Wer nichts wird, wird Pflegewirt…

Es gibt zwei Gründe warum sich Kolleginnen und Kollegen für die Berufe der Pflege entscheiden.
Entweder weil sie anderen Menschen helfen wollen oder aber weil sich nicht wussten, was sie nach ihrer schulischen Ausbildung machen sollten.
Letztere, beschließen schon innerhalb der Ausbildung, wenn sie nicht abgebrochen wird, den Beruf zu wechseln.
Diejenigen aber, welche nach ihrem Examen an der mittlerweile entarteten Pflegefront arbeiten, stellen fest, das die Rahmenbedingungen für eine qualitative hochwertige Pflege nicht gegeben sind.
Zeitdruck, personelle Engpässe, steigende Leistungsanforderungen, Übernahme von pflegefremden Arbeiten, komplexere Therapiemaßnahmen, DRG, eine inkompetente, pflegefremde Pflegepolitik der Bundesregierung, familienunfreundliche Arbeitsmodelle sorgen schließlich dafür, das die Berufe innerhalb der Pflege an Attraktivität verlieren.
Hinzu kommt noch, das Stimmen aus der Pflege durch verschiedene Schwesternschaften, Pflegeverbände, dem Deutschen Pflegerat und der eigenen Professoren der Pflegewissenschaften öffentlich nicht gehört werden!
Ist es da nicht verwunderlich, das die Pflege hierdurch systematisch untergraben wird und immer und immer mehr an Selbstbewusstsein verliert?
Fragt man die Kolleginnen und Kollegen nach ihren Kernprozessen und Tätigkeitsmerkmalen als Pflegefachkraft, hört man sehr häufig :
„Arsch abbuzze; satt und/oder sauber; Urinkellner …“
Oder man blickt in große fragende Augen!
Der leider noch immer geltende Leitsatz in Regierung und Öffentlichkeit ist:
„Pflegen kann jeder …“ geprägt von dem ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Soziales, Norbert Blüm.
Mit dieser Aussage bewies Herr Blüm das er überhaupt keine Ahnung von der Thematik Kranken- und/oder Altenpflege hatte; dafür aber ausreichend.
Wenn jeder pflegen könnte, hätte diese Land keinen Personalmangel in Höhe von derzeitig 175000 offenen Vollzeitstellen.
Diejenigen, welche sich die Rahmenbedingungen als freiberufliche Pflegefachkräfte, sprich als selbständige Dienstleister im Gesundheitswesen selbst setzen, werden seitens Ämtern, Behörden und Intuitionen gehindert, dem Recht als Krankenpflegekraft eine eigenständige, selbständige und eigenverantwortliche Pflege durchzuführen.
So werden beispielsweise immer wieder seitens der DRV durch Statusfeststellungverfahren bescheinigt, dass Krankenpflegekräfte nicht selbständig arbeiten könnten. Ein ganz klares Indiz dafür, dass diese Behörde weder weiß was Krankenpflegepersonen täglich leisten, noch kennen sie sich in den jeweils geltenden Gesetzen aus!
Und dabei sind es genau diese selbständigen, qualifizierten und hochmotivierten Pflegefachkräfte, die dieses Land braucht!
Der aktuelle Fachkräftemangel wird nicht durch ausländische Kolleginnen und Kollegen durch Übersee oder aus Südosteuropa gelindert! Diese Versuche sind ein Tropfen auf den heißen Stein, da eine Vielzahl dieser Kolleginnen und Kollegen relativ schnell erkennt, hier verheizt zu werden. Zudem findet, um die ausländischen Kollegen in Deutschland auch zu halten, eine mangelnde Integration statt. Bayern und Hessen verlangen für die Zulassung mittlerweile nur noch einen sog. B1 Lehrgang, der gerade mal eben dazu befähigt beim Bäcker zwei Brötchen zu bestellen.
Ich bin nun seit diesem Monat 25 Jahre an der Pflegefront und das nun einer meiner Söhne zum 25. Jahrestag meinen Weg nachgeht erfüllt mich voller Freude und macht mich auch stolz. Denn es zeigt wie sehr ich diesen Beruf als Krankenpfleger mit seinen Höhen und Tiefen liebe. Vor allem seitdem ich mir meine Rahmenbedingungen als freier Krankenpfleger wie Agnes Karll selbst gesetzt habe.
Für die nächsten 25 Jahre habe ich nur zwei Wünsche; gesund zu bleiben und das 1,2 Millionen Pflegefachkraft das Selbstbewusstsein wieder erlangen um der Öffentlichkeit und vor allem der Regierung zu zeigen, wo der Katheter hängt!

Proud to be a nurse!

2 Gedanken zu „Wer nichts wird, wird Pflegewirt…

  1. @BoerneM

    Pflege kann jeder….
    Das ist unser Hauptproblem, die Rezeption unseres Berufes.
    Jeder der sagt, ich könnte deinen Beruf nicht machen, meint eigentlich ich könnte niemandem den hintern abwischen.
    Leider sind wir, die Pflege als Gruppe, nicht in der Lage uns dagegen zu wehren.
    Wir verharren in der devoten Pose, gehen keinem auf den Sack.
    Ich will hier nicht „Pflege am Boden“ kritisieren, es gut und wichtig, dass überhaupt mal was passiert.
    Aber still auf dem Boden passt zu uns, da enden ja auch viele Kollegen ist also quasie nur der Endzustand dargestellt. Still, klein am Boden.

    Wir sollten aufstehen und laut sein, frech, alles das was die Schwester oder der Pfleger in den Köpfen der anderen nicht tun, das Bild von der Pflege in den Köpfen mal grade rücken.

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