Von Anspruch und Wahrheit auf Intensivstation.

Da liegt der Angehörige nun auf Intensivstation.Zum Glück!
Das sind kompetente Ärzte und Oberärzte – ach ja und Pflegepersonal.
Da ist viel Personal – zumindest im Vergleich
mit der Station auf der der Kranke lag,
bevor er auf Intensiv musste.

Was der Angehörige und der Patient nicht wissen:
der Arzt ist Assistenzarzt und erst zwei Wochen auf Intensiv.
Davor war er ein Jahr auf der Diabetes-Station und einige Zeit in der Ambulanz.
Er hat ein paar Übungsstunden in der Anästhesie verbracht
um zu Intubieren zu üben(einen Beatmungsschlauch in die Lunge zu schieben).

Der Oberartz hat ab 17:00 Uhr nur noch Hintergrunddienst und ist telefonisch erreichbar.
Je nach Charakter und Temperament des Oberarztes,
vermeiden die Assistenzärzte diesen anzurufen.

Auf der 8 Betten Station tun zwei Pflegekräfte Dienst.
Davon ist eine seit wenigen Wochen auf der Intensivstation.
Sie kann weder ein Beatmungsgerät bedienen,
noch kennt sie sich mit den Medikamenten aus,
die üblicherweise auf Intensivstationen verabreicht werden.

Die zweite Pflegekraft ist somit die einzige erfahrene Kraft auf dieser Station.
Sie versucht Prioritäten zu setzten.
Sie versorgt die drei beatmeten Patienten
und guckt sich den neu aufgenommenen Patienten an,
den die unerfahrene Kollegin dann betreuen soll,
um einzuschätzen wie es dem Patienten geht
und die Vorgehensweise mit der neuen Kollegin zu besprechen.

Der Arzt muss kurz nach der Neuaufnahme erneut in die Ambulanz,
weil dort ein Patient mit Verdacht auf Herzinfarkt eingetroffen ist.
Ein Patient mit Tracheostoma (Luftröhrenschnitt) aber ohne Beatmung,
entfernt sich die Kanüle. Die erfahrene Kraft ruft den Arzt in der Ambulanz an,
dass er bitte kommen möge, um einen neue Kanüle einzusetzen,
da dies eine ärztliche Tätigkeit ist.
Der Arzt lehnt dies zunächst ab weil er zu tun habe und auf Laborwerte warte.
Erst als die Pflegekraft vehement darauf hinweist,
dass der Patient mit einem offenen Luftröhrenschnitt im Bett liegt und die Gefahr besteht,
dass er aspiriert (etwas falsch in die Lunge bekommt)
lässt sich der junge Arzt überreden, doch auf Station vorbeizukommen.

Die Krankenschwester bereitet alles vor.
Als der Arzt ins Zimmer kommt winkt er sie heraus um ihr zu sagen:
Ich weiß nicht wie das geht, ich habe das noch nie gemacht.

Die Krankenschwester übernimmt die Aufgabe des Arztes,
der dabeisteht und zusieht – eine ärztliche Aufgabe.
Sie fragt sich, was passiert, wenn hierbei etwas schief geht
–ob der Arzt wohl dazu stehen würde-
dass er nicht konnte was er hätte können müssen?

Dem Patienten geht es gut.
Alle Patienten überleben diese Schicht.

Wie gut dass sie auf Intensivstation sind, dort sind sie sie immer gut betreut.

Ein Gedanke zu „Von Anspruch und Wahrheit auf Intensivstation.

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