Soziales Verhalten und andere Widersprüche.

Ich frage mich immer, wo wir eigentlich hin wollen?
Wir sind die, die im Zoo als Sozialtiere beschrieben werden würden. Klar sind wir sozial, sonst hätten wir nicht diesen Beruf gewählt. Manchmal muss ich aber glauben wir sind jedem sozial- und loyaler gegenüber als den eigenen Kollegen. Anders kann ich mir nicht erklären warum man trotzdem zu allem Ja und Amen sagt. Wenn es zum Beispiel meine berufliche Verantwortung trifft und ich dem weder zustimmen kann noch will, zB ab jetzt statt 15 Patienten am Tag 20 betreuen zu müssen. Mit ‚Arbeitsverweigerung!‘ gibt es dann von der Obrigkeit Druck. Jeder lamentiert, meckert oder leidet unter den Bedingungen, wenn man dann aber die Option bekommt den Mund aufzumachen schweigt jeder in sich rein und guckt betreten auf den Boden, dies beginnt bereits auf kleinster Ebene: zB bei Besprechungen im Team.
Warum stehen nur 2 von 20 auf, wenn Themen auf den Tisch kommen und man den Mund endlich aufmachen könnte. Am Ende in der Minderheit, weil natürlich keiner offen dem Zustimmen möchte obwohl man weiss die Mehrheit denkt exakt das Gleiche. Es nervt, dieses ewige ‚Finde ich gut dass du was gesagt hast.‘ geflüstert und natürlich ja nicht vor anderen.
Plötzlich werden wir nämlich vom Sozialtier ganz schnell zum Einzelläufer. Anstatt gemeinsam seiner Überforderung offen kund zu tun und Nein zu sagen und Energie dazu zu verwenden um zusammen weiterzukommen und sich eine Stimme zu erarbeiten, werden lieber Kollegen angeschwärzt und ihnen Unfähigkeit unterstellt weil sie dem Arbeitspensum nicht nachkommen (können). Neue Kollegen oder Auszubildende die Dinge optimieren und motiviert neuen Wind in den Stationsalltag bringen wollen werden mit Haben wir schon immer so gemacht, bleibt auch so! abgewiesen.
Die Zeit von ’schon immer so‘ ist vorbei, wir haben weder 1950 noch 1980, manchmal möchte man glatt meinen die Welt hat sich weiterentwickelt nur unser Berufsstand steht mit zu vielen Befürwortern noch am Bahnhof Nirgendwo und wartet auf den nie eintreffenden Zug.

Wann erreicht uns endlich das übergreifende Verständnis das wir nicht weiterkommen wenn wir anstatt miteinander gegeneinander agieren?
Man bekommt fast das Gefühl als würden wir bei Dienstbeginn nicht nur unsere Kleidung wechseln sondern in gleichem Zuge auch unsere eigene Meinung abstreifen. Warum?
In Zeiten in denen man immer mehr gegen uns arbeitet? Ist denn der überwiegende Anteil der Arbeitgeber loyal? Vermutlich nicht, anders ist nicht erklärbar warum wir Tage trotz vieler Krankheitsausfälle mit absoluter Unterbesetzung einer Schicht kompensieren, wir stolz sind dies geschafft zu haben und statt Dank von oben noch den Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen und es am Ende heisst: Funktioniert doch, können wir ja noch mehr Personal streichen! Gefühlt ist das so, viel zu oft. Immer mehr Standards, Verfahrensanweisungen und Formulare die auf uns einschlagen wie Kugelhagel und die Realität die so aussieht, dass man schon die bereits bestehenden Anweisungen nicht leisten kann weil Zeit und Personal fehlt. Würde man strikt so arbeiten wie man es muss oder gar in der Ausbildung lernte so bräuchten Schichten 12 Stunden bei der derzeitigen Knappheit an allem. Aussenstehende behaupten gerne: mach doch einfach Dienst nach Vorschrift.
Dienst nach Vorschrift ist aber leider eine Einstellung die weder moralisch noch lebbar mit einem Beruf vereinbar ist, der mit Dingen arbeitet die atmen und leben. Ich arbeite für den Patienten und zur Herstellung seiner Gesundheit und nicht am Fliessband, damit sich ein Operateur das 3. schicke Auto leisten kann oder ein Krankenhaus Gewinn abmelkt. Früher dachte ich immer das Problem läge an mir und dass ich nicht abschalten kann oder zu oft darüber nachdenke was falsch läuft, heute weiss ich, dass Kollegen die sich keine Gedanken darüber machen, können oder wollen, sehr viel mehr pathologisch sind als jene die sich damit auseinandersetzen. Säße man tagtäglich exakt 8 Stunden in einem Büro kann man dies vielleicht, nicht aber wenn man an einem Arbeitstag Verantwortung für bis zu 30, 40 oder gar 60 Personen übernehme und meinen Beruf so ausführen will wie ich es erwarte, so wie ich es für andere erwarte und auch von anderen für andere. Oder kann es Ziel von Pflege sein dass Menschen 3 Stunden in ihrem Kot liegen müssen weil man sich nicht 8x teilen kann? Warum schweigen wir über diese Dinge? Weil wir uns schämen? Weil wir ein Teil davon sind die dieses System stützen? Warum wird wohl bei Beiträgen wie diesem die der breiten Masse zugänglich gemacht werden nach 2 Tagen die Kommentarfunktion gesperrt? Vielleicht will gar keiner die Wahrheit hören?

Druck von oben Alltag. Zunehmend auch von unten, vielleicht sogar verständlich, denn wäre ich ein Patient der viel Geld in seine Krankenkasse investiert dann würde ich auch erwarten, schliesslich zahlt zu Recht heute keiner mehr für einen Dienstleistung wenn er keinen Service bekommt…Und es stösst der Pflege auf wenn man Dienstleistung in einem Satz mit Krankenhaus oder Pflegeheim fallen lässt. Nur um das Ganze kurz auf einen Nenner zu bringen: wir sind ein Krankenhaus oder Pflegeheim und kein Hotel mit dem zubuchbaren Wellnesspaket: Gesund in 2 Tagen.
Nur weil ein sogenannter ‚Kunde‘ mit dem Finger schnippt oder mich mit Schwesterchen! ranordert werde ich ihm kein Kaltgetränk bringen wenn er selbst in der Lage ist sich dies zu holen, ich aber dafür meine Zeit an anderen Patienten streichen muss die reelle Hilfe von mir benötigen. Provokant gesagt: die Pflege hat am wenigsten davon solchen Patienten den Po zu pudern, nichtmal Trinkgeld oder ein Danke gibt es, wir sind ja schliesslich gekaufte Serviceleistung. Im Gegenteil, wehe der Kunde hat etwas zu beanstanden, dann sitzt man postwendend zeitnah bei der Geschäftsleitung und muss sich rechtfertigen. Lob hingegen fällt durchs Raster, sei ja schliesslich selbstverständlich nett zu sein.
Unser Berufskodex lautet Hilfe für die die sie brauchen und nicht Service für solche die es selbst können. Verstehen Sie mich nicht falsch und zum Glück sind dies Einzelfälle, aber der zunehmende Wandel zeigt dies zu oft. Oder warum gibt es mittlerweile Klinikeinheiten die mit Teppich und Lounge ausgestattet sind? Sicher nicht weil man es uns besonders hübsch gestalten will. Haben Menschen die kein oder wenig Geld haben weniger Recht auf Zuspruch und Heilung? Ich glaube nicht. Ganz ehrlich es ist mir egal wieviel Geld ein Patienten auf dem Konto hat wenn er vor mir im Bett liegt nachdem er frontal mit dem Fahrrad gegen ein Auto prallte und meine volkommene Aufmerksamkeit braucht, ganz unrelevant wer dann noch meint mit dem Finger nach mir zu schnippen weil er einen ‚Service‘ erwartet. Wir sind Kranken- und Gesundheitspfleger und keine Dienstmädchen allemal Zuarbeiter für jene die Millionen mit diesem System erwirtschaften.
Man erwartet immer mehr von unserer Seite, bringt uns aber nichts entgegen.
Privatpatienten bringen uns Geld! Ja, welchem uns eigentlich?
Den Kollegen die sich dafür 8 Stunden lang die Füsse wund laufen? Sicher nicht.
Der Provision die wir dafür monatlich nicht erhalten? Sicher.
Dem Patienten mit Hüftbruch der sich nicht traut zu klingeln
weil er denkt sein Wunsch nach einem Glas Wasser sei anmaßend? Sicher nicht.
Man spricht heutzutage nicht mehr von einem Krankenhaus sondern einem Wirtschaftsunternehmen. Es bleibt ein Rätsel wie man ermöglichen kann mit Krankheit und auf Kosten Angestellter in diesem Bereich Geld machen zu dürfen.
Selbst wenn wir dies in Zukunft hinnehmen müssen, andere Unternehmen expandieren damit man mehr Ertrag erwirtschaften kann und stellen zusätzlich Leute ein, in guten Unternehmen erhalten Angestellte Provisionen oder Gehaltsanpassungen bei gelungener Leistung. Und wir? Wir sind so sozial und lassen es mit uns machen, man streicht uns Dinge und wir bedanken uns noch dafür, indem wir einfach den Mund halten. Zu Weihnachten schmeisst man uns dann ein paar Tafeln Schokolade auf den Tisch und ‚bedankt‘ sich für die gelungene Zusammenarbeit. Wir schützen Patienten und leiden lieber selbst. Sozial sein ist unsere beste und gleichzeitig fatalste Eigenschaft.

Nur eine Facette vieler die mir beim Tippen so durch den Kopf springen und nur ein Glied des Rattenschwanzes an welchem wir hängen. Schneller, höher, weiter!

Es gibt mittlerweile ein paar tolle Vereinigungen im Internet die u.a. Pflegetreffen organisieren, ungezwungen zum Austausch, ganz locker bei Kaffee oder einem Bier, Menschen die sich darum mühen und kümmern Treffpunkte auszumachen und passende Zeiten planen. Am Schluss gehen sie resigniert nach Hause, nicht weil sie daran keine Freude hatte mit den 4 Anwesenden dennoch Spass gehabt zu haben, sondern weil sie enttäuscht sind dass all ihre Mühe nicht geschätzt wird und von 50 Leuten die zugesagt nur tatsächlich 4 eintrafen. Warum oder weshalb dass will ich nicht auf die Waagschale legen. Es geht um die Tatsache dieses Laissezfaires.
Resignation derer die aufstehen und kämpfen aber stets gegen neue Mauern laufen ist durchaus nachvollziehbar. Ebenso wie Menschen aus unseren Reihen die einfach keine Kraft mehr haben sich zu wiedersetzen. Aber über eines sollten wir uns alle klar werden: nur zusammen können wir etwas erreichen. Miteinander nicht gegeneinander.
Wir sind keine Einzelkämpfer die alleine für sich und ihr Ego kämpfen, sondern wir kämpfen für alle Kollegen egal ob Altenpfleger oder Helfer, egal ob auf einer Intensivstation oder in einem Pflegeheim. Und in erster Front kämpfen wir für jene welche es brauchen und verdienen: für die Kranken und Alten. Und denen wird es am wenigsten helfen wenn wir weiterhin gute Miene zum bösen Spiel machen.

Jeder erwartet immer dass sich irgendwas ändert, aber kaum einer tut aktiv was bei, lieber bleiben wir still verharrend in unserem Mitleid liegen und warten darauf dass endlich Licht am Ende des Tunnels erscheint.

Wir sind Pflege!‘ scheinbar aber nie alle zusammen.

Warum überleben 4 von 5 Hühnern wenn der Fuchs kommt? Weil sie alle gackernd in getrennte Richtungen laufen und das eine tote Huhn dann halt Pech hat.

8 Gedanken zu „Soziales Verhalten und andere Widersprüche.

  1. a.nurse

    Respekt für die reelle Darstellung der Situation im Bereich ,, Meinung äussern“!
    Ich weiß nur zu gut, was es heißt ein Einzelkämpfer zu sein.
    Ein Jahr als Gesundheits-u. Krankenpfleger in bin ich ausgelernt und fing im Pflegeheim an zu arbeiten, weil ich einfach mehr Zeit für meine Klienten haben wollte als im Krankenhaus…. Pustekuchen!
    Ich wollte alles richtig machen und tat mich schwer mit dem fließbandartigem Wechsel der Inkontinenzmaterialien. Das Beobachten von freiheitsentziehenden Maßnahmen gab mir den Rest… Ich wollte mich einbringen, auch wenn ich neu war, fragte nach, hakte nach… doch das war nicht so gut angesehen.. es folgte noch eine lange Geschichte von Schikane und Mobbing bis zur Kündigung durch die Heimleitung!
    Und einfach nur weil ich den Mund aufmachte und auf Fehler hinwies und Verbesserungsvorschläge machte… Ich wollte nur helfen!!!

    Traurig aber wahr, meine Moral von der ganzen Sache ist einfach die ,, Fresse“ zu halten….?!

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  2. Dave

    Der Grund sind meiner Meinung nach die vielen vielen Muddis, die mit einer 25% Stelle irgendwo arbeiten und denen alles egal ist, weil sie ja nur 3 Tage die Woche da sind…! Die machen ALLES ohne zu murren, konfliktscheu und willig, so wie es die Herren auf der Teppichetage gerne wollen! Selbstbewusstsein, oder Berufpolitisches denken? Fehlanzeige

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    1. Jeanskäfer

      …durchaus korrekt…diese Spezies sehe ich auch nie bei „Pflege am Boden“, aber sich ständig über die miesen Arbeitsbedingungen auf Station beschweren, wenn nach 1 Freiwoche mal wieder ein Tag gearbeitet wird und dann noch die Vollzeitkräfte bedauern: „100 % arbeiten, das könnte ich nicht – ich weiß nicht, wie ihr das schafft!“

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    2. Jeanskäfer

      Sehr schön geschrieben, spricht mir voll aus dem Herzen.
      Ich kenne auch viele, die nur die Klappe aufreissen, sich ständig beschweren, seit 3 Jahren im Beruf sind, aber wenn sie mal an höherer Stelle ihre Meinung kund tun sollen, verstecken sie sich im Wäschelager…
      Offensichtlich ist bei vielen noch nicht angekommen, was der Krankenpflegeberuf heute ist. Es gibt doch tatsächlich noch Pflegekräfte, die den roten Teppich ausrollen, wenn der Chefarzt (der will das gar nicht!) kommt, oder frischen Kaffee gekocht haben, wenn der OA/ die OÄ zur Visite anrollt, und sich dann noch beschwert, daß es niemanden gibt, der „dekorativ den Visitenwagen schiebt“ und die Planetten hält, während kostbare Zeit verstreicht, die man aktiv am Patientenbett verbringen könnte. Alle neuen ÄrztInnen bekommen bei uns eine „Verfahrensanweisung“, wie man Kaffee kocht und wo das Schmutzgeschirr hinkommt, sowie auch den Hinweis, das Kaffeepulver nicht im unteren Schrank des Personalaufenthaltes kostenlos „nachwächst“.
      Solange Pflege und Ärzteschaft größtenteils gegeneinander arbeiten, tut sich hier auch nicht viel.
      Die meisten Akademiker haben immer noch nicht gemerkt, daß es ohne unsere Berufsgruppe überhaupt nicht geht – und sehen uns als Erfüllungsgehilfen, für viele ihrer Tätigkeiten. Ich jedoch, kann weite Strecken ohne Arzt auskommen.
      Ich habe von 1990 – 93 in einer großen Uniklinik die Krankenpflege erlernt. Die Abteilung hieß damals „Lehranstalt für medizinische Hilfsberufe“. Unser Schulleiter regte sich schon damals über die Bezeichnung auf. Erst Ende der 90er Jahre wurde diese Bezeichnung entfernt.
      Ich bin nicht dafür da, dem Arzt sein Blutentnahmetablett aufzuräumen , wenn er dieses irgendwo rumstehen lässt oder irgendwelche anderen Klamotten, die immer liegenbleiben, weil irgendeine doofe Schwester oder Pfleger es schon wegräumen wird. Solche Sachen wandern alle in das entprechende Arztfach. Dreckgeschir schleppe ich sogar ins Arztzimmer und platziere es dekorativ auf dem Schreibtisch.
      Warum sind sich so viele Pflegekräfte ihrer Rolle immer noch nicht bewußt? Und machen sich immer so klein?
      Neulich sagte eine Kollegin: „Ach, warum habe ich in der Schule nur so gut aufgepasst, dann wäre ich jetzt nicht hier, sondern könnte bei ALDI an der Kasse sitzen!“
      Ich habe die Kollegin zu einem Gespräch gebeten und gefragt, was der Unterschied zwischen Lebensmitteln ist, die man über einen Scanner zieht und Patienten, die man tagtäglich betreut…
      Übrigens ist das eine Kollegin, die sich auch nie konstruktiv kritisch einbringt und ebenso heuchlerisch den Ärzten hinterherwackelt und sogar noch die Blutmonovetten mit Zimmernummern beschriftet, damit der Dienstarzt am Wochenende weiß , wohin er gehen muß…..
      Ich kenne auch Stationsbesprechungen, wo immer nur die selben MA etwas sagen. Andere halten geflissentlich den Mund, beschweren sich dann aber später oder hinter vorgehaltener Hand über Mißstände…Da würde ich gerne die eine oder andere Watschn verteilen, um die Leute mal zur Besinnung zu bringen.
      Ich sehe tagtäglich, daß noch viele Defizite im Selbstverständnis oder Selbstbild der Pflege herrschen.
      Warum gibt es in den wenigsten Kliniken Stellenbeschreibungen für den Pflegeberuf ?
      Ich habe mir (zusammen mit 2 KollegInnen) meine Stellenbeschreibung selbst „zusammengebaut“. Wir waren vor Jahren die ersten 3 Pflegekräfte an unserer Klinik mit der Qualifikation „Fachpflege für Onkologie“. Unser Vorschlag der Stellenbeschreibung wurde 1 : 1 vom QM übernommen.
      Für eine „normale“ Schwester oder Pfleger gibt es heute noch keine Beschreibung…weil sich offensichtlich auch niemand (inklusive PDL) dafür interessiert.
      Leider haben viele noch nicht den Begriff TEAM verstanden, denn für mich bedeutet das:
      „TäglichesEngagiertesArbeitenMiteinander“

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  3. Sandra Leurs

    Hallo ihr sozialen Wesen,
    ich kann nur bestätigen was die Verfasserin dieses Bloggs geschrieben hat.
    2002 hab ich einen Vertrag in einer kirchlichen Einrichtung unterschrieben. Der erste Arbeitstag war schon die Hölle.
    Ich wurde zwar nett begrüsst, aber der 2 Satz einer Pflegemitarbeiterin hat mich direkt aus den Socken gehauen.
    “ Dein Examen kannst du hier in der Kitteltasche lassen, und wir arbeiten hier so wie WIR es gewohnt sind.“
    Der 2. Hammer kam nach vier Wochen, die selbe Pflegemitarbeiterin: Die Betten in deiner Pflegegruppe sind nicht ordentlich genug gemacht. Dafür trägst du jetzt die Arschkarte, die gabs wirklich und wurde mit einem Klipp am Kittel festgemacht.
    Ich weiß nicht ob es daran liegt, das hauptsächlich Frauen in diesem Beruf arbeiten, und eine Stutenbissigkeit einsetzt sobald eine neue oder neuer Mitarbeiter auftaucht. Oder eine Mitarbeiterin oder Mitarbeiter mit pflegerischen neuen frischen Ideen kommt, und diese im Keim erstickt werden, weil man sich nicht als Team aus dem Trott wagen möchte.
    Mich hat das alles krank gemacht, nicht meine Seele, aber meinen Körper, und musste mir eingestehen, in diesem ach so sozialen Beruf wirst du gefressen wenn du emphatisch und sozial eingestellt bist.

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    1. pseudofrequenz

      Die Arschkarte für den Kittel.
      In Zeiten unserer kann man nicht oft lachen, beim lesen deines Kommentares tat ich es trotzdem.

      Danke.

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  4. l.t.m.

    Der Mensch ist des Menschen Wolf!
    Besonders dann, wenn die Bedingungen so sind, dass es Druck von außen schafft die Menschen zu vereinzeln und so zu manipulieren.
    Viele in der Pflege arbeiten an vielen Baustellen – ein großer Teil der Frauen die in der Pflege arbeiten hat noch eine Familie zu versorgen, sorgt sich um die Schutzbefohlenen und ist gleichzeitig traditionell nicht so geprägt, dass Widerstand zum Selbstbild gehören würde. Sich Sorgen, sich kümmern steht im Vordergrund. Dafür nimmt Pflege Schichtdienst auf sich – obwohl er im Vergleich zur Industrie nur mit einem Almosen belohnt wird, dafür arbeitet Pflege an Wochenenden, an Sonntagen, über Weihnachten und Ostern. Und das ist auch gut so.
    Vor diesem Hintergrund ist es leicht die Menschen unter Druck zu setzen – in einem Klima des ständigen Leistungsdrucks, des nicht zu Atem kommens ist es schwer sich zu solidarisieren und noch eine Baustelle aufzumachen. Wer zwischen Arbeit und Familie die Gratwanderung schafft hat nicht unbedingt eine hohe Bereitschaft sich noch einen Seiltanz zwischen Arbeitgeber und Kollegen anzutun. Das ist manchmal frustrierend, aber ich möchte mit den Menschen – eben auch mit meinen Kollegen freundlich umgehen und verstehen warum sie so handeln wie sie es tun.
    Dabei hilft meiner Meinung nach am meisten Verständnis zu haben um Menschen zu gewinnen etwas zu tun. Der zusätzliche Druck von Kollegen doch jetzt endlich aus dem Quark zu kommen ist meiner Meinung nach eher kontraproduktiv und führt zu Rückzug – für mich verständlicherweise.

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  5. Mönchen Simönchen

    super, das bringt es auf den Punkt. Kenne dieses Gefühl, auch ich mach den Mund auf, ernte verstohlenes Nicken und wenn die Chefin mich dann versucht, mundtot zu machen, schweigen alle und schauen betreten nach unten. Hinterher im Dienstzimmer außer Hörweite der Chefs bekomme ich dann Recht, aber auf die Frage, warum denn keiner was dazu gesagt hat, heisst es, ach, wir ändern es doch eh nicht ….Überlege mir, den Beitrag gleich auszudrucken und auf Arbeit zu verteilen. Vielleicht denkt doch der eine oder andere mal darüber nach.

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