-zentriert,
      zu weich, harmoniebedürftig und ~süchtig, nachgiebig, autoritätsgläubig, fremdbestimmungs-gewohnt, … ,
      … .
      ABER FÜR ZU DUMM halte ich meine 1,5 Mio KollegInnen GAR NICHT.

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  4. Guy Hofmann

    @ Johannisbaer – Das Mittel Überlastungsanzeige gibt es nicht „in manchen Häusern“. Es ist absolut erforderlich um sich selbst strafrechtlich, haftungsrechtlich und versicherungsrechtlich von möglichen Schäden freizuhalten. – Ansonsten tritt ein, was die Juristen „Übernahmeverschulden“ nennen. Das heißt im Klartext: Du hast eine Situation übernommen, die erkennbar die Gefährdung von … mit sich brachte/ bringen musste und hast deinen Vorgesetzten nicht mitgeteilt, dass die Sicherheit von … durch Überlastung gefährdet ist, dann bist du mit haftbar. – Und dann stehst du mit vor Gericht. Übernahmeverschulden.

    Das gilt im gesamten Rechtsgebiet der Bundesrepublik, unabhängig wer der Träger der Einrichtung ist. Allerdings ist es erfahrungsgemäss gefährlich, wenn man als Einziger und ohne einen Betriebsrat/ MAV – der die Hinweise anonymisiert an die Verantwortlichen weiterreicht – eine Überlastungsanzeige schreibt. – Soviel zur gegenwärtigen Realität.

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    1. Johannisbear

      Ja, ich weiß.

      Lass es mich anders formulieren:

      In manchen Häuser gehört die Überlastungsanzeige zur „Fehlerkultur“ und wird deshalb nicht sanktioniert.

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      1. Guy Hofmann

        Ach so. Ja gut. Johannisbear – ich befürchtete schon … .

        Weiss gar nicht, ob ich das noch abschicken soll.
        – Die gute alte Fehlerkultur also. Wenn sich in allen anderen (gibt es dazu verlässliche Zahlen?) Einrichtungen also die Mehrheit (??) der Pflegenden nicht getraut etwas Überlastung zu melden, dann BLEIBT ein völlig falsches Bild.
        – Das ist ja genauso wie der Chefarzt einer Abteilung, der sich in Sicherheit wiegt, weil es bei seinen Patienten kein Fieber gibt, aber nicht bemerkt, dass die Oberärzte den Pflegenden das Fiebermessen verboten haben und DESHALB kein Fieber … .
        – Also selber schuld/ verantwortlich liebe Pflege, solange die schweigende Mehrheit – und das sind immer noch ÜBER 90% !!! – NIX TUT und weiter so Dienst macht, kann sich nichts ändern.
        (Jetzt sind wir auch nicht weiter.)

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  5. Silke gabrysiak

    Ich kann deine Bedenken sehr gut verstehen und wenn der Notfall -Patient eine 1:1 Betreuung benötigt seit ihr am Limit.Unsere Intensiv wurde letztes Jahr umstruckturiert und die Kollegen sind am Stock gegangen.Überlastungsanzeigen /Gespräche auch mit der Geschäftsführung sind ins Leere gelaufen…was kann man tun?Wie kann man sich wehren?Mittlerweile fällt mir nichts mehr ein…Patientengefährdung /Pflegekräfte kaputtspielen scheint in Deutschland mittlerweile normal zu sein

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