Schwester!

Ich arbeite seit zehn Jahren in der Pflege, davon seit sechs Jahren als ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin im Bereich der Intensivmedizin.
Ich mag meinen Beruf, gerade deswegen möchte ich mich für bessere Arbeits- und Rahmenbedingungen einsetzen. Und es gibt da etwas, das mich bereits seit geraumer Zeit stört: die „Schwester“
Schwester, die Kurzform von Krankenschwester – ein Relikt christlicher Ordensgemeinschaften, die sich bereits im Mittelalter der Pflege von Armen und Kranken widmeten.
Noch immer steckt er in den Köpfen der Menschen und damit vermutlich auch das durch die christliche Nächstenliebe geprägte Bild der Krankenschwester. Und auch das der aufopfernden und fürsorglichen Frau.
Seit 2004 lautet die korrekte Berufsbezeichnung „Gesundheits- und Krankenpfleger_in.“ Schon lange vorher waren die Männer in diesem Beruf „Krankenpfleger“ oder kurz: „Pfleger“ Doch bei den Frauen mag sich die „Pflegerin“ im Alltag nicht so recht durchsetzen. Auch bei Altenpfleger_innen erlebe ich häufig, dass sie sich als „Schwester“ ihren Patient_innen bzw. Klient_innen gegenüber vorstellen. Dabei würde die Bezeichnung „Pflegerin“ doch genau das ausdrücken, was sie in ihrem Beruf tun und was sie gelernt haben. Doch es sind gerade die Pfleger_innen selbst, die diesen Begriff weiterhin am Leben erhalten. Aber was macht die „Schwester“ mit den Pflegekräften und den weiblichen Pflegekräften insbesondere?
Eine Ordensschwester legt bei ihrem Eintritt in ihren Orden ein Gelübde ab, traditionell auf ein Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Eine Ordensfrau widmet ihr gesamtes Leben dem Dienst an Gott und den Menschen. Wie sehr hat sich der Pflegeberuf aus dieser Tradition im Prozess der Professionalisierung weiterentwickelt? Interessant, dass wir hier genau drei Probleme finden, die von Pflegekräften am häufigsten genannt werden:
zu niedrige Gehälter, wenig Zeit für Familie und dem Druck Dienstplanänderungen und Mehrarbeit wehrlos ausgeliefert zu sein.
Man kann durchaus davon ausgehen, dass wir hier eine Diskrepanz zwischen der Tradition der christlichen Nächstenliebe, insbesondere des „Dienens“ und der Professionalisierung unseres Berufes haben. Häufig spricht man von unserem Beruf tatsächlich noch von „Berufung“.
Fragt man Menschen außerhalb unseres Berufsfeldes, was sie von guter Pflege erwarten, bekommt man sehr häufig Dinge wie „Mitmenschlichkeit“, „Hilfsbereitschaft“ oder „Geduld“ zu hören. Der ehemalige Gesundheitsminister sprach sogar von einer „Pflege mit Herz und Hand“ Die fachgerechte Anwendung von Pflegemaßnahmen und Konzepten, also die Pflege mit „Hirn“, werden dabei eher selten genannt.
Nicht, weil fachkompetentes Arbeiten in der Pflege nicht gewünscht ist, sondern, weil den Menschen nicht klar ist, dass Fachwissen und mittlerweile auch wissenschaftliche Erkenntnisse, eine sehr wichtige Rolle in der Pflegepraxis spielen.
Man darf also durchaus annehmen, dass die Erwartungen der Gesellschaft an die Pflege noch sehr von christlicher Nächstenliebe geprägt sind. Auch ist das Bild von der sich für andere aufopfernden „Krankenschwester“ noch sehr stark in den Köpfen vorhanden. Und ich glaube, indem gerade wir Frauen in diesem Beruf uns als „Schwester“ verstehen und uns stets als „Schwester Vorname“ vorstellen, festigen wir genau dieses veraltete Bild nur noch mehr.
Nicht zuletzt schafft die „Schwester“, die eben auch eine nahe Verwandte bezeichnet, auch falsche Vertrautheit. Natürlich muss in der täglichen Arbeit mit Menschen ein gewisses Vertrauen aufgebaut werden. Wichtig ist aber auch eine professionelle Distanz.
Vor einiger Zeit habe ich damit begonnen, mich meinen Patienten gegenüber als ihre Pflegerin und mit meinem Nachnamen vorzustellen und ich konnte dabei auch sehr gut beobachten, wie sich meine Wahrnehmung mir selbst gegenüber veränderte. Aber auch Patient_innen und ihre Angehörigen scheinen mich eher als „Professionelle“ wahrzunehmen.
Bezeichnen wir uns als Pflegerinnen, nehmen wir auch eher die Rolle der Pflegerinnen ein.
Die Rolle der Person, die „pflegt“, die eine Ausbildung zur „Pflegerin“ absolviert hat und diesen Beruf ausübt. Man würde eine eher professionelle Haltung unseren Patient_innen und Klient_innen und ihren Angehörigen gegenüber einnehmen. Vielleicht würden wir diese Haltung auch gegenüber unseren Vorgesetzten und den ärztlichen Kollegen einnehmen. Wir können nur dann als professionelle Fachkräfte ernst genommen werden, wenn wir auch diese Rolle einnehmen und ausfüllen. Und den Titel „Schwester“ abzulegen, wäre ein Schritt in diese Richtung.

13 Gedanken zu „Schwester!

  1. Eva

    Ich als auszubildende Heilerziehungspflegerin bin zwar nicht so stark in der Pflege involviert wie Alten- oder Krankenpfleger, aber ich hätte trotzdem eine kleine, interessante Sache am Rande beizusteuern:
    Letztes Jahr fand eine Tagung zum Thema Berufsbezeichnung der Heilerziehungspflege statt, da man überlegte, ob man der HEP, wie sie auch oft als Kürzel genannt wird, einen anderen Namen verpasst, um das Berufsbild attraktiver zu machen. Dazu kamen irgendwelche Experten, die untersucht haben, inwieweit eine Berufsbezeichnung dafür verantwortlich ist, dass Jugendliche sich für eine entsprechende Ausbildung interessieren und letztendlich entscheiden. Bei anonymen Befragungen von Jugendlichen kam heraus, dass die Berufsbezeichnung „Krankenschwester“ erheblich mehr Ansehen erlangte als „Gesundheits- und Krankenpfleger“ – obwohl beides ein und dasselbe ist!
    Man mag daraus jeden Schluss ziehen, den man will. Tatsache ist jedoch, dass Pflege an sich als Berufsausübung nicht gerade beliebt ist. Die Gründe hierfür dürften vielen bekannt sein und die möchte ich hier auch nicht weiter ausschlachten.

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    1. Beatrice

      Hallo Eva.
      Das Ergebnis dieser Befragung ist ein interessanter Punkt, bei dem ich tatsächlich keinen Schluss ziehen möchte, sondern in der Hinsicht denn tatsächlich weiter nachfragen möchte. Warum ist das so? Und wie sehen die Antworten in Bezug auf die männlichen Krankenpfleger aus?

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      1. Eva

        Die Experten erklärten sich die Differenzen der Berufsbezeichnung damit, dass Pflege wie schon erwähnt kein sehr gutes Image als Beruf hat. Hingegen ist die Krankenschwester anhand der im Blog genannten Aspekte (z.B. die „falsche Vertraulichkeit“) ein vertrauter und bekannter Beruf, jeder weiß sofort, was damit gemeint ist. Der Ausdruck „Schwester“ impliziert – zumindest für mich – Vertrautheit, eine gute Beziehung, Familie. Einer „Schwester“, zu der man ein gutes Verhältnis hat, würde jeder sein Wohl anvertrauen, einem professionell distanzierten „Pfleger“ wohl weniger, da man nicht weiß, ob man zu diesem Pfleger dann eine gute Beziehung haben wird oder nicht.
        Bei der Tagung merkte eine Zuhörerin im Publikum an, dass der Ausdruck „Pfleger“ sie an frühere Züchtigungsmethoden erinnere. Also wird zumindest die Vergangenheit der Pflege, als in Psychiatrien und anderen Einrichtungen die Pfleger noch solche Methoden anwandten, auch noch ein Stück mit hineinspielen.
        Nochmal zurück zu den Experten in Bezug auf die Berufswahl Jugendlicher: ein Aspekt hierbei ist gemäß dem Spruch „was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ zu sehen. Denn Jugendliche tendieren dazu, am ehesten die Berufe zu wählen, die allein schon an der Berufsbezeichnung erkennbar machen, was genau man in diesem Beruf macht. Jeder weiß, was ein Feuerwehrmann ist und was man da leistet – im Gegensatz zum Heilerziehungspfleger, in meinem Fall. Ich habe schon öfter Fragen dazu beantworten müssen, was das ist, was man da macht usw., weil die meisten sich unter der Berufsbezeichnung einfach nichts vorstellen konnten – bestenfalls vielleicht noch den Ausdruck „Pflege“, der mich dann ja zwangsläufig als „Pflegerin“ ausweist.
        Leider gab es keine Resultate in Bezug auf die männlichen Krankenpfleger. Es wurde nur kurz das Beispiel der „Krankenschwester“ gebracht, um zu verdeutlichen, dass die Berufsbezeichnung ausschlaggebend dafür ist, ob Jugendliche Interesse an einer entsprechenden Ausbildung haben.

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        1. Beatrice

          Naja, was ich in Bezug auf Pflege oft erlebe ist, dass die Menschen mehr glauben zu wissen, was man in der Pflege tut und ich auch oft erklären muss, dass viele Aufgaben sehr anspruchsvoll sind. Nicht ohne Grund sitzt die Denke „Pflegen kann jeder“ in den Köpfen. Aber klar, die „Krankenschwester“ ist natürlich etwas gängiger als die „Krankenpflegerin“ Und ein wichtiger Ansatz des Berufsstandes ist wohl auch, ans Volk zu vermitteln, was wir tagtäglich tun, und warum sie notwendig ist.

          Was die Vertrauensbasis betrifft: man kann dieses auch auf professioneller Ebene aufbauen. Man vertraut auch Ärzten (und auch vielen anderen Berufsgruppen) sein Wohl an, ohne ihnen dafür einen vertrauensvollen Begriff geben zu müssen. Ärzte schaffen aber Vertrauen durch ihre Profession und durch ihre Kompetenz.
          Und wenn wir das Vertrauensverhältnis an die „Schwester“ knüpfen müssen, warum sind die Männer dann „Pfleger“ und keine „Brüder“?
          Und wie sieht Vertrauen aus in der Pflege? Ich kann nur aus dem klinischen Bereich sprechen, wo ich eben auch sehr oft erlebe, wie Patienten und Angehörigen ihren Frust und ihre Unzufriedenheit gerne an den Pflegekräften auslassen – während sie bei Ärzten meist sehr höflich bleiben können. Das ist eben auch, was ich unter „falscher Vertraulichkeit“ meinte.
          Nicht zuletzt sollte man sich in Zeiten des „mündigen Patienten“ – indem der kranke Mensch bei seiner Therapie mitbestimmt – überlegen, ob es hier eine private Vertraulichkeit braucht, oder ob hier nicht kompetente Ansprechpartner gefragt sind, die den Menschen die Möglichkeit geben die Therapie und die Pflege zu bekommen, die sie brauchen bzw. wollen.

          Kurzum: In dieser Thematik gibt es noch viel zu untersuchen und zu diskutieren. :-) Vielen Dank für deine Kommentare

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          1. Queenie

            Das ist auch meine Ansicht bezüglich der Anrede. Ich bin es ganz einfach leid, mich zeitenweise als „Dummchen“ hinstellen zu lassen. Sich mit „Schwester Vorname“ vorstellen, bietet dreisten Patienten die Möglichkeit zu duzen und auch wenn man konsequent weiter siezt, bleibt es dabei. Niemand käme auf die Idee, einen Mitarbeiter des Bürgeramtes zu duzen! Die Krankenpflegekraft ist ja nur eine Hinternwischerin und Bettschüsselkellnerin und das kann ja wohl jeder. Deshalb sind wir niedere Personen und niedere Personen muss man nicht siezen. Einmal habe ich einem Patienten (meistens sind es ja doch Männer, die duzen) im respektablen Ton gesagt, dass ich mich nicht erinnern könne, ihm das „Du“ angeboten zu haben. Der war dann aber länger angesäuert. Aber warum? Das ist doch mein Recht! Ich muss zugeben,ich bin zwar schon 15 Jahre in der Pflege sehe aber relativ jung aus und das könnte der Grund sein, warum mich viele als „Mädchen“ ansehen. Was ich ebensowenig abkann ist, das „Fräulein“ oder nur „Hallo!“

            Unsere Pflegeschüler werden auch degradiert. Sie haben andersfarbige Kittel als wir an. Das merken die Patienten dann recht schnell, was der grüne Kittel bedeutet. Die sind dann automatisch noch niedriger und werden häufiger geduzt.
            Und die Sache mit den Beschwerden. Wir Pflegekräfte sind die Anlaufstelle schlechthin. Wenn was mit dem Essen nicht passt („Schwester, auf dem Tablett fehlt mein Joghurt“), wenn ein Staubkörnchen rumliegt, wenn es mit der Wartezeit in der Aufnahme zu lange dauert, wenn der Arzt nicht gleich kommt, wenn sie auf die OP warten müssen, wenn die Parkplätze knapp sind….. IMMER sind wir diejenigen, die den Kopf hinhalten müssen. Bei uns wird sich ausgekotzt. Sehe ich aus, als könnte ich was dafür, dass wir wenig Parkplätze haben? Dass die Zimmer zu klein sind? Dass es nicht jeden Tag frische Handtücher wie im Hotel gibt? Dass am ersten Tag zum Frühstück nicht das Croissant mit dem Orangensaft kommt sondern ein normales Mischbrot (mich nervt sowieso, dass dieses Hotel- und Servicedenken immer größer wird. Wir hatten mal einen Flüchtling, der moniert hat, dass nicht täglich sein Bett bezogen wurde)? Hat sich jemals ein Patient beim Arzt beschwert, wenn er nicht sofort zur OP drankam? Nein!! Wenn am Morgen der Chefarzt vorm Bett steht wird er freundlich angegrinst. Wenn er weg ist, ist alles schlecht, von der Behandlung bis zur Putzfrau. Wenn man sagt, „….füllen Sie doch bitte dieses Beschwerdeformular aus“ (damit endlich Ruhe ist mit dem Getue), dann wollen sie doch nicht. Aber trotzdem unbedingt weiter meckern.

            Zum Glück gibt es im Gegenzug auch Patienten, die sich mehrmals am Tag bedanken, freundlich sind und Respekt vor unserem Beruf haben, sonst würde ich dort nicht mehr arbeiten wollen.

  2. l.t.m.

    Danke danke danke!

    Ich habe meine Ausbildung von 1995 – 1998 gemacht und schon damals haben wir darüber diskutiert. Ich habe dann nach meine Ausbildung leidlich konsequent angefangen nicht mit dem Nachnamen vorzustellen – Das kostet Kraft – denn Patienten fragen: “ Und sie sind jetzt die Schwester….. ?“ und wollen den Vornamen hören – manche haben ihn vom Namensschild abgelesen (ich habe daraufhin eines ohne Vornamen anfertigen lassen) oder meine Kollegen gefragt.
    Inzwischen ist es etwas besser geworden und so mancher auch und gerade ältere Mensch ist froh einen Fremden nicht mit dem Vornamen + antiquiert klindendem Titel anzusprechen. Das Argument, dass sich die alten Leute den Nachnamen nicht merken könnten habe ich schon vor 20 Jahren gehört – die heutigen Alten waren damals 60 und standen im Berufsleben und haben die Menschen um sich herum mit Herr und Frau angesprochen und stellen sich unter einer Schwester schon lange keine Ordensschwester mehr vor – zumindest nicht im Krankenhaus. Ebenfalls nicht zählen lasse ich die hochgezüchtete Angst ein Patient könne einen „finden“ also z.B. im Telefonbuch. Da gibt es andere Berufsgruppen auf Ämtern, Polizisten etc die sicherlich häufiger mal einem Menschen gegen den Strich gehen als Schwester Anita oder eben Frau Müller.

    Ich stelle mich meinen Patienten mit dem Satz vor: Guten Tag, ich bin Frau F. , Krankenschwester und heute Nachmittag für Sie zuständig. (mit der Kranken- und Gesundheitspflegerin tue ich mich ein bißchen schwer und auf meiner Urkunde steht auch noch Krankenschwester). Ich erlebe dass dies zunehmen besser aufgenommen wird und eine gesunde Distanz schafft – auch für die Patienten – die wollen heute niemanden mehr, das als geschlechtsloses Schwesternwesen in weiblicher Physiognomie von Amts wegen durch ihre Privatsphäre trampeln darf und sie haben das hinzunehmen.

    Noch eklatanter empfinde ich das Verhalten von Pflegekräften am Telefon und in der Dokumentation. Da wird sich über weiter Teile mit Schwester/Pfleger Vorname gemeldet oder gleich nur mit dem Vornamen. ALLE anderen Berufsgruppen im Krankenhaus vom Chefarzt über dessen Sekretärin, die Dame von der Gehaltsabteilung, den Herrn vom Technischen Service, die Krankengymnastin, sogar die Hilfskraft in der Küche meldet sich am Telefon selbstverständlich mit ihrem Nachnamen und ggf. Abteilung – nur die Pflegekräfte melden sich mit dem Vornamen und machen sich zum Allgemeingut.
    Dieses Verhalten habe ich abgelegt als ich ein sehr aufschlussreiches Telefonat im Dienst führte: Ich nahm einen Anruf entgegen. Am Apparat ein Herr von der Kripo, der wissen wollte, ob der Patient xy der gerade eingeliefert worden sei nach Messerstecherei vernehmungsfähig sei. Ich sagte dem Herrn, dass ich darüber keine Aussage machen könne, die müsse er ggf. mit dem behandelnden Arzt klären. Ja aber der Patient sei doch bei uns, ich könne ihm doch sagen, ob der wach sei und ob man mit dem reden könne. Ich verweigerte wieder die Aussage. Dann wollte er noch wissen, ob der Patient bei uns auf Station sei – woraufhin ich ihm sagte, ob der Krankenwagen ihn hier hergebracht habe müsse er anderweitig in Erfahrung bringen und dann fragte ich ihn, wie es käme, dass er so darauf herumreite… er müsse doch etwas über das Thema Schweigepflicht wissen. Da lachte der Herr einmal und sagt zu mir: Ach Schwesterchen, man kann es ja mal probieren.
    Das war das LETZE Mal, dass ich mit mit meiner Berufsbezeichnung am Telefon in Kombination mit dem Vornamen gemeldet habe. In der Folge bemerkte ich eine deutlich veränderte und in der Summer freundlichere und zuvorkommendere Art meiner Gesprächspartner z.B. von Pflegeheimen etc. beim dienstlichen Telefonaten.

    Ich würde mich freuen, viele könnten sich dazu durchringen diese antiquierte Anrede endlich unter den Tisch fallen zu lassen. Oder sie wenigstens Konsequent durchzuziehen, den Stationsarzt „Arzt Udo“ zu nennen. Schwester ist kein Titel, Pflegerin auch nicht – es ist eine Berufsbezeichnung – so wie eben Arzt :-)

    Und jetzt auf zur Bank: Bankkauffrau Sabine bedient mich immer sehr freundlich.

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    1. Beatrice

      Tatsächlich erlebe ich auch hin und wieder, dass die Leute verwirrt sind, wenn ich mich mit meinem Nachnamen vorstelle. Ich gestehe aber auch, bevor ich jemand sehr betagten zu sehr verwirre, belasse ich es tatsächlich oft auch beim Vornamen. Allerdings habe ich auch schon einmal erlebt, dass ein Patient von mir verlangte, meinen Vornamen zu nennen, mit der Begründung „Stell dich doch nicht besser dar, als du bist.“
      Ausnahmen bestätigen die Regel, denn die meisten haben kein Problem damit.

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  3. Susi Sonnenschein

    Bei uns hängt eine Fototafel auf der die Vornamen der Pflegekräfte und deren Berufsbezeichnung steht. Ich persönlich möchte meinen Nachnamen nicht nennen, da ich mal eine Kollegin hatte, die deshalb von einem Patienten ausfindig gemacht wurde und gestalkt.
    Zurück zur Tafel. Ich habe 03/2006 Examen gemacht, den Ausbildungsvertrag also noch als Krankenschwester unterschrieben, bin aber GKP. Warum das aber? Mir ist es nun schon mehrfach passiert, dass mich Patienten/Angehörige gefragt haben, was denn nun der Unterschied sei, und noch ehe ich antworten konnte kam:
    “sie sind also nur Helferin“
    “Nein, ich habe auch 3 Jahre gelernt und ein Examen gemacht“
    “aber sie dürfen dann nicht alles machen?“

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    1. l.t.m.

      Jeder kann Stalking-Opfer werden – jeder.
      Ich glaube allerdings, dass die Schwester Andrea eher Opfer wird als Frau Martens – warum weil Schwester Andrea sich selbst schon einen anderen Status gibt, sich mit dem Vornamen privater macht als Frau Martens das tut.
      Für jemanden der stalken will ist es kein Problem dem Opfer von der Arbeit zu folgen – und wo Andrea Martens arbeitet weiß er ja – egal ob sie sich mit Vor- oder Nachnamen vorstellt.

      GKP erklären: Das ist die neue Berufsbezeichnung seit 200x und hat die Berufsbezeichnung Krankenschwester-/pfleger abgelöst – so wie die Arzthelferin heute Medizinische Fachangestellte heißt und aus dem KFZ-Mechaniker ein KFZ-Mechatroniker geworden ist.
      Und nur weil es keiner versteht oder sich schon mal Gedanken macht was das sein könnte nennst du dich lieber Schwester…. gemeinsam mit der Krankenpflegehelferin, gemeinsam mit der ungelernten Praktikantin – die einzige die sich wehrt ist die Assistenzärztin. :-)

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    2. Beatrice

      Öhm… Ok, so etwas in der Richtung habe ich noch nie erlebt. Selbst wenn die Frage kam, ob es einen Unterschied zwischen der KS und der GKP gibt, ließ sich alles simpel mit: „selber Beruf, neue Bezeichnung“ erklären und niemand hielt die eine für besser oder schlechter, als die andere.

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  4. Lisa Pinter

    Ich frage mich manchmal ob diese Diskussion nicht unser kleinstes Problem ist?! Ich stelle mich mit Sr. Vorname vor und finde das auch völlig ok. Ich finde es genauso ok wenn mich jemand mit Frau Nachname anspricht.
    Wenn man von einer solchen Banalität seine Professionalität abhängig macht, ist das schon ziemlich armselig. Es gibt immer wieder Pat., die das Pflegepersonal duzen und die würde es auch geben wenn alle sich mit Herr/Fr. vorstellen würden.
    Ich finde, dass das Verhältnis Pat.-Sr./Pfl. schon etwas besonderes ist und definitiv anders als z.B. zwischen Arzt und Pat. oder Ergotherapeut und Pat.
    Die Pflegeperson ist die, die immer da ist, der der Pat. privateste Dinge anvertrauen kann.
    Da ich auch chronisch erkrankt bin, durfte ich schon oft die andere Seite der Medaille kennenlernen. Ich habe mich bei jedem meiner Aufenthalte wohler gefühlt, wenn ich mit SR. Vorname anstatt mit Fr. Nachname sprechen durfte. Eben weil ich diesen Leuten da grade intimste Dinge, die zum Teil mein eigener Freund nicht weiß, erzähle. Da finde ich grade in der Psychiatrie, das bisschen Vertrauen der Pflegeperson gegenüber einem Pat. indem er sie beim Vornamen nennen darf, schon angebracht.

    Und obwohl ich erst Anfang 20 und noch in Ausbildung bin, passiert es m ir höchst selten, dass mich jemand duzt oder durch das „Sr.“ irgendwie herablassend behandelt. Im Gegenteil. Ich erfahre meist ziemlichen Respekt, einen solchen Beruf zu erlernen.
    Es gibt immer mal Ausnahmen, die glauben man wäre der Dienstbote aber das wird man diesen Leuten auch mit einer neuen Berufsbezeichnung nicht austreiben können.
    Professionell ist man durch sein Auftreten und Handeln, nicht durch eine bestimmte Anrede.
    Die Pflegekraft ist halt einfach nicht der Arzt. Der im übrigen auch immer „Herr/Fr. Doktor“ ist, auch ohne Dr.titel. Da beschwert sich doch auch keiner?!

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  5. Beatrice

    Hallo Lisa,
    nein natürlich würde sich allein durch die Anrede nicht viel verändern. Aber ist die Art wie ich mich meinen Patient_innen/Klient_innen vorstelle nicht auch Teil meines Auftretens und Handelns?
    Baue ich als Sr. Vorname Vertrauen auf oder ordne ich mich damit meinem Patienten nicht eher unter? Und wenn der Vorname so wichtig ist für Vertrauen ist, warum ist es dann in der Psychotherapie nicht selbstverständlich Psychotherapeut_innen mit dem Vornamen anzusprechen (Achtung: Ausnahmen bestätigen die Regel) Brauchen Psychotherapeut_innen und Ärzt_innen keine Vertrauensbasis zu ihren Patient_innen?
    Schließen sich professionelles Auftreten und eine Vertrauensbasis so sehr aus? Wäre es für eine professionelle Vertrauensbasis nicht auch wichtig, dass ich auf Augenhöhe mit meinen Patient_innen bin und ich mich nicht unterordnen?
    Und wenn es wichtigere Probleme gibt, warum kümmerst du dich dann um dieser Banalität?

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