Tabula Rasa #Pflexit

Ich hab es probiert, vermutlich zu lange.
Ich mache Schluss.
Schluss mit falscher Ethik und Moral,
mit psychischer und physischer Überlastung.
Schluss mit Schichtdienst.
Schluss mit geldgeiler Geier die auf Kosten von Krankheit und Angestellten Profit machen.
Ich will nicht mehr nach Hause gehen, mit mir unzufrieden sein und es an den Menschen auslassen die nichts damit zu tun haben.
Ich will nicht mehr unverstanden Dinge erzählen von denen kein Mensch glaubt dass sie so im Krankenhaus stattfinden, ich will nicht mehr ’nur‘ die Krankenschwester sein die für den übrigen Arbeitsmarkt offiziell nichts kann.
‚Nur Menschenleben retten und helfen gesund zu machen‘, zählt halt nicht.
Ich will nicht mehr dem Berufsstand angehören bei dem es scheinbar in Ordnung ist wenn jemand sagt: Berufung braucht es halt.
Berufung zahlt für mich nicht bei Penny oder Aldi, genauso wenig zahlt sie meine Miete.
Eigentlich ist jede Lohnzahlung eine Klatsche auf die Breitseite ins Gesicht derer die diese Arbeit machen, egal ob als Hilfskraft, im Krankenhaus, im Altenheim oder auf einer Intensivstation.
Noch mehr leisten für immer weniger Gegenleistung, kranken Menschen keine Zeit zukommen zu lassen können und im schlimmsten Fall mit am Tod beteiligt sein.
‚Arsch wischen kann halt nicht jeder!‘ Desto mehr sollte man es wertschätzen. Oder?
Ganz einfach eigentlich.
Ich hab meinen Job immer gerne gemacht, nein nicht gerne sondern passioniert, und würde es auch immer noch gerne machen, wenn man mir von ‚oben‘ nicht stückchenweise den Boden und Möglichkeiten weggezogen hätte.
Ein ‚Gesundheitssystem‘ darf man nicht privatisieren
und zu einem kranken System machen.
Also müssen wir uns leider trennen.
Vielleicht können wir mit Abstand Freunde bleiben,
auch wenn mir das gerade utopisch vorkommt.
Und wie bei jeder Beziehung die sich spaltet gibt es ein lachendes und ein weinendes Auge.
Lachend weil ich mich auf die Zukunft freue
und weinend weil ich so manchen Pappenheimer vermissen werde.
Und ebenso weil ich Angst um die Zukunft habe.
Nicht weil das Boot schon gegen den Eisberg gefahren ist (für uns alle übrigens.)
sondern weil ich nicht in 10 Jahren noch in dem Hamsterrad an der Grenze meiner selbst laufen möchte.
Ich bin jetzt Anfang 30 und wenn ich es jetzt nicht rumreisse passiert nichts mehr.
Und ja was da noch in Zukunft auf uns im Gesundheitssystem zurauscht will keiner hören, will ja schon jetzt niemand.
Ich mache Schluss weil ich kein Teil mehr davon sein will.
Fragt mich nicht was ich alsbald machen werde, ich weiss es selbst noch nicht.

15 Jahre Schichtdienst in der Krankenpflege hinterlassen Scherben und Furchen.
Und das am Ende nicht nur im Gesicht.

Kündigung

3 Gedanken zu „Tabula Rasa #Pflexit

  1. Obecalp

    Ich kann Ihre Entscheidung sehr gut verstehen. Auch wenn es vielleicht schwer fallen mag. Es geht hier nur noch um Profit Profit Profit. Der Mensch zählt hier nicht mehr. Weder Patient/Bewohner noch Mitarbeiter ja selbst Angehörige. Oben werden sich die Säcke voll gemacht und die kleinen schauen blöd aus der Röhre. Ich als PDL habe genug Mitarbeiter und Bewohner leiden gesehen. Ich werde kein Fuß mehr in eine Einrichtung oder ein Krankenhaus setzen. Zumindest im beruflichen Sektor. Man stößt ja doch nur auf Ignoranz und unfähige Vorgesetzte. Und das System wird immer so weiter laufen, wenn nicht sogar noch schlimmer werden.
    Ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Berufsweg alles gute. Vielleicht finden Sie ja das passende für sich.

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  2. indi

    Ich fand alles sehr mütig und in sehr VIELEN Dingen hast du rechts. Ich bin selbst Krankenpflegerin und weiß schon dass es wird nichts besser sein sondern nur Erzählung Erzählung von die ganze Politik. Es fehlt uns an vieles, Eine Starke Stimme, Geld und Glaubens in unserem Beruf als Pflege, Arzt, Kranke Menschen etc.

    Ich wünsche dir auf deinen neuen Weg viel Glück, Gesundheit und ERFOLG.

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  3. andreas kahl

    Hallo,
    und vielen Dank für den ergreifenden Text. Es tut immer weh, solche Texte zu lesen. Die Ehrlichkeit ist ergreifend .
    Alles Gute für die nächste Zeit. Wer so leidenschaftlich schreibt, findet immer wieder eine neue PAssion.
    Danke
    Andreas Kahl

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